Titel: Neuburger's Moderator-Lampe.
Autor: Silvestre, E.
Fundstelle: 1855, Band 136, Nr. LXIII. (S. 258–260)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/ar136063

LXIII. Ueber eine neue, von dem Lampenfabrikanten Neuburger zu Paris erfundene Moderator-Lampe; Bericht des Hrn. Baron E. v. Silvestre.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, März 1855, S. 129.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Während der zwanzig Jahre, welche seit Erfindung der Moderatorlampe durch Franchot 38) verflossen sind, hat dieselbe verschiedene Modificationen erfahren, welche ihren Preis so weit zu verringern gestatteten, daß sie beinahe allgemein und selbst in kleineren Haushaltungen eingeführt werden konnte. Doch eine sehr wesentliche Vervollkommnung blieb noch zu ermitteln übrig. Die Moderatorlampe gewährt nämlich in Folge der Anordnung der Theile selbst, woraus sie zusammengesetzt ist, nur eine sehr beschränkte Beleuchtungsdauer; man ist oft genöthigt, sie im Laufe eines Abends mehr als einmal aufzuziehen. An diesen Uebelstand knüpft sich ein anderer, nämlich der, daß man nicht eher erfährt, daß es Zeit ist die Feder aufzuziehen, als wenn das Licht bereits viel von seinem hellen Glanze eingebüßt hat, und der Docht bereits mehr oder weniger verkohlt ist.

Was die Dauer der Beleuchtung anbelangt, so liegt der Fehler darin, daß der Abstand zwischen dem Gehäuse der Zahnstange und der oberen Mündung der Dille, das Maaß für das Maximum des Kolbenlaufs ist, woraus hervorgeht, daß die Höhe des Oelbehälters dieses Maaß nicht überschreiten kann; würde sie dasselbe überschreiten, so müßte der Kolben anhalten, ohne seinen ganzen Lauf vollbracht zu haben; denn sonst würde das obere Ende der Zahnstange die Dille überragen, was der Helligkeit Eintrag thun würde. In diesem letzteren Falle befindet sich die gewöhnliche Moderatorlampe, bei welcher der Kolben nur ungefähr |259| bis zur Hälfte des Oelbehälters steigen kann. Es ist daher klar, daß man eine beinahe doppelte Beleuchtungszeit erlangen würde, wenn es gelänge, den Kolben die ganze Höhe dieses Behälters durchlaufen zu lassen.

Dieses Ziel hat nun Hr. Neuburger auf folgende Weise erreicht. Anstatt an den Kolben das untere Ende der Zahnstange zu befestigen, wie dieses gewöhnlich der Fall ist, kam er auf den Gedanken, an den Kolben eine metallene Scheide zu löthen, in welcher der untere Theil der Zahnstange sich frei auf- und niederbewegen kann. Ein kleiner Kranz verhütet das Austreten der Zahnstange aus der Scheide, deren Länge dem Abstande zwischen dem Gehäuse der Zahnstange und dem Kolben bei seiner höchsten Lage ungefähr gleich ist. In Folge dieses Umstandes kann der Kolben die ganze Höhe des Oelbehälters durchlaufen. Zwar überragt nun der obere Theil der Zahnstange den höchsten Punkt der Dille um 1–1 1/2 Zoll, aber mittelst einer Umdrehung des Schlüssels nach entgegengesetzter Richtung zieht sich die Stange wieder in ihre Scheide zurück, und ist nun dem Lichte nicht weiter im Wege.

Auf diese Weise ist es Hrn. Neuburger gelungen, die Leuchtdauer der Mederatorlampe beinahe auf das Doppelte, d.h. auf 10 bis 12 Stunden auszudehnen, ohne daß die Lampe wiederholt aufgezogen zu werden braucht.

Die Unreinigkeiten, welche sich häufig im Oel vorfinden, sey es wegen schlechter Qualität oder in Folge nachlässiger Behandlung von Seiten derjenigen welche die Lampe zurecht machen, sind ein großer Uebelstand, welchen Hr. Neuburger gleichfalls auf folgende Weise beseitigt hat. Unter der Mitte der Kolbenfläche, da wo das untere Ende der erwähnten Scheide und dasjenige des Steigrohres angelöthet ist, befestigt er eine weißblecherne Büchse von der Gestalt eines umgekehrten Kegels. An der Basis dieses letzteren befindet sich ein sehr feines metallenes Filter, und an seiner Spitze eine Oeffnung, durch welche das Oel in Folge des Kolbendruckes in das Steigrohr gelangt, nachdem es das Filter passirt hat und von seinen Unreinigkeiten befreit worden ist. Wenn sich der Kolben am unteren Ende seines Hubes befindet, und die Oeffnung an der Spitze des Kegels sich gegen den Boden des Oelbehälters lehnt, so zeigt es sich, daß das Oel, welches das Steigrohr füllt, nicht mehr herabsinken kann. Daher ist es bei der Vorbereitung der Lampe nicht nöthig, um den Docht anzuzünden, zu warten bis das Oel am oberen Ende der Dille angekommen ist. Dieser doppelte Vortheil, welchen das fragliche |260| Filtersieb darbietet, gibt der Neuburger'schen Lampe einen bemerkenswerthen Grad der Vollkommenheit.

Fig. 14 stellt die verbesserte Lampe mit Hinweglassung des Oelbehälters und der auf den Kolben drückenden Feder im Aufrisse dar. Der Kolben P, P' befindet sich an der tiefsten Stelle seines Laufs. Er ist mit einer hermetischen Lederliederung versehen. G, D ist die an den Kolben gelöthete metallene Scheide, in welcher die Zahnstange E, F frei gleitet. Diese Zahnstange enthält an ihrem unteren Ende eine Scheibe j, welche sich gegen den die Röhre schließenden Kranz h legt und das Austreten der Zahnstange aus der Röhre verhindert, wobei sie die letztere so wie den Kolben mitnimmt, wenn man das Getriebe p mit Hülfe des Schlüssels B umdreht.

b ist ein an dem oberen Ende der Zahnstange befestigter Knopf, welcher das Austreten des Getriebes aus dem Eingriff verhindert.

T, T ist das Steigrohr für das Oel.

Ist die Lampe mit Oel versehen, so zieht man den Kolben mittelst des Griffes B bis zur Höhe des Behälters, d.h. bis man einen Widerstand fühlt, hinauf. Dieser Widerstand entsteht durch das Zusammentreffen der Scheide mit dem Gehäuse der Zahnstange, gegen das sie sich legt. In diesem Augenblick überragt die Zahnstange die Lampendille um mehrere Centimeter, d.h. um die Länge der Scheide. Man dreht daher den Griff B in umgekehrter Richtung, worauf sich die Zahnstange zum Theil in die Scheide zurückzieht, während der Kolben oben bleibt und seinen Druck auf das Oel ausübt.

Fig. 15 ist ein Aufriß in einer zu Fig. 14 senkrechten Ebene. Der Kolben ist hier am höchsten Punkte seines Hubes angekommen und die Zahnstange befindet sich in der Scheide.

Fig. 16 ist ein senkrechter Durchschnitt durch die Achse des Kolbens, um die Anordnung des Filtersiebs zu zeigen.

A, B ist die Platte, an welche die Steigröhre T, T' und die Scheide G, D festgelöthet sind. Das Oel tritt in Folge des Kolbendrucks durch den conischen Theil E und passirt das Filtersieb M, M', bevor es in das Steigrohr gelangt, welches somit durch keine Unreinigkeiten verstopft werden kann.

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Man vergl. S. 93 in diesem Bande des polytechn. Journals.

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