Titel: Die Bereitung von Leder- und Papier-Pergament
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 8 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi02_8

Die Bereitung von Leder- und Papier-Pergament

für Schreibtafeln hat Konrad Weinmann zu Reutlingen in nachstehender Weise beschrieben und dafür unterm 11. December 1844 in Württemberg ein zehnjähriges Patent erhalten.

Zum Papier-Pergament wird bestes Papier ausgewählt, geglättet und mit einem Copallack auf beiden Seiten leicht überfahren, um das Papier wasserdicht zu machen und das Anstreichen mit der Farbe zu befördern. Dieser Lack wird verfertigt aus 1 Pfd. Copalgummi, 1 Pfd. Leinölfirniß und 38 Loth Terpenthinöl. Ist der Lack auf den Papierbögen gut trocken, so werden diese mit der Farbe angestrichen, welche aus Blei- oder Kremserweiß folgendermaßen bereitet wird. Dieses Weiß wird mit gutem und reinem Leinöl dick abgerieben, dazu kommen auf 6 Pfd. Weiß 8 Loth Bleizucker und 10 Loth Bimssteinsand, ersterer befördert das Trocknen, letzterer den Angriff der Bleistifte. Die dick abgeriebene Farbe wird mit Terpenthinöl so weit verdünnt, bis sie zum Anstreichen fließend genug ist; beim Abreiben mischt man Gelb, Blau, Roth, Grün u.s.w. zu, je nachdem man eine Farbe haben will.

Ein Bogen Papier bekommt auf jeder Seite zwei bis drei Anstriche, je nachdem diese stark oder schwach gegeben werden; sind die Anstriche alle nach einander gut getrocknet, so werden die Bögen mit einem Stück Bimsstein und Wasser ganz naß fein abgeschliffen und dann mit einem leinenen Lappen abgeputzt und abgetrocknet. Dieses Pergament hat den Vorzug, daß sich nicht nur leicht darauf schreiben läßt, sondern daß es auch beim Reinigen mit Wasser (ohne Schonung) nicht beschädigt wird, auch wird es immer noch besser und fester, wenn man es schon längere Zeit zum Gebrauch hat.

Das Leder-Pergament wird mit der nämlichen Farbe und auf gleiche Weise verfertigt. Das Leder besteht aus Schaffellen, die bloß eine Alaun-Gerbung haben dürfen. Diese werden auf Rahmen gespannt, während sie noch naß sind, dann getrocknet |160| und sofort nach vorstehender Weisung angestrichen und zuletzt abgeschliffen.

Dieses Verfahren hat die Eigenthümlichkeit, daß bei dem Papierpergament Oelfarbe angewendet, beim Lederpergament kein Leimfarbengrund oder eine mit Seifenwasser angemachte Grundfarbe, sondern ein Grund von Copallack für die Oelfarbe aufgetragen wird, auch daß die Oelfarbe, um den Angriff der Bleistifte zu sichern, einen Zusatz von Bimssteinpulver enthält. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1854, Nr. 51.)

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