Titel: Gresly's Verfahren dem Scheibenglas die Eigenschaft des Erblindens zu benehmen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 6 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi01_6

Gresly's Verfahren dem Scheibenglas die Eigenschaft des Erblindens zu benehmen.

Das Scheibenglas hat die mißliche Eigenschaft, mit der Zeit, besonders wenn es sich in feuchten Magazinen befindet, zu erblinden, wo es dann die Farben des Regenbogens zeigt. (Das Alkali wird nämlich von der Feuchtigkeit ausgezogen und weggespült, während an der Oberfläche eine sehr dünne Lage von Kieselerde oder kieselsaurem Kalk zurückbleibt, welche in den Farben des Regenbogens spielt.) Diese Erscheinung kommt öfter vor, seitdem man bei der Glasfabrication die Potasche durch Anwendung der Soda und des Glaubersalzes ersetzt hat.

Es gelang Hrn. Gresly, Glasfabrikant zu Zanson (Schweiz), ein einfaches und wenig kostspieliges Verfahren zu ermitteln, um dem erblindeten Glase die Eigenschaft in den Regenbogenfarben zu spielen, zu benehmen, so daß es seinen früheren Glanz erhält, selbst nachdem es schon mehrere Farben angenommen hat, vorausgesetzt daß seine Oberfläche noch eben ist; ein solches Verfahren ist offenbar für die Glasfabrikanten und Glashändler sehr vortheilhaft, denn das Glas bekommt nicht nur seinen früheren Werth wieder, sondern überdieß die Eigenschaft, der Luft besser zu widerstehen als in dem Zustande wie es aus dem Streckofen kam.

Verfahren. – Man gibt in eine bleierne Retorte 1 Kilogr. Flußspath nebst 1 1/4 Kilogr. käuflicher Schwefelsäure von 60° Baumé, und setzt beiläufig 1 Kilogr. Wasser zu. Die Retorte muß so groß seyn, daß dieses Gemisch sie nur zum dritten Theil füllt. Die Retorte wird auf einem Ofen mit Vorsicht nach und nach erhitzt und ihr gebogener Hals unter das Wasser eines vorgelegten Gefäßes geleitet; man rechnet 9 Liter Wasser auf 1 Kilogr. zersetzten Flußspaths; auf die Oberfläche dieses Wassers kann man ein wenig Terpenthinöl gießen. Dieses Wasser, worin sich die aus der Retorte entweichenden Dämpft verdichten, erlangt nach hinreichender Dauer der Operation, beiläufig zwei Stunden, die erforderliche Eigenschaft.

Um einem erblindeten Glase das Vermögen zu benehmen, in Regenbogenfarben zu spielen, taucht man es mehrmals in die erwähnte Flüssigkeit, oder verbreitet letztere mit einer Bürste oder einem Schwamm auf dem Glase. Hinauf wascht man das Glas mit Wasser und läßt es trocknen.

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Dieses (im Novbr. 1853 in Frankreich patentirte) Verfahren ist bei allem erblindeten Scheibenglas anwendbar, selbst bei gefaßten Spiegeln, ohne daß der Kitt, der Firniß, die Farbe oder das Holz des Rahmens dadurch leidet. (Génie industriel, Februar 1855, S. 64.)

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