Titel: Ueber Brausepulver; von Prof. J. Otto.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 7 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi04_7

Ueber Brausepulver; von Prof. J. Otto.

Das Brausepulver gehört jetzt zu den gebräuchlichsten Hausmitteln und ist in der That eine Panacee. Ich lasse es aus 5 Unzen zweifach-kohlensaurem Natron und 3 Unzen Weinsäure bereiten, und empfehle diese alkalische Mischung Allen, welche meiner Erfahrung Glauben schenken, daß das Alkali, nicht die Kohlensäure das Wesentliche ist.

Die Mischung wurde in meinem Hause seit Jahren stets in einer Pappschachtel aufbewahrt und hielt sich darin, wenn sie nicht feucht stand, vortrefflich. Da sollte an die Stelle der Pappschachtel das dauerhaftere Präparatenglas, mit breitem, eingeriebenem Stöpsel treten. Was war die Folge des ersten Versuchs? Das Brausepulver wurde in dem Glase nach einigen Tagen völlig unbrauchbar, d.h. es verlor die Eigenschaft, von der es den Namen führt. Natürlich schob man bei dieser ersten Beobachtung die Schuld darauf, daß das Glas nicht gut ausgetrocknet gewesen, daß wohl auch die Materialien nicht gehörig trocken angewandt worden seyen; aber ein zweiter Versuch führte zu demselben Resultate.

Ich veranlaßte nun den Assistenten am Laboratorium, Hrn. Bosse, eine Reihe von Versuchen über Aufbewahrung des Brausepulvers anzustellen, und diese haben die seltsame Erscheinung vollkommen bestätigt. Das Brausepulver hält sich nicht unzersetzt in einem Glase mit Glasstöpsel, es hält sich besser in einem Glase, das mit Papier verbunden ist; es hält sich am besten in einer Pappschachtel, einer Papierkapsel oder frei an der Luft liegend.

Um hinter die Ursache des sonderbaren, abweichenden Verhaltens zu kommen, wurde das Brausepulver auf sehr verschiedene Weise aufbewahrt, wobei sich zunächst die conservirende Wirkung herausstellte, welche eine trockene Atmosphäre auf die Brausepulver ausübt, und der zersetzende Einfluß einer feuchten Atmosphäre.

Hierdurch kommt man, mit Rücksicht auf die übrigen angestellten Versuche, zu dem Schlusse, daß das Brausepulver eine gewisse Menge von Feuchtigkeit enthält, welche seine Zersetzung einleitet, wenn sie nicht leicht abdunsten kann und weggeführt wird. Der Verlust an Kohlensäure, den das Brausepulver erleidet, wenn es offen auf Papier liegt, sich in Papierkapseln oder Pappschachteln befindet, ist unbedeutend; er wird größer in einem offenen, kurzhalsigen Präparatenglase, noch größer in einem langhalsigen Glase, mit engerer Mündung, noch größer endlich in einem mit einem Haarröhrchen oder mit einem Glasstöpsel verschlossenen Glase.

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Für die Praxis ergibt sich aus dem Mitgetheilten, daß man das Brausepulver am zweckmäßigsten in Papier oder in einer Pappschachtel aufbewahrt. (Annalen der Chemie und Pharmacie, März 1855, S. 378.)

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