Titel: Ueber die Anwendbarkeit der Leimfolien oder Gelatinetafeln zu verschiedenen Zwecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 9 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi02_9

Ueber die Anwendbarkeit der Leimfolien oder Gelatinetafeln zu verschiedenen Zwecken.

Ueber diesen Gegenstand hielt Hr. Dobell in der Royal Society zu London einen Vortrag. Die im Handel vorkommenden Leimfolien (das sogenannte Glaspapier, dessen Darstellung im polytechn. Journal Bd. CVI S. 406 beschrieben ist) haben gewöhnlich 22 Zoll Länge und 15 Zoll Breite; man könnte sie jedoch von den Dimensionen der größten Glasplatten liefern; sie sind vollkommen durchsichtig, weiß oder in den verschiedensten Nuancen (unbeschadet ihrer Durchsichtigkeit) gefärbt; sie sind sehr leicht und lassen sich zusammenrollen ohne zu brechen; man zerschneidet sie mit der Schere, wie Papier; man kann sie mit Nadel und Faden nähen; mittelst einer wässerigen Auflösung von Leim aufeinander geklebt, adhäriren sie vollkommen und bleiben dabei durchsichtig; mit Collodium gefirnißt, werden sie (ohne ihre Durchsichtigkeit zu verlieren) wasserdicht, biegsamer, können die Wärme besser ertragen etc.

Die Anwendungen welche Hr. Dobell vorschlägt, haben alle einen optischen Zweck, nämlich das Licht zu färben, damit es das Auge weniger ermüdet. Es sind folgende:

1) Beim Lesen kann man eine kleine Leimfolie von grüner oder blaßblauer Farbe benutzen; man bringt die Folie zwischen die Blattseite und das Auge, und liest durch das gefärbte Medium; wenn das Licht schwach ist, muß man die Folie in einer gewissen Entfernung vom Buch halten, um das Licht von unten durchdringen zu lassen.

2) Die Graveure, Uhrmacher, Juweliere und andere Künstler welche beim Licht arbeiten, werden gut thun, zwischen ihr Auge und das Fenster oder die Lampe welche sie beleuchten, ein großes Blatt oder einen Schirm von blaßgrüner Leimfolie zu bringen, welche auf einen Rahmen geklebt ist.

3) Die Nähterinnen sollten auch einen solchen grünen Schirm benutzen, um die weißen Stoffe zart grün zu färben, oder um die Lebhaftigkeit der Farbe gelber oder rother Stoffe zu mildern.

4) Man könnte sogar die Fensterscheiben mit Blättern von grüner oder blauer Gelatine belegen, um in diesen dem Auge wohlthuenden Nüancen das ganze in das Zimmer dringende Licht zu färben.

5) Bei Verfertigung der Augenschirme sollte man die Seide oder Pappe stets durch Gelatine ersetzen; durch sie kann man nicht nur immer dem Licht die für das Auge passendste Farbe ertheilen, sondern überdieß die Intensität des Lichts in beliebigem Verhältniß vermindern, indem man mehrere Gelatineblätter übereinander legt oder eine dunklere Farbe derselben wählt.

6) Endlich könnten die Reisenden in Steppen oder Wüsten welche mit dürrem Sand oder mit Schnee bedeckt sind, für das Gesicht eine Maske von Gelatine anwenden, um ihre Augen gegen die zu große Zurückprellung des Lichts oder der Wärme zu schützen. (Cosmos, Revue encyclopédique, März 1855, S. 286.)

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