Titel: Notiz über die Gasanstalt auf dem Bahnhofe zu Hannover, namentlich über die Haltbarkeit der Gas-Retorten; vom Baurath Funk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 10 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi01_10

Notiz über die Gasanstalt auf dem Bahnhofe zu Hannover, namentlich über die Haltbarkeit der Gas-Retorten; vom Baurath Funk.

Zu den Retorten-Oefen der Gasanstalt auf dem Bahnhofe zu Hannover wurden anfangs gußeiserne Retorten von 1zölliger Wandstärke, mit ovalem Querschnitte, 16 Zoll im großen und 10 Zoll im kleinen Durchmesser im Lichten weit und excl. Halsstück 5 Fuß 3 Zoll lang verwendet. – Diese Retorten, zuerst ohne schützende Chamottschalen angewandt, hatten nur eine Dauer von etwa 4 Wochen. Nachdem dieselben an der unteren Hälfte durch Chamottschalen gegen den unmittelbaren Angriff des Feuers gesichert waren, wurde ihre Dauer vergrößert und stieg auf 6 bis 9 Monate. Dennoch aber waren die für Retorten zu machenden Ausgaben nicht unbedeutend, da eine gußeiserne Retorte nahe 31 Rthlr. und die dazu gehörende Chamottschale 8 Rthlr, eine Retorte demnach im Ganzen 39 Rthlr. kostete.

Es wurde daher der schon im Anfange, gleich nach Herstellung der Gasanstalt gemachte und damals mißglückte Versuch mit Chamott-Retorten wiederholt und dieser Versuch mit Retorten aus der Fabrik von Pastor, Bertrand und Comp. zu Andennes bei Namur8) in Belgien ist von dem günstigsten Erfolge gewesen. Während in der Zeit von 4 1/2 Jahren für 3 Oefen, jeder von 5 Retorten, 80 Stück gußeiserne Retorten verbraucht wurden, waren in der darauf folgenden Zeit von zwei Jahren für 4 Oefen, jeder von 5 Retorten, nur 26 Chamott-Retorten erforderlich. Dazu kommt noch, daß diese Retorten in der Fabrik à Stück nur 45 Fr. und incl. Transport frei Hannover etwa 18 Rthlr. kosten.

Während demnach die durchschnittliche Dauer der gußeisernen Retorten (4 1/2 . 3 . 5)/80 = 0,84 Jahr gewesen war, beträgt die durchschnittliche Dauer der Chamott-Retorte (2 . 4 . 5)/26 = 1,53 Jahr. Dabei ist jedoch zu bemerken, daß in diesen Zeitangaben diejenigen Perioden mitbegriffen sind, wo einer oder der andere der vorhandenen Oefen wegen vorkommender Reparaturen, Minderbedarf im Sommer etc. außer Betrieb gewesen ist.

Die jährlichen Ersatzkosten einer gußeisernen Retorte haben demnach betragen: 39/0,84 = 46 Rthlr. 10 gGr., während die jährlichen Ersatzkosten einer Chamott-Retorte nur 18/1,53 = 11 Rthlr. 18 gGr. gewesen sind. Die jährliche Ersparung durch Einführung der Chamott-Retorten beträgt demnach bei einer Gasanstalt, wie der auf dem Bahnhofe zu Hannover, mit 20 Retorten (46 Rthlr. 10 gGr. – 11 Rthlr. 18 gGr.) 20 = 693 Rthlr. 8 gGr.; oder für jede der vorhandenen 700 Flammen jährlich nahe 1 Rthlr.

Die Resultate der Gasanstalt auf dem Bahnhofe Hannover, seit den 6 1/2 Jahren ihres Bestehens, wurden schon früher (polytechn. Journal Bd. CXXXII S. 462) mitgetheilt. (Aus der Zeitschrift des hannoverschen Architekten- und Ingenieur-Vereins, 1855, Bd. I S. 52.)

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Diese Fabrik führt gegenwärtig die Firma: Société anonyme des terres plastiques et produits refractaires d'Andennes (bei Namur in Belgien).

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