Titel: Ueber einige Verbesserungen an den Pendeluhren; von Hrn. Collin, Uhrmacher zu Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 1 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi04_1

Ueber einige Verbesserungen an den Pendeluhren; von Hrn. Collin, Uhrmacher zu Paris.

1. Bis jetzt machte man die Gehäuse der großen Thurmuhren nur aus Gußeisen; dieses Material ist aber nur zu geraden Theilen recht zweckmäßig anzuwenden, nicht aber bei krummen und rechtwinkelig gebogenen Theilen, weil es dort sehr leicht zerbricht. Hr. Collin wendet daher in den Winkeln das bekannte gewalzte Winkeleisen an, welches schon so viele Dienste in den Gewerben geleistet hat.

2. Jedermann kennt die Compensationspendel, welche aus abwechselnden Stäben von Messing und Eisen bestehen, die aber bei größeren Thurmuhren zu theuer sind. Man hat daher bis jetzt gewöhnlich eine sehr unvollkommene Compensation angewendet, indem man einen Winkelhebel anbringt, der gegen einen Knaggen an einer horizontalen Stange stößt. Hr. Collin hatte die glückliche Idee, Stäbe von Eisen und Zink mit einander zu vereinigen und es ist ihm dadurch eine sehr gute Compensation gelungen, welche weit wohlfeiler als die mit dem theuern Messing ist. Die Construction ist die ganz gewöhnliche.

3. Eine weitere Erfindung des Hrn. Collin ist eine verbesserte Uhr zur Controle von Nachtwachen. Sie besteht im Wesentlichen: 1) aus einer Pendeluhr mit Kreishemmung, die von einem runden oder viereckigen Gehäuse umschlessen ist; 2) aus einer über dem Gangwerke angebrachten Platte, welche sich mittelst dieses Gangwerks umdreht ohne jedoch durch eine Stange damit verbunden zu seyn, indem die Bewegungsübertragung nur durch eine Spiralfeder bewirkt wird. Durch diese neue und sinnreiche Einrichtung erlangt man eine sehr erwünschte Wirkung, sobald es sich um die Ausführung irgend einer Controle handelt: befestigt man die Platte so, daß sie sich nicht drehen kann, so wird die Bewegung des Uhrwerks dadurch nicht aufgehalten, aber sie spannt die Spiralfeder, und sobald die Platte wieder frei wird, führt die Feder sie um einen Winkel rückwärts, welcher gleich demjenigen ist, den sie durchlaufen hätte, wenn sie in die Bewegung hereingezogen worden wäre. Auf dieser Platte befestigt man ein Zifferblatt, welches seinen Umlauf in 24 Stunden vollendet, und in dem Augenblicke wo man es dem Wächter übergibt, bringt man die auf dem Zifferblatt abgelesene wirkliche Zeit mit einem auf der Platte befestigten Zeiger in Uebereinstimmung; man verschließt das Gehäuse, dessen Deckel mit einer Spalte versehen ist, durch die man die Stunde lesen kann. An jedem Ort, wo der Wächter seine Gegenwart zu einer bestimmten Zeit bezeichnen soll, befindet sich ein Futteral, in welches der Wächter das Gehäuse steckt; auf dem Futteral hat man einen Stab mit einem Knopf angebracht, an dessen unterem Ende ein geschwärzter Stempel befindlich ist, der in die Spalte des Gehäuses tritt; der Wächter führt einen leichten Schlag auf den Knopf, damit der Stempel sein Zeichen auf dem Zifferblatt abdrückt, welches mit der beweglichen Platte verbunden ist. Die Zeichen der Stempel sind für die verschiedenen Orte des Durchgangs und der Controle verschieden, und überdieß muß die Entfernung des Stempels vom Mittelpunkt der Coulisse variiren, so daß die Marken sich nicht auf einem und demselben concentrischen Kreise befinden, sondern sich immer mehr dem Mittelpunkt nähern. Wenn nun am Morgen der Wächter seinen Apparat dem dienstthuenden Beamten zurückgibt, so öffnet dieser das Gehäuse und untersucht die Stellung der Zeichen, ihr Zusammenfallen mit den verschiedenen vorgeschriebenen Stunden, und erfährt dadurch, ob der Wächter seine Pflicht gethan hat oder nicht. Wenn der Wächter, um zu fälschen, daß Zifferblatt und die Platte mit der Hand an jedem Ort vorschieben wollte, so daß sich alle Zeichen an der gewünschten Stelle befänden, und wenn er nach Bewerkstelligung dieser betrügerischen Operation die Bewegung des Zifferblattes aufhalten wollte um den letzten Stempel anzubringen, so würde sein Betrug sofort an den Tag kommen, weil die Spiralfeder bei ihrem Abwickeln wieder die Stellung erlangt, welche sie vor dem Abdruck der Marken hatte. Dieser sinnreiche Apparat wurde schon in mehreren Anstalten |315| mit dem besten Erfolg eingeführt. (Cosmos, Revue encyclopédique, Februar 1855, S. 117.)

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