Titel: Le Gray's Verfahren zur Darstellung der Lichtbilder auf Wachspapier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136, Nr. XXXII. (S. 109–118)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/ar136032

XXXII.  Le Gray's Verfahren zur Darstellung der Lichtbilder auf Wachspapier.

Das bewährte Verfahren zur Darstellung der Lichtbilder auf Wachspapier von Gustave Le Gray, wie er es in der zweiten Auflage (1854) seiner in französcher Sprache geschriebenen Broschüre ausführlich beschreibt, ist folgendes:

Wichsen des negativen Papiers. – Diese vorläufige Operation hat zum Zweck, alle Poren des Papiers durch Einbringen von Wachs vollständig auszufüllen. Das so zubereitete Papier erhält die Stärke und das Ansehen des Pergaments; nach der Entwickelung des Bildes ist es nicht nöthig das Papier noch einmal zu wichsen, um eine positive Copie zu erhalten.

Man nimmt eine große Daguerreotyp-Platte (oder ein ähnliches Stück plattirten Metalls) und legt sie horizontal auf einen Ständer. Man erwärmt sie, indem man eine Weingeistlampe unter ihr hin und her führt; sie kann noch gleichförmiger mittelst eines Wasserbades erwärmt werden; dann überfährt man ihre Oberfläche mit einem Stück weißen Wachses; nachdem man auf diese Weise eine gute Lage von geschmolzenem Wachs erhalten hat, legt man ein Blatt Papier darauf, und erleichtert dessen Anhaften mittelst eines Kartenblattes. Wenn das Papier vollständig gesättigt erscheint, nimmt man es weg und legt es zwischen Blätter von Löschpapier, über welche man mit einem mäßig heißen Plätteisen fährt, um alles überschüssige Wachs zu absorbiren; es ist nämlich nothwendig, daß das Wachs gleichförmig im Körper des Papiers verbreitet wird und keines auf der Oberfläche desselben zurückbleibt. Wenn man ein Blatt gut präparirten Papiers gegen das Licht hält, so dürfen auf seiner Oberfläche keine glänzenden Flecken sich zeigen, sondern es muß gleichförmig durchscheinend seyn. Das Plätteisen darf nicht zu heiß seyn. Dünnes Papier ist zu diesem Verfahren vorzuziehen.

I. Operation. Zubereitung des negativen Papiers. – Man kocht 7 Unzen Reis mit 320 Gran Hausenblase in 7 1/2 Pfund12) destillirtem Wasser in einem Porzellan- oder Glasgefäß; die Reiskörner sollten nur schwach gebrochen seyn, damit die erhaltene Flüssigkeit nicht |110| durch überschüssige Stärke verdickt ist, sondern nur den klebrigen Theil des Reises enthält; das Ganze wird dann durch ein Stück feiner Leinwand geseiht.

Um das erste Bad zu bereiten, in welchem das Wachspapier eingetaucht wird, löst man in 40 Unzenmaaßen Reiswasser auf:

1 1/2 Unzen Milchzucker,
1/2 „ Jodkalium,
12 Gran Cyankalium,
7 1/2 „ Fluorkalium.

Wenn Alles aufgelöst ist, filtrirt man die Lösung durch feine Leinwand und bewahrt die klare Flüssigkeit in einer Flasche zum Gebrauch auf.

Dieses Präparat erhält sich lange Zeit vollkommen gut, und kann bis zum letzten Tropfen verbraucht werden; bei kaltem Wetter ist es besser die Lösung vor ihrer Anwendung schwach zu erwärmen. Um das Papier zuzubereiten, gießt man in eine Schale eine Quantität der Lösung, wenigstens 1 Zoll hoch; in diese taucht man das Wachspapier Blatt für Blatt, wobei man alle sich etwa bildenden Luftblasen sorgfältig entfernen muß; so kann man 15 bis 20 Blätter eintauchen und dieselben eine halbe bis ganze Stunde darin lassen, je nach der Dicke des angewandten Papiers. Nun kehrt man die ganze Papiermasse um; dann nimmt man ein Blatt nach dem andern, mit dem zuerst hineingebrachten anfangend, heraus und hängt dieselben an einer Schnur zum Trocknen auf, mittelst einer gebogenen Stecknadel welche durch eines der Ecken gezogen wurde. Eine Rolle Löschpapier, an dem Winkel angebracht wo die Tropfen fallen, erleichtert das Trocknen.

Englisches und französisches Papier sollten nicht mit einander in derselben Lösung zubereitet werden.

Nachdem das Papier trocken ist, schneidet man es zur erforderlichen Größe und bewahrt es in einer Mappe zum Gebrauch auf.

Das so zubereitete Papier sollte eine schwache violette Färbung haben; dieselbe erhält man sehr leicht mit einer alten Lösung, weil eine solche Lösung eine Säuerlichkeit besitzt welche das Jod frei macht. – Man kann dasselbe Resultat mit einer frisch bereiteten Lösung erhalten, wenn man ihr ein wenig reines Jod zusetzt, drei bis vier Gran auf 40 Unzenmaaße.

Da dieses Papier für das Licht fast unempfindlich ist, so kann es zur Tageszeit bereitet werden; wenn es aber zu lang einem starken Licht ausgesetzt bliebe, so würde das Jodkalium zersetzt und das Jod auf das Stärkmehl des Papiers niedergeschlagen werden. Man darf es daher niemals einem starken Licht aussetzen.

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Dieses Papier dient sowohl für Landschaften als für Porträts; es gibt gute Modulationen des Farbentons und ein intensives Schwarz.

Die nach dem Herausnehmen des Papiers in der Schale verbleibende Flüssigkeit gibt man in eine Flasche welche man verkorkt; man kann sie bis zum letzten Tropfen verbrauchen, muß sie aber vor der Anwendung filtriren.

Man kann mit Vortheil dieser Lösung per 20 Unzenmaaße das geschlagene Weiße von einem Ei zusetzen.

II. Operation. Verfahren das jodirte Wachspapier empfindlich und zum Gebrauch in der camera geeignet zu machen. – Man bereitet im Dunkeln, oder beim Licht einer einzigen Kerze, folgende Lösung in einer Flasche mit eingeriebenem Stöpsel:

destillirtes Wasser 10 Unzen
salpetersaures Silber 320 Gran
Essigsäure 3/4 Unzenmaaß
Thierkohle 1/4 –

Wenn das salpetersaure Silber aufgelöst ist, setzt man die Essigsäure zu, hernach die Thierkohle.

Die Flasche muß gut geschüttelt werden, worauf man die Lösung zum Absetzen stehen läßt; die Flüssigkeit kann in etwa einer halben Stunde klar abgegossen und filtrirt werden, wo sie dann zum Gebrauch bereit ist.

Die in der Flasche verbleibende Thierkohle bewahrt man auf, um damit das essig-salpetersaure Silber zu entfärben, wenn dasselbe von dem jodirten Papier bei einer nachfolgenden Operation gefärbt worden seyn sollte. Man muß besorgt seyn, daß alle am Boden der Flasche entstandenen Krystalle wieder aufgelöst werden.

Obiges Quantum von Lösung ist berechnet um 20 Blätter Papier von 10 Zoll Breite und 14 Zoll Länge empfindlich zu machen; bei Anwendung einer größeren Anzahl würde die Empfindlichkeit vermindert.

Zwei flache Porzellanschalen werden nun (mit weißem Filtrirpapier) vollkommen gereinigt; in die eine gibt man so viel essig-salpetersaures Silber, daß sie den Boden vier Zehntel eines Zolles hoch bedeckt, in die andere Schale gibt man destillirtes Wasser. Auf die Flüssigkeit in der ersten Schale, nämlich das essig-salpetersaure Silber, legt man ein Blatt des jodirten Wachspapiers; man drückt auf die obere Fläche des Papiers (mittelst eines Pinsels) so, daß es mit der Flüssigkeit in Berührung gebracht wird und entfernt alle Luftblasen welche sich an der untern Seite bilden. Man läßt das Papier in diesem Bade vier bis fünf Minuten; |112| sollte das jodirte Papier violett gefärbt seyn, so kann man es entfernen sobald es weiß geworden ist, weil es dann das Maximum seiner Empfindlichkeit erreicht hat.

Das aus der Silberlösung genommene Papier wird in die zweite Schale gebracht, welche das destillirte Wasser enthält. Dabei entfernt man alle Luftblasen mit einem andern Pinsel, welcher besonders zu diesem Zweck gehalten werden muß.

In der Silberlösung kann man zehn Blätter tränken, ohne die Lösung dazwischen zu filtriren; man legt dieselben in dem destillirten Wasser über einander. Die Blätter werden dann mit Hülfe zweier Pinsel in eine andere Schale geschafft, wo man frisches destillirtes Wasser auf sie gießt; will man das Papier einige Zeit aufbewahren, so ist noch ein besonderes Waschen nöthig.

Man bewahrt diese Waschwasser des negativen Papiers zu dem bei der vierten Operation angegebenen Zweck auf.

Man nimmt nun das Papier Blatt für Blatt heraus, trocknet es zwischen vollkommen reinem dickem Löschpapier und bewahrt es dann in einer Mappe zwischen Löschpapier zum Gebrauch auf.

Dieses Papier darf nicht durch Aufhängen getrocknet werden, weil es sonst in der Gallussäure Flecken bekommen könnte; am besten legt man abwechselnd ein Blatt des präparirten Papiers und ein Blatt Löschpapier in eine Mappe.

Bei ausgeschlossenem Licht behält dieses Papier zwei Wochen seine Empfindlichkeit.

Das schmutzige und schmierige Ausseheu, welches das Wachspapier in der Gallussäure häufig annimmt und auch nach dem Trocknen des Bildes behält, kommt nicht in Betracht, weil es vollständig verschwindet und das Bild vollkommen durchsichtig wird, nachdem das Wachs umgeschmolzen worden ist, indem man das negative Bild einem hinreichenden Wärmegrad aussetzte; dieses Verfahren sollte stets befolgt werden, da es dem wiederholten Wichsen vorzuziehen ist.

Nachdem zehn Papierblätter fertig gemacht sind, gießt man das essigsalpetersaure Silber wieder in die Flasche welche die Thierkohle enthält, schüttelt Alles unter einander und läßt es einen Augenblick sich setzen; dann filtrirt man wieder und präparirt weitere zehn Blätter.

Nachdem das essig-salpetersaure Silber zum Präpariren der geeigneten Menge Papiers gedient hat und folglich erschöpft ist, läßt sich die rückständige Flüssigkeit noch nutzbar verwenden. Man versetzt sie nämlich |113| mit Kochsalzlösung; das niedergefallene Chlorsilber dient um das unterschwefligsaure Natron zu verbessern, indem es dasselbe in Stand setzt den Bildern schönere Töne zu verleihen.

III. Operation. Exponiren des empfindlichen Papiers in der camera . – Die gehörige Expositionszeit kann man nur durch Erfahrung kennen lernen. Für ein Porträt und bei Anwendung einer zusammengesetzten Linse finde ich 30 Secunden bis 1 Minute im Schatten in der Regel hinreichend, und 10 bis 30 Secunden in der Sonne. Für Ansichten und mit Anwendung bloß einer Linse und einem Diaphragma von 1/2 bis 5/8 Zoll Durchmesser, sind 30 Secunden bis 2 Minuten in der Sonne erforderlich. – Die Wärme welche bei Anwendung des nassen Processes sehr beschleunigend wirkt, hat bei diesem trocknen Proceß nur einen sehr geringen Einfluß.

Nach beendigter Exposition in der camera ist das Bild nur schwach sichtbar, es wird erst durch die folgende Operation entwickelt, welche sogleich, oder nach ein paar Tagen und selbst noch später vorgenommen werden kann. Ich habe das Bild oft zwei Wochen nach der Exposition in der camera entwickelt und doch sehr gute Resultate erhalten.

IV. Operation. Entwickeln des Bildes. – Die Lösung der Gallussäure läßt sich nicht ohne eintretende Zersetzung aufbewahren, daher man sie erst beim Bedarf bereiten muß.

Man wiegt Gallussäure in Quantitäten von 7 1/2 Gran ab und hält sie so in Päckchen vorräthig. In eine flache Schale gießt man 10 bis 29 Unzenmaaße des Wassers womit das negative Papier gewaschen worden ist und welches folglich ein wenig essig-salpetersaures Silber enthält; nun entleert man ein bis zwei Päckchen Gallussäure in dasselbe, rührt das Ganze unter einander und taucht dann das negative Bild hinein, so daß beide Seiten gut bedeckt werden.

Die Entwickelung des Bildes sieht man leicht, selbst durch die Dicke des Papiers; man kann es zehn Minuten bis eine und selbst zwei Stunden, manchmal sogar länger, in der Flüssigkeit lassen, bis es vollends entwickelt ist. Dann nimmt man es schnell heraus und legt es in eine andere Schale um es zu waschen, wobei man es mit dem Finger oder einem Pinsel auf der Rückseite schwach reibt, um eine etwa vorhandene krystallinische Ablagerung zu entfernen. Der graue Ton welchen das Bild während seines Verweilens in der Gallussäure annimmt, kommt nicht in Betracht, da er nachher gänzlich verschwindet, und die Lichter und Schatten sich sehr schön entwickeln.

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Nach dem Ton welchen das negative Bild in der Gallussäure bekommt, kann man beurtheilen ob die Expositionszeit in der camera hinreichend war. Wenn es sogleich durchaus dunkelgrau wird (was man untersucht, indem man es gegen das Licht hält), so ist es zu lang in der camera exponirt worden.

Wenn die starken Lichter des negativen Bildes (welche die tiefen Schatten des positiven werden) nicht dunkler sind als die Halbtöne, so hat die Exposition noch zu lang gedauert. War hingegen die Expositionszeit zu kurz, so sind bloß die Lichter schwach durch Schwarz markirt, das Bild ist nicht modificirt, sondern durchaus gleich.

War die Expositionszeit die geeignete, so erhält man ein sehr schönes negatives Bild, welches die Contraste von Licht und Schatten sehr deutlich darbietet.

Nach einem ersten Probeversuch regulirt man in der Folge die Exposition in der camera.

Die Entwickelung des Bildes wird außerordentlich beschleunigt, wenn man die Gallussäure erwärmt. Dazu kann man einen sehr einfachen Apparat anwenden, nämlich ein Wasserbad welches mittelst einer Weingeistlampe auf beiläufig 39° Reaumur erhalten wird; auf demselben steht die Schale mit Gallussäure.

Nachdem das negative Bild vollständig entwickelt ist, bringt man es in eine Schale mit reinem Wasser.

Sollten sich Flecken von Silberoxyd bilden, so kann man sie dadurch entfernen, daß man über das negative Bild etwas Essigsäure gießt und es dann mit einem Pinsel schwach überfährt.

V. Operation. Fixiren des negativen Bildes. – Man macht in einer Flasche folgende Lösung:

destillirtes Wasser 24 Unzen,
unterschwefligsaures Natron 3 Unzen.

Man gießt davon in eine Schale eine Schicht von zwei Zehnteln eines Zolles Höhe, taucht das negative Bild vollständig ein und entfernt von demselben sorgfältig alle Luftbläschen.

Das unterschwefligsaure Natron entfernt alle für das Licht empfindlichen Salze, hat aber keine Wirkung auf das gallussaure Silber woraus der dunkle Theil des Bildes besteht.

Man sollte immer nur ein Bild auf einmal in dieses Bad bringen, obgleich die Lösung für viele nach einander gebraucht werden kann.

Untersucht man die Bilder, nachdem sie einige Zeit in dem Bade von unterschwefligsaurem Natron waren, so könnte man sie für unbrauchbar halten, weil das Jodsilber, welches eine blaßgelbe Farbe hat, an |115| einigen Stellen verschwunden, an andern aber zurückgeblieben ist, somit Flecken bildete, welche das Bild anscheinend zerstören; wartet man aber, bis alles Jodsilber vollständig entfernt ist, somit alle gelben Färbungen verschwunden sind, so ist die Weiße und Durchsichtigkeit des Bildes sowie die Schönheit der Schatten vollkommen entwickelt.

Wenn das negative Bild zu lang in dem unterschwefligsauren Natron bleibt, so wird die Intensität der schwarzen Stellen vermindert; man muß daher auf diese Operation die größte Aufmerksamkeit verwenden.

Das Bild muß nun mehrmals in frischem Wasser gewaschen, dann in einer großen Schale mit Wasser etwa eine halbe Stunde lang gelassen werden, um jede Spur des unterschwefligsauren Natrons zu entfernen; man trocknet es hierauf zwischen Löschpapier.

Das so fixirte Bild kann durch das Licht keine Veränderung erleiden, weil in dem Papier nur das gallussaure Silber zurückbleibt.

VI. Operation. Wiederherstellung der Durchsichtigkeit des negativen Bildes. – Nach den vorhergehenden Operationen sieht das negative Bild häufig gestreift aus. Man muß es daher an das Feuer (oder über einige Bogen angezündeten Löschpapiers) halten, damit das Wachs wieder schmilzt, wodurch das Bild seine frühere Durchsichtigkeit bekommt.

VII. Operation. Zubereitung des positiven Papiers. – Man macht eine Lösung von:

Salmiak 1/4 Unze,
destillirtem Wasser 5 Unzen.

Man gießt von dieser Lösung in eine Schale eine Schicht von zwei Zehnteln eines Zolles Höhe.

Dann macht man eine andere Lösung, welche enthält:

salpetersaures Silber 3/4 Unzen,
destillirtes Wasser 5 Unzen.

Von dieser gibt man dasselbe Quantum in eine andere Schale.

Das Papier, welches etwas dicker seyn sollte als für das negative Bild, schneidet man vorher zur geeigneten Größe und bezeichnet die Rückseite desselben mit einem Kreuz; letztere ist leicht zu erkennen, denn sie zeigt bei starkem Licht den Eindruck der Form worin der Papierzeug geschöpft wurde.

Das beste Papier für diese Operation ist dasjenige der Gebrüder Canson.

Man legt die rechte Seite des Papiers auf die erste Losung, wobei die Flüssigkeit die andere Seite desselben nicht berühren darf; man läßt es zwei bis vier Minuten auf der Flüssigkeit, nimmt es dann weg und |116| trocknet es zwischen mehreren Blättern Löschpapier, indem man es mit der Hand reibt.

Man präparirt so drei Papierblätter, wobei man besorgt ist, jede Spur von Feuchtigkeit zu entfernen.

Man nimmt nun das erste Blatt und reibt die präparirte Seite mit einem breiten Pinsel, um sie von allen Unreinigkeiten zu befreien.

Dann legt man sie auf die Lösung des salpetersauren Silbers, indem man besorgt ist, daß nur die mit Salmiak getränkte Seite genetzt wird, und läßt das Blatt darauf liegen, während man ein anderes Blatt reinigt.

Wenn man das Papier nur kurze Zeit auf dem salpetersauren Silber läßt, so erhält man rothe Töne; verlängert man die Operation, so entstehen schwarze Nüancen. Man hängt dann das Papier an einem seiner Ecken auf, um es zu trocknen. Das Imprägniren des Papiers mit dem Silbersalz muß man im Dunkeln oder beim Licht einer einzigen Kerze vornehmen.

Das positive Papier muß vollkommen trocken seyn, bevor man das negative auf dasselbe legt. Am besten bereitet man das positive Papier den Abend vorher; will man es aber bald nach seiner Präparirung anwenden, so muß man es mittelst einer Weingeistlampe oder vor einem Feuer gut trocknen.

Wenn eine große Anzahl von Blättern positiven Papiers erforderlich ist, so läßt sich die Operation dadurch beschleunigen, daß man dem Papier bloß das erste Bad gibt und es trocknen läßt, wie es vorher beschrieben wurde. Solches Papier kann beliebig lange aufbewahrt werden, bevor man ihm das Bad von salpetersaurem Silber gibt. – In diesem Falle nimmt man nur 60 Gran Salmiak auf 3 Unzen Wasser für das erste Bad. Das zweite Bad, welches das salpetersaure Silber enthält, bleibt dasselbe und wird nur wenige Stunden vor dem Bedarf bereitet.

VIII. Operation. Darstellung der positiven Copie. – Man legt das negative Bild mit seiner Rückseite auf die Glasplatte des Copirrahmens; auf die Bildseite legt man ein Blatt präparirten positiven Papiers, so daß die empfindliche Seite des letztern mit der Bildseite des negativen Papiers in Berührung ist; auf das positive Papier legt man dann das zweite Glas, wenn man zwei Gläser anwendet, und auf letzteres den Deckel des Rahmens, welcher mittelst der Schrauben aufgepreßt wird. Man kann ein Blatt durchsichtigen Wachspapiers oder Leimfolie zwischen das negative Bild und das positive Papier legen, so daß jenes nicht mit dem salpetersauren Silber in Berührung kommt, wodurch es verdorben werden könnte. Man läßt ein schmales Stück des positiven Papiers aus |117| dem Rahmen vorstehen, um mittelst der Veränderung seiner Farbe den Fortschritt der Copie beurtheilen zu können.

Man setzt den Rahmen der Sonne aus, so daß deren Strahlen senkrecht auf die Glasplatte und durch das negative Papier hindurchfallen. Die Farben welche das positive Papier nach einander annimmt, sind: Graulichblau, Blau, Violett, Dunkelblau, Bistre, Schwarz (Sepia), Grünlich, Hellgelb, Grau – welche alle stufenweise abnehmen bis das Silberoxyd zu Metall reducirt ist.

Die Zeit, während welcher dem Licht exponirt werden muß, läßt sich nicht genau bestimmen; sie hängt von der Kraft des negativen Bildes und von der gewünschten Intensität des positiven ab. Um z.B. ein positives Bild von schwarzem Ton zu erhalten, müssen die Schatten immer einen Sepiaton und die Lichter ein grauliches Blau haben. Man überwacht den Fortschritt des Bildes mittelst des vorstehenden Papierstücks und entfernt es, sobald der erforderliche Ton erreicht ist.

IX. Operation. Fixiren des positiven Bildes. – Das so erhaltene positive Bild ist kein beständiges; es muß schnell mittelst der folgenden Operation fixirt werden.

Man macht eine Lösung von:

unterschwefligsaurem Natron 3 Unzen,
destillirtem Wasser 18 Unzen.

Nun löst man 277 Gran salpetersaures Silber in einem Glas Wasser auf, setzt Kochsalzlösung zu, läßt das gefällte Chlorsilber eine Minute lang sich absetzen, decantirt dann die Flüssigkeit und setzt den Niederschlag, welcher 231 Gran wiegen muß, in einer kleinem Schale der Sonne aus, damit er sich schwärzt, wobei man ihn mit einem Glasstab umrührt, damit alle Theile mit den Sonnenstrahlen in Berührung kommen. Nachdem er ganz schwarz ist, gibt man ihn in die erste Mischung, nämlich das unterschwefligsaure Natron, und läßt ihn sich auflösen. Bei dieser Methode erhält man die schwarzen Töne unmittelbar mit dem frischen unterschwefligsauren Natron.

Die Lösung muß man filtriren, um den entstandenen schwarzen Satz zu sammeln; letztern kann man in frischem unterschwefligsaurem Natron auflösen.

Indem man das Bild (am besten jedesmal nur eines) während einer kürzern oder längern Zeit in diesem Bad läßt, kann man alle Töne erhalten, von Roth bis zum Schwarz, und selbst bis zum Hellgelb. Damit das Bild gehörig fixirt wird, muß man es mindestens eine Stunde in diesem Bad lassen; um die sepiaschwarzen und gelben Töne zu erhalten, sind sogar drei bis vier Tage erforderlich.

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Die Operation läßt sich durch Erwärmen des unterschwefligsauren Natrons sehr beschleunigen, dabei fallen jedoch die Resultate in der Regel nicht so gut aus.

Versetzt man die vorhergehende Lösung von unterschwefligsaurem Natron mit 3/4 Unze Aetzammoniak, so erhält man sehr schöne Bistertöne und sehr reine Lichter.

Gute gelbe Töne lassen sich erzeugen, indem man ein starkes Bild zuerst in das Bad von unterschwefligsaurem Natron legt, es gut wascht, dann in ein aus 20 Unzen Wasser und 3/4 Unze Salzsäure bestehendes Bad legt, hernach es wieder in Wasser gut wascht.

Nachdem die gewünschten Töne erzielt sind, wascht man das Bild mehrmals in frischem Wasser und läßt es dann mehrere Tage in einem Wasserbad liegen, um alles unterschwefligsaure Silber auszuziehen. Um sich zu überzeugen daß dieß erfolgt ist, berührt man das Bild mit der Zunge; wenn es noch unterschwefligsaures Silber enthält, hat es einen süßen Geschmack.

Das Bild wird dann an einem Eck aufgehängt und hernach zwischen Löschpapier getrocknet. Hiermit ist die ganze Operation beendigt.

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1 Pfd. gleich 16 Unzen.

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