Titel: Ueber Metallschreibfedern; von Dr. Schubert.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 2 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi04_2

Ueber Metallschreibfedern; von Dr. Schubert.

Die Stahlfedern haben eine immense Verbreitung gefunden; ihre Fabrication bildet gegenwärtig einen der wichtigsten Industriezweige, und nicht ohne Grund. Wie wenige verstehen eine gute Feder zu schneiden und wie oft muß das Schneiden wiederholt werden, soll das Stumpfschreiben der Feder keine periodisch wiederkehrende Ungleichheit der Schrift zur Folge haben. Die Stahlfeder ist nicht bloß dem Schnellschreiber unentbehrlich geworden, sondern sie setzt auch den ungeübten Quartalschreiber in den Stand, seiner Schrift ein gefälligeres Ansehen zu verleihen. Eine wahre Schattenseite der Stahlfeder ist aber, daß sie schnell von der Tinte angegriffen wird. Der Spalt schließt schon nach dem Gebrauche von wenig Tagen nicht mehr und der Schnabel wird so spitzig, daß er bei jedem aufwärts gehenden Zug ins Papier sticht, spritzt und daher zum schnellen Schreiben durchaus unbrauchbar wird. Andererseits macht man der Stahlfeder auch den Vorwurf, die Tinte zu verderben, indem sich immer mehr Eisen darin auflöst. Tinte mit überschüssigem Eisengehalt gibt aber bekanntlich eine gelbe Schrift, die mit der Zeit ganz verschwindet. Ich habe selbst anhaltend mit Stahlfedern geschrieben, ohne jedoch mit einer ursprünglich guten Tinte je eine gelbe Schrift erhalten zu haben. Doch will ich nicht in Abrede stellen, daß eine Unterschrift vergilben und verschwinden könne, wenn sie mit einer Tinte geschah, welche zufällig lange Zeit in der Feder gelegen war, oder wenn gar Stahlfedern ins Tintenfaß fallen.

Diese beiden Gebrechen haben der Stahlfeder eine Menge Feinde zugezogen. Das Stechen und Spritzen hat, namentlich schwere Hände, von ihrem Gebrauch abgehalten oder frühere Gönner derselben dem Gänsekiel wieder zugeführt. Die Einwirkung auf die Tinte mag sie bei den Behörden in Verruf gebracht haben. Sie ist bereits bei vielen abgeschafft und auch von Seite unserer Regierung (der bayerischen) soll ihr Gleiches bevorstehen.

Man hat eine Menge Mittel erfunden, das Angreifen der Stahlfedern durch die Tinte zu verhüten, allein noch kein einziges hat sich Bahn gebrochen, auch Runge's Stahlfedertinte nicht, Gute Tinte, welche leicht aus der Feder fließt und, wenn auch nicht durchschlägt, doch ins Papier dringt, muß freie Säure enthalten, saure Tinte greift aber stets Stahl und Eisen an. Da nun mit der Tinte nichts anzufangen ist, so bleibt nichts übrig, als die Feder aus einem andern Stoff herzustellen. Man hat sie aus Horn oder Elfenbein gemacht, allein diese schreiben noch schneller stumpf, als die Kiele.

Ich wiederhole daher meinen Vorschlag, den ich schon vor vielen Jahren im polytechnischen Journal (Bd. XCVIII S. 219) gethan. Man mache die Feder von Messing, nicht, als wenn ich dieß für meine Erfindung ausgeben wollte, denn ich habe lange zuvor Messingfedern im Handel gefunden, sondern nur, um nachzuforschen, warum sich die Messingfeder noch keiner rechten Aufnahme zu erfreuen gehabt.

Das Messing wird von der Tinte äußerst langsam und unbedeutend angegriffen, schreibt sich daher nie spitzig, sondern eben deßhalb und wegen seiner geringeren Härte eher stumpf, was übrigens sehr langsam geht und durch ein paar Züge auf einen Stein zu verbessern ist. Dabei ist die bedeutende Federkraft des Stahls für eine Schreibfeder bei weitem nicht nöthig und die des gehämmerten Messings lange ausreichend. Auch ist bei Messing die Verbiegung eines Zinkens des Schnabels leicht wieder gerade zu richten, während dieselbe bei Stahl auch häufig vorkommt, aber wegen seiner Zerbrechlichkeit unverbesserlich ist.

Bei solchen Vorzügen der Messingfeder wäre es unbegreiflich, warum dieselbe die Stahlfeder nicht längst vollständig verdrängt hat, ließe sich die Veranlassung nicht bei den Fabrikanten selbst entdecken. Diesen wäre natürlich bei ihrer langen Dauer schlecht mit der Messingfeder gedient. Ich bediene mich gegenwärtig einer lang, ohne etwas anderes daran verbessert zu haben, |316| als sie höchst selten einmal etwas spitz zu schleifen, ja, ohne sie selbst nach dem Schreiben nur auszuputzen. Dagegen ist indessen zu bedenken, wie viele von den Feinden der Stahlfedern Freunde der Messingfedern würden, wären ihnen letztere besser bekannt, daß sie ferner auch für Urkunden ohne Bedenken anwendbar wären, und daß bei weitem nicht jeder die Messingfeder bis aufs letzte abnutzen, sondern nach einer neuen greifen würde, wenn sie zu stumpf wird und ihm das Schleifen zu umständlich ist.

Ein Franzose hat in neuester Zeit ein Patent auf kupferne Federn genommen und wählte das Kupfer offenbar nur der Originalität wegen, da sich das Messing vermöge seiner Härte besser dazu eignet. Obgleich dann und wann eine Messingfeder im Handel vorkommt, so ist doch in der Regel Form und Schnitt derselben (zufällig oder absichtlich) wenigstens nicht für jede Hand brauchbar. Doch dürfte die Zeit nicht mehr fern seyn, wo man die Messingfedern von derselben Schönheit und Auswahl des Schnittes finden wird, wie die Stahlfedern.

Unterdessen will ich alle Freunde einer Feder von dauernder Schärfe und Brauchbarkeit aufmerksam machen, daß sich bei Hrn. Schreibwaarenhändler Herold und bei Hrn. Gerstle in Würzburg wenigstens eine recht gute Sorte Messingfedern und auch eine von Neusilber findet, die noch härter und dauerhafter ist. (Würzburger gemeinnützige Wochenschrift, 1855, S. 20.)

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