Titel: Ueber angeblichen Cyangehalt des aus gereinigtem Weinstein bereiteten kohlensauren Kalis; von Dr. Wicke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 5 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi02_5
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Ueber angeblichen Cyangehalt des aus gereinigtem Weinstein bereiteten kohlensauren Kalis; von Dr. Wicke.

In diesem Betreff enthält das Septemberheft des neuen Jahrbuchs für Pharmacie einen Artikel von W. Engelhardt in Carlsruhe, in welchem derselbe zur Darstellung des kohlensauren Kalis aus dem Weinstein die Verpuffung desselben mit Salpeter anräth. Dabei bilde sich, wie in den meisten Werken über pharmaceutische Chemie angegeben, kein Cyankalium, oder nur so geringe Mengen, daß es durch die empfindlichsten Reactionen nicht nachzuweisen sey. Beim Besprengen des Glührückstandes mit Wasser aber sey ein starker Geruch nach Ammoniak aufgetreten, dessen Ursprung er sich nicht zu erklären wisse.

Auch ich habe mich überzeugt, daß bei dieser Methode nicht so viel Cyankalium im Rückstande ist, um das Cyan als Berlinerblau zum Vorschein bringen zu können. (Auf einen Theil gepulverten Weinstein nahm ich die Hälfte des Gewichts Salpeter.) Dessen ungeachtet ist beim Uebergießen mit Salzsäure ein stechender und durchdringender Geruch wahrzunehmen. Zieht man mit heißem Weingeist aus, so scheiden sich beim Erkalten weiße Krystallblättchen ab. Versetzt man mit salpetersaurem Silberoxyd, so entsteht ein weißer Niederschlag, der sich in Ammoniak und verdünnter Salpetersäure leicht löst. Kurz, man hat cyansaures Kali in der Lösung. Nach den von Wöhler gemachten Beobachtungen durfte man dieß von vornherein vermuthen; derselbe theilt mit (Gmelin, organische Chemie, S. 450), daß beim Verpfuffen eines Gemenges von Blutlaugensalz und Salpeter, sowie wenn Blutlaugensalz mit Salpeter in einem glühenden Tiegel verpufft, cyansaures Kali erhalten werde.

Die Entstehung von Ammoniak erklärt sich nun leicht, da das cyansaure Kali in höherer Temperatur durch Wasser sogleich in kohlensaures Kali und Ammoniak zersetzt wird. (Annalen der Chemie und Pharmacie, April 1855, S. 43.)

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