Titel: Blet's neues Verfahren den Flachs und Hanf zu rösten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 11 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi01_11
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Blet's neues Verfahren den Flachs und Hanf zu rösten.

Hr. Blet übergab der französischen Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung über sein neues Verfahren zum Rösten des Flachses und Hanfes mittelst Harnstoff und Wasser von gewöhnlicher Temperatur.

Dieses Verfahren gewährt nach ihm, im Vergleich mit den früher angewandten Methoden, folgende Vortheile: 1) Zeitersparniß, weil mittelst desselben Flachs binnen zwei Tagen, Hanf binnen vier Tagen geröstet werden kann; 2) Einfachheit des Materials, bei leichter und gesunder Arbeit; 3) Entbehrlichkeit des mechanischen Brechens, des Dampfes, aller mineralischen Säuren und Alkalien; 4) Gewinnung einer guten Qualität von Fasern, von vorzüglicher Weiße und Weichheit, geeignet zur Herstellung aller Nummern von Maschinengarn bei sehr geringem Wergabfalle; 5) Vermeidung aller ungesunden Ausdünstungen und nebenbei Gewinnung eines guten Düngers.

Die Akademie hat eine Commission, bestehend aus den HHrn. Pelouze, Boussingault und Payen, mit der Prüfung dieses Verfahrens beauftragt. (Comptes rendus, Januar 1855, Nr. 3.)

Nach dem Moniteur industriel vom 21. Januar besteht dieses Verfahren in Folgendem: Man füllt einen Bottich in einem geschlossenen Local, das stets auf 20° Reaumur gehalten wird, mit reinem Wasser, fügt auf 100 Liter des letztern 1 Kilogramm Harnstoff hinzu und rührt die Mischung gut unter einander. Der Flachs wird aufrecht und etwas locker in den Bottich gestellt, so daß das Wasser darüber steht; dann bedeckt man den Bottich und läßt unter Beaufsichtigung zwei Tage lang gähren. Mit dem Aufhören der sauren und dem durch einen schwachen morastartigen Geruch sich verkündenden Eintritte der faulen Gährung nimmt man den Flachs heraus, drückt ihn aus und bringt ihn in die Trockenanstalt. Die zurückbleibende Flüssigkeit enthält viel kohlensaures Ammoniak und kohlensaures Kali, und ist als Dünger verwendbar.

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