Titel: Ueber die Anwendung des Stärkezuckers als Reductionsmittel für Chlorsilber etc.; von Prof. Rud. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 7 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi02_7

Ueber die Anwendung des Stärkezuckers als Reductionsmittel für Chlorsilber etc.; von Prof. Rud. Böttger.

Unseren Beobachtungen zufolge gibt es kein einfacheres, reinlicheres und zugleich wirksameres Reductionsmittel für Chlorsilber, wie überhaupt für in Wasser sowohl lösliche, als unlösliche Silbersalze, als Stärkezucker unter Mitwirkung von kohlen saurem Natron oder Aetzkali und Aetznatron. Ueberschüttet man frisch gefälltes, gehörig ausgesüßtes Chlorsilber in einer Porzellanschale mit einer hinreichenden Menge einer Auflösung von kohlensaurem Natron (1 Theil krystallisirtes kohlensaures Natron gelöst in 3 Theilen Wasser), fügt ein dem Gewichte des Chlorsilbers ungefähr gleiches Quantum Stärkezucker19) hinzu und erhitzt dann |159| das Ganze zum Sieden, so hat man die Freude, die Reduction schon innerhalb weniger Minuten, selbst bei Anwendung größerer Quantitäten Chlorsilbers, beendet zu sehen. Das reducirte Silber erscheint nach diesem Vorgange als ein sehr zartes dunkelgraues Pulver, das vermöge seiner Schwere leicht durch bloßes Decantiren und mehrmaliges Ueberschütten mit Wasser gereinigt werden kann. Glüht man es im getrockneten Zustande in einen Porzellantiegel über der verstärkten Gasflamme oder über einer Lampe mit doppeltem Luftzug, so gewinnt man es in Gestalt eines locker zusammenhängenden zarten, mattweiß aussehenden Schwammes, in vollkommener Reinheit. Selbst im Großen, wo Chlorsilber pfundweis reducirt werden soll, dürfte sich dieses Verfahren durch seine Wohlfeilheit, Eleganz und Sicherheit empfehlen.

Dasselbe hat uns ferner vielfach zur Gewinnung eines ausgezeichnet wirksamen Platinschwarzes und eines schön roth aussehenden Kupferoxyduls gedient. Zur Erlangung des erstgenannten Präparats braucht man nur eine Auflösung von Platinchlorid in Wasser mit einem Ueberschuß von kohlensaurem Natron zu versetzen, hierzu eine entsprechende Menge Stärkezucker zu fügen und das Ganze dann etwa 10 Minuten lang im heftigen Sieden zu erhalten. Alles Platin scheidet sich hierbei in Gestalt eines äußerst zarten sammetschwarz gefärbten Pulvers ab, und zwar so vollkommen, daß in der darüber stehenden Flüssigkeit keine Spur des Metalles mehr nachweisbar ist. Bei der Darstellung des Kupferoxyduls verfährt man, unseren Beobachtungen zufolge, am besten auf folgende Weise: Man überschüttet gleiche Gewichtstheile des im Handel unter dem Namen „Bremerblau“ vorkommenden feingepulverten Kupferoxyhydrats und Stärkezucker mit 16 Theilen Wasser, fügt dazu 2 bis 3 Gewichtstheile Kalihydrat, und erhitzt dann das Ganze einige Minuten lang bis auf + 50° R. Sobald die Farbe des bei dieser Temperatur in der Flüssigkeit entstehenden Oxyduls am intensivsten roth erscheint, schüttet man den ganzen Inhalt des Gefäßes in eine große Schale voll kalten Wassers, um das so leicht sich höher oxydirende Präparat vor einer Mißfärbung zu schützen, süßt es dann schnell aus und trocknet es bei mittlerer Temperatur. (Jahresbericht des physikal. Vereins in Frankfurt a. M. 1853–54.)

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Der gegenwärtig, sogar centnerweis, aus verschiedenen Fabriken, unter andern von den Gebrüdern Best in Osthofen in der Pfalz, sehr billig bezogen werden kann.

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