Titel: Ueber ein sehr empfindliches Reagens zur Entdeckung einiger reducirend wirkender Körper, wie Zinnchlorür, Schwefelwasserstoff, schweflige Säure (im Wein und Hopfen) etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 8 (S. 235–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi03_8
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Ueber ein sehr empfindliches Reagens zur Entdeckung einiger reducirend wirkender Körper, wie Zinnchlorür, Schwefelwasserstoff, schweflige Säure (im Wein und Hopfen) etc.

Die zu diesem Zweck von J. Löwenthal (polytechn. Journal Bd. CXXX S. 398) empfohlene Reagensflüssigkeit besteht in einer frisch bereiteten verdünnten Lösung von Ferridcyankalium, vermischt mit einigen Tropfen oxydulfreier Eisenchloridlösung. Bringt man von derselben einige Tropfen in eine Flüssigkeit, welche nur Spuren oben genannter reducirender Stoffe enthält, so entsteht augenblicklich ein blauer Niederschlag oder eine blaue Färbung von sich bildendem Eisencyanürcyanid. Bei der Nachweisung von Schwefelalkalien und schwefligsauren Salzen ist natürlich ein Zusatz von Salzsäure erforderlich. Dieses neue Prüfungsmittel erweist sich in der That als weit empfindlicher, als die bisher zu den genannten Zwecken in Anwendung gebrachten; es läßt sich indeß nur da gebrauchen, wo man im Voraus weiß, daß nur der eine oder der andere jener reducirenden Körper in einer Flüssigkeit wirklich vorhanden seyn kann. So läßt sich z.B. recht gut Zinnchlorid auf einen Gehalt von Zinnchlorür prüfen, nicht aber, wie der Verfasser meint, Wein auf einen Gehalt an schwefliger Säure. Unseren eigenen Erfahrungen zufolge sahen wir nämlich in verschiedenen Weinsorten, von denen wir zuverlässig wußten, daß sie nie in geschwefelten Fässern gelagert oder überhaupt jemals mit schwefliger Säure in Contact gekommen waren, dennoch eine Blaufärbung bei Zusatz obiger Reagensflüssigkeit in kurzer Zeit eintreten; es lag daher die Vermuthung nahe, es möchte außer der schwefligen Säure auch noch ein anderer im Weine enthaltener Stoff dieselbe reducirende Wirkung auf das von dem genannten Verfasser empfohlene Reagens auszuüben im Stande seyn, und es stellte sich bei fortgesetzten Versuchen wirklich heraus, daß auch der Gerbstoff, der muthmaßlich, wenn auch oft nur in geringer Menge, in den meisten Weinen angetroffen werden dürfte, dieselbe Reaction hervorbringt. – Fernere Versuche ergaben, daß auch zur Prüfung des Hopfens auf einen Gehalt an schwefliger Säure das von Löwenthal empfohlene Mittel keine Anwendung finden könne, indem das Lupulin für sich schon als Reductionsmittel wirkte. In den hier genannten zwei Fällen hat sich uns das früherhin von Prof. W. Heintz in Poggendorff's Annalen Bd. LXVI S. 160 beschriebene Verfahren am zuverlässigsten bewährt. Professor Dr. Rud. Böttger. (Jahresbericht des physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. 1853–54.)

Heintz verfährt wie folgt: Die zu untersuchende Flüssigkeit, oder die in Wasser oder Salzsäure aufgelöste Substanz wird mit einer Auflösung von Zinnchlorür in verdünnter Salzsäure versetzt und bis zum anfangenden Kochen erhitzt. Dadurch geschieht diejenige Zersetzung, welche die Fällung von Schwefelzinn verursachen würde, wenn schweflige Säure in nur einigermaßen größerer Menge vorhanden wäre. Wird diese Menge aber bis auf einen gewissen Grad verringert, so fällt Schwefelzinn nicht nieder, die Flüssigkeit riecht aber nach Schwefelwasserstoffgas, und färbt sich unmerklich gelb, ohne sich zu trüben. Jener Geruch würde also schon eine geringere Menge von schwefliger Säure anzeigen, als nöthig ist, um die Fällung von Schwefelzinn zu veranlassen. Da sein Geruch aber, wenn nur höchst geringe Spuren dieser Säure vorhanden waren, durch die Dämpft der Salzsäure verdeckt werden könnte, so kann man die Gegenwart des daraus gebildeten Schwefelwasserstoffs leicht dadurch sichtbar machen, daß man einige Tropfen einer Auflösung von Kupfervitriol zur erkalteten Flüssigkeit hinzusetzt. Es fällt sogleich Schwefelkupfer nieder, das seiner intensiven Farbe wegen die Gegenwart auch der geringsten Mengen von Schwefelwasserstoff, also in diesem Falle auch von schwefliger Säure nachweist.

Diese einfache Methode ist nach Heintz eben so empfindlich als das bekannte Verfahren von Fordos und Gélis, welches darin besteht, die zu untersuchende Substanz mit (reiner) Salzsäure zu versetzen, diese Flüssigkeit auf Zink zu gießen und das sich entwickelnde Wasserstoffgas durch eine Lösung von basisch essigsaurem Bleioxyd zu leiten, wobei das aus der schwefligen Säure sich bildende Schwefelwasserstoffgas aus der Bleioxydlösung Schwefelblei niederschlägt. Dieses Verfahren hat aber |237| offenbar viele Unbequemlichkeiten, denn einerseits ist stets ein eigener, wenn auch einfacher Gasentwickelungsapparat dazu nöthig, andererseits muß die größte Sorgfalt darauf verwendet werden, deß das Zink frei von Schwefel ist.

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