Titel: Varley's Apparat zur Transmission elektrisch-telegraphischer Signale.
Autor: Varley, Cromwell Fleetwood
Fundstelle: 1855, Band 136, Nr. LXV. (S. 262–265)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/ar136065

LXV. Neuer Apparat zur Transmission elektrisch-telegraphischer Signale, welchen sich Cromwell Fleetwood Varley zu Somers-town, St. Pancras, am 16. Februar 1854 patentiren ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, April 1855, S. 293.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Bekanntlich findet bei elektrischen Strömen, wenn sie unterseeische oder unterirdische Drähte von bedeutender Länge durchlaufen, eine Schwankung hinsichtlich ihrer Stärke und eine Verzögerung statt, wodurch sie für die gewöhnlichen Drucktelegraphen untauglich werden. Diesen Uebelstand beseitige ich durch meine Vorrichtung, welche mich in den Stand setzt, auf weit größere Entfernungen und mit weniger Kraftaufwand als seither zu telegraphiren.

Meine Erfindung besteht aus drei wesentlich von einander abhängigen Theilen. Der eine Theil ist der sogenannte Schlüssel oder der Tastenapparat, Fig. 4 und 5, zur Transmission der Signale längs der Drahtleitung, mit welcher er mittelst des Endstückes L verbunden ist. Der |263| andere Theil, Fig. 6 und 7, ist ein Relais, welches eine locale Kette beherrscht, um die Signale zu drucken oder auf sonstige Weise verständlich zu machen. Dieses Relais und die Taste stehen durch einen die Endstücke P, P verbindenden Draht mit einander in Verbindung. Der dritte Theil ist ein auf dem Tastenbrett, Fig. 4 und 5, angebrachter Commutator (switch) Nr. 5 und 6, dessen Kurbel in zwei durch die Worte „Abgang“ und „Empfang“ bezeichnete Lagen gebracht werden kann. Derselbe hat den Zweck, den Leitungsdraht beim Abgang einer Depesche mit der Taste und beim Empfang einer solchen mit dem Relais in Verbindung zu setzen. Beide Enden der Linie sind mit einem Tastenapparat, Relais und Commutator versehen.

Die Taste a wird durch die mit den Endstücken C und Z in leitender Verbindung stehenden Federn b und c in der Höhe gehalten. Durch abwechselndes Niederdrücken und Loslassen der Taste werden die Signale hervorgebracht. Befindet sich die Taste in der Höhe, so geht ein elektrischer Strom längs der Drahtleitung nach einer andern Station. Beim Niederdrücken aber verbindet sie auf halbem Wege den Leitungsdraht direct mit der Erde und entladet ihn; befindet sich die Taste mit dem Aufhälter Nr. 26 in Berührung, so kehrt sie den Strom um. Diese Ströme circuliren, nachdem sie die Drahtleitung zurückgelegt, durch das Relais der entfernten Station, um mit dessen Hülfe eine locale Batterie in Thätigkeit zu setzen. Das Relais besteht im Wesentlichen aus einem Galvanometer, dessen Magnet, Fig. 11 und 12, vermöge seines Uebergewichtes auf der einen Seite einen an seiner Achse bestigten Arm d veranlaßt, sich gegen eine Feder e, Fig. 8, zu lehnen und dadurch die locale Kette zu schließen. Aber die Strömung des Telegraphendrahtes, welche, während die Taste der entfernten Station in Ruhe ist, durch das Relais geht, unterbricht diese Kette dadurch, daß sie den Arm d von der Feder e, Fig. 8, ablenkt.

Durchgang der Ströme durch den Apparat. – Die Tastenhandhabe a ist an eine Achse C, Z befestigt, welche aus zwei Theilen besteht, die gegen einander isolirt und durch ein elfenbeinernes Centralstück mit einander verbunden sind, wie der Durchschnitt Fig. 9 zeigt. Diese Theile stehen durch die Federn b und c stets mit den Enden (Polen) C und Z der Batterie in Verbindung. Die elfenbeinerne Centralscheibe ist von zwei metallenen Halbkreisen umgeben, welche sich nicht berühren; die eine Hälfte ist mit der Taste a und dem Pol Z, die andere Hälfte mit dem Pol C verbunden. Befindet sich die Taste, wie Fig. 5 zeigt, in der Höhe, so tritt der positive Strom durch sie in die Feder f und von da unter dem Brett hinweg in eine Feder g, gegen welche der Commutatorstift |264| h drückt. Der letztere leitet den Strom unter dem Brett hinweg nach dem Drahtende L und von da längs des Telegraphendrahtes nach der entfernten Station, wo er bei L, Fig. 5, in den Apparat tritt und sofort in den Commutator Nr. 5 gelangt, welcher auf „Empfang“ gestellt ist. Der Strom geht durch den Stift und die Feder i, j nach dem Endstück P und tritt von da durch P, Fig. 6, in das Relais, wo er die Drahtspiralen durchlaufend, den Magnet ablenkt, dadurch den Arm d von der Feder e entfernt, und somit, wie oben erwähnt, den localen Batteriestrom unterbricht. Der Strom geht nämlich von P den überzogenen Draht p hinauf, durch q und die Spiralen des gewöhnlichen Indicators r, den Draht s, s hinab, den Draht t hinauf durch die den Magnet umgebenden Spiralen u, u, wobei er den Magnet je nach der Stromrichtung rechts oder links ablenkt, und gelangt endlich durch den Draht v und die Endstücke w', E in die Erde. So oft als der entfernte Correspondent seine Taste niederdrückt, so oft wird der Strom umgekehrt. Die Ablenkung nach der einen Richtung wird durch die Schwere unterstützt, um einen sichern und augenblicklichen Contact zwischen den Theilen d und e herzustellen; bei der Ablenkung nach der andern Richtung ist, um die Trennung zu bewerkstelligen, die Schwere zu überwältigen.

Um nun zu signalisiren, gebe man dem Commutator die Stellung Nr. 6 und drücke die Taste nieder wie in Fig. 4. Diese entfernt alsdann, während sie die Mittellage passirt, das Ende der Curve z von dem Knopf l, bringt das Ende der gegenüberliegenden Hälfte C gerade darunter, verbindet dasselbe und die Drahtleitung mittelst der Feder k direct mit der Erde und befreit den Telegraphendraht von seiner inducirten Ladung. Im nächsten Augenblick kommt das untere Ende m des Halbkreises z mit der Feder k in Berührung und bewirkt dadurch die Umkehrung des Stroms.

Dieser Wechsel, welcher den Contact in der localen Kette herstellt und unterbricht, setzt letztere in den Stand, mittelst der localen Batterie irgend einen der telegraphischen Apparate in Thätigkeit zu bringen.

Unter dem Commutator befindet sich eine dritte mit der Erde in Verbindung stehende Feder, welche von einem Stift o des Commutators momentan berührt wird, während der letztere von „Abgang“ auf „Empfang“ und umgekehrt gestellt wird. Auf diese Weise wird der Draht bei jedem Wechsel in die Erde entladen, und den kräftigen Strömen ihr Einfluß auf die Magnete, die sie sonst umkreisen würden, benommen.

Der galvanische Strom der localen Batterie beginnt bei e, Fig. 8 und 10, und schreitet längs des Drahtes x durch das Loch des Elfenbeinstücks y und durch die übersponnenen Spiralen; von da durch seine |265| Strecke in der Localkette, zum Behuf der Signalisirung, und kehrt zurück nach dem Endstück Nr. 3, den Draht Nr. 4 hinauf nach dem Gestell 5, dann längs der Magnetachse nach dem Contactarm d, welcher die Feder e berührt oder von ihr getrennt ist, je nachdem dieses der Hauptstrom verlangt.

Der Indicator r, ein Galvanometer, ist auf gewöhnliche Weise angeordnet; seine schwalbenschwanzförmige Stange 6 gleitet in einer metallenen Rinne 7, welche an das hintere Brett 8 geschraubt ist. Das Zifferblattgestell 5 des Relaismagneten ist auf ähnliche Weise an eine Büchse 9 befestigt. Diese Büchse hat jedoch eine Achse 10, welche in einem Loch 11 gelagert ist und mittelst des Handgriffes 12 bewegt werden kann. Diese Bewegung hat den Zweck, das Zifferblatt, wie Fig. 6 zeigt, mehr oder weniger umzudrehen, und so die Kraft zu adjustiren, womit die Schwere den Strom unterstützen soll, um den Contact zwischen den Theilen d und e herzustellen. Die Stelle der Feder e wird durch einen Stift 13 bestimmt, und der gehörige Grad der Spannung dadurch erzielt, daß man den Arm 14 bewegt und mittelst der Schraube 15 befestigt. Jede Bewegung des Arms und der Feder d, e wird durch die Justirschrauben 16,17 beschränkt. Die Querstange 18, welche die Spiralen oder Multiplicatoren u, u trägt, ist durch eine Zwischenlage von dünnem Horn 19 gegen das Gestell isolirt; sie bildet das verbindende Glied zwischen beiden Spiralen. In den Figuren 6 und 10 trägt ein Arm 20 die Magnetachse; in Fig. 8 ist ein Theil derselben abgebrochen dargestellt, um den Contactarm und die Feder d, e zu zeigen. Die Figuren 11 und 12 sind zwei besondere Ansichten des Magnetes, seiner Achse und des Contactarmes d; Fig. 13 ist die Separatansicht von einem der Multiplicatorgestelle; 21, Fig. 7, ist der Durchschnitt des Gehäuses mit gläserner Vorderseite; 23 ist eine Schraube zur Befestigung desselben. Das Zifferblatt ist mit einer Eintheilung versehen, und ein fester Zeiger 24 gibt an, um wie viel dasselbe bewegt wird. Die Bewegung der Taste a wird durch die Schraube 25 und den sogenannten Amboß 26 regulirt und eingeschränkt.

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