Titel: Ueber die Darstellung feinster Zinnasche zum Poliren; von A. Vogel jun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 6 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi04_6

Ueber die Darstellung feinster Zinnasche zum Poliren; von A. Vogel jun.

In der Beschreibung der von mir angegebenen neuen Darstellungsart von Eisenoxyd aus kleesaurem Eisenoxydul habe ich bereits erwähnt, daß ein ähnliches Verfahren zur Gewinnung von feinvertheiltester Zinnasche ebenfalls mit Vortheil angewendet werden könne. Die Proben der auf diese Weise erhaltenen Zinnasche, welche ich einigen Technikern, namentlich Uhrmachern übergeben habe, ergaben in der Anwendung zum Poliren von Stahlzapfen so überaus günstige Resultate, daß ich veranlaßt worden bin, die Bereitungsart des Präparates zu veröffentlichen.

Bekanntlich erhält man durch Vermischen einer Lösung von Zinnchlorür (im Handel unter dem Namen Zinnsalz vorkommend) mit Kleesäure einen weißen körnigen Niederschlag von kleesaurem Zinnoxydul. Dieser Niederschlag ist es, welcher zur Darstellung der Zinnasche verwendet wird.

Man bereitet eine Lösung von dem gewöhnlich im Handel vorkommenden Zinnsalze, indem dieses in ungefähr 6 Theilen destillirten Wassers in einer Porzellanschale aufgekocht wird und gießt die Flüssigkeit zur Trennung der im Zinnsalze vorkommenden Verunreinigungen durch ein Leintuch in ein Cylinderglas oder eine Porzellanschale. Die Filtration durch ein Papierfiltrum geht nur sehr langsam vor sich und ist mit einem zu großen Verlust an basischem Zinnsalz, welches nicht mit durch das Filtrum geht, verbunden. Sie ist daher in diesem Falle nicht nöthig, um so weniger, da, wie ich mich überzeugt habe, das Colliren durch Leinwand vollkommen ausreichend ist, um die für diesen Zweck störenden Beimischungen des Zinnsalzes abzuscheiden.

Zu der durchgelaufenen milchigen Flüssigkeit setzt man hierauf eine ebenfalls durch ein Tuch gegossene heiße Lösung von Kleesäure in destillirtem Wasser. Beim Umrühren mit einem Holzstabe bildet sich sogleich der weiße körnige Niederschlag von kleesaurem Zinnoxydul. Nach dem völligen Erkalten wird die überstehende Flüssigkeit abgegossen, und so oft durch neue Mengen Wassers ersetzt, bis das abgegossene Wasser nicht mehr sauer reagirt. Der Zeitpunkt der neutralen Reaction ist nach ungefähr fünfmaligem Aufgießen von erneutem Wasser erreicht, wozu gewöhnliches Wasser benützt werden kann.

Das Waschen des Niederschlages von kleesaurem Zinnoxydul erscheint zur Gewinnung eines brauchbaren Präparates besonders nothwendig. Zuletzt spült man den weißen Niederschlag auf ein Papierfiltrum und übergießt ihn einmal mit destillirtem Wasser, um die Reste des gewöhnlichen Wassers zu verdrängen. Nach dem völligen Abtropfen wird auf dem Ofen getrocknet.

Das pulverförmige getrocknete kleesaure Zinnoxydul wird in einem flachen Metallgefäße oder in einer Porzellanschale über der Weingeistlampe in kleinen Portionen unter beständigem Umrühren erhitzt, wobei durch das Entweichen von Gasarten (Kohlenoxyd und Kohlensäure) eine sehr bedeutende Volumenvermehrung stattfindet. |319| Es muß deßhalb eine sehr geräumige Schale dazu genommen werden, um einen Verlust durch das Uebersteigen zu vermeiden.

Die Zersetzung des Salzes geht bei einer verhältnißmäßig niederen Temperatur, weit unter der Rothglühhitze unter Entwicklung von Kohlensäure und Kohlenoxydgas vor sich, und es bleibt ein äußerst zartes, leichtes Zinnoxyd zurück, ähnlich an Feinheit und Form der durch die Verbrennung des metallischen Zinks entstehenden sogenannten Lana philosophica.

Zuletzt, wenn kein Erglimmen mehr stattfindet, wird nochmals etwas stärker mit der Weingeistlampe erhitzt, um die allenfalls noch zurückgebliebenen Spuren von unzersetztem kleesauren Zinnoxydul zu zerstören.

Die Quantitäten der zur Darstellung anzuwendenden Materialien ergeben sich nach der Berechnung in der Weise, daß man auf 7 Theile Zinnsalz 1 Theil Kleesaure nimmt, wodurch man 1 Theil Zinnasche erhält. Hieraus folgt auch der verhältnißmäßig niedrige Preis des Präparates, worauf es indeß hier nicht wesentlich ankömmt, da man dieses Polirmittel nur für kleinere Gegenstände anwendet und mit einer geringen Quantität sehr weit reicht.

Bei der bekannten Schwierigkeit, die nach der bisher gewöhnlichen Art gewonnene Zinnasche so fein zu schlämmen, daß sie mit Sicherheit verwendet werden kann, was stets mit einem großen Verlust an Material verbunden und noch weit schwieriger ist, als das Schlämmen des Colcothars, zweifle ich nicht an der allgemeinen Einführung meines Verfahrens in der Technik. (Bayerisches Kunst- und Gewerbeblatt, 1855, S. 85.)

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