Titel: Ueber die Oberharzer Kupferprobe; von Bruno Kerl, Hüttenmeister und Lehrer an der k. Bergschule zu Clausthal.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 3 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi01_3

Ueber die Oberharzer Kupferprobe; von Bruno Kerl, Hüttenmeister und Lehrer an der k. Bergschule zu Clausthal.

In Nr. 5 des vorigen Jahrgangs der berg- und hüttenmännischen Zeitung (polytechn. Journal Bd. CXXXI S. 234) habe ich einer Kupferprobe erwähnt, welche auf meine Veranlassung seit einiger Zeit auf Altenauer- und Lautenthaler-Hütte im Oberharze, so im chemischen Laboratorium hieselbst zur Untersuchung der zur Verhüttung kommenden Kupferkiese eingeführt ist, und sehr zufriedenstellende Resultate gegeben hat. Dieselbe besteht im Wesentlichen darin, das Probirgut durch Königswasser – besser als durch ein Gemenge von Natronsalpeter, Kochsalz und Schwefelsäure – zu zersetzen, durch Erhitzen mit etwas Schwefelsäure die Salpetersäure auszutreiben, die dabei gebildeten löslichen Salze durch heißes Wasser auszuziehen, aus der erhitzten Lösung das Kupfer durch Eisendrahtstifte auszufällen und solches im sorgfältig getrockneten Zustande zu verwägen.

Vor der schwedischen Kupferprobe (m. s. Bodemann's Probirkunst 1845, S. 188) hat dieses Verfahren den Vorzug, daß man in kurzer Zeit (in zwei bis drei Stunden) mehrere Proben anstellen kann, und daß sie wegen ihrer Einfachheit selbst in der Hand des Probirburschen für den beabsichtigten Zweck hinreichend genaue Resultate gibt.

Der Umstand, daß Hr. v. Hubert über die Oberharzer Probe, welche er wegen ihrer Einfachheit und raschen Ausführbarkeit empfiehlt, die Mittheilung weiterer Erfahrungen, namentlich über ihre Anwendbarkeit für arme Geschicke, in Aussicht stellt, veranlaßt mich zu nachfolgenden Bemerkungen:

1) Die beschriebene Kupferprobe habe ich ohne Weiteres anwendbar gefunden für Erze, Hüttenproducte etc., welche außer Kupfer noch Eisen, Mangan, Nickel, Kobalt, Blei und Silber enthalten, z.B. für Kupferkiese mit eingemengtem Bleiglanz, Spatheisenstein, Zinkblende und Schwefelkies, für Argentan, Messing etc.

Bei einem Bleigehalte muß man die Probe, wodurch allerdings etwas mehr aufgeht, zur Trockne abdampfen. Es lassen sich in solchen Erzen und Producten die höchsten Kupfergehalte sowohl, als auch noch 1–1/2 Procent davon mit hinreichender Genauigkeit bestimmen.

2) Enthält das Probirgut neben den genannten Metallen noch Antimon, Arsen, Wismuth oder Zinn, so muß das Verfahren etwas modificirt werden, damit diese Metalle nicht gleichzeitig mit dem Kupfer durch Eisen niedergeschlagen werden. In diesem Falle wird 1 Probircentner Erze, in einem gut gekühlten Digerir- oder Becherglase mit roher Salpetersäure zerlegt und zur Trockne gedampft, die trockne Masse mit einigen Tropfen Salpetersäure befeuchtet, dann mit einer nicht zu großen Menge heißen Wassers behandelt. Dabei bleiben Zinnoxyd, antimonige Säure und ein Theil basisches Wismuthsalz in wenig löslichem Zustande zurück, während Kupfer, Eisen, Zink, Mangan. Nickel, Kobalt, Arsen, Blei (nur theilweise, wenn die Probe Schwefel enthielt) und ein Theil Wismuth in Lösung gehen. Trägt man in die Lösung, welche den unlöslichen Niederschlag suspendirt enthält, allmählich festes kohlensaures Ammoniak ein, so wird ein Theil der genannten Metalle |74| theils als kohlensaure, theils als arsenigsaure Salze niedergeschlagen, während sich das Kupfer neben Zink, Nickel etc. im Ueberschusse des Fällungsmittels auflöst. War die Substanz arsenreich und eisenarm, so fügt man vor dem Fällen etwas Eisenchloridsolution zur Lösung, worauf arsenigsaures Eisenoxyd durch kohlensaures Ammoniak gefällt wird. Der mit der Flüssigkeit erhitzte Niederschlag wird auf ein Filter gebracht, und bei öfterem Aufstreuen von kohlensaurem Ammoniak mit nicht zu viel kochendem Wasser bis zum Verschwinden der Farbe ausgesüßt. Aus der mit Schwefelsäure angesäuerten und erhitzten Lösung wird das Kupfer in gewöhnlicher Weise durch Eisendrahtstifte gefällt. Einer Entfernung des Antimons und Arsens durch Rösten der Probe mit Kochsalz setzt oft die Leichtschmelzbarkeit derselben Hindernisse entgegen.

Dieses Verfahren ist weniger umständlich und erfordert keine so künstlichen Apparate und Vertrautheit mit den chemischen Reactionen, als die in neuerer Zeit mehrfach zur Anwendung empfohlenen Titrirmethoden, welche meist auch die vorherige Abscheidung beigemengter anderer Metalle erfordern, bevor die Bestimmung des Kupfers erfolgen kann. Außerdem liefert das erstere Verfahren ein positives Resultat, was für den Hüttenmann nicht unwichtig ist. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1855, Nr. 5.)

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