Titel: Vorrichtungen zum Conserviren des Getreides.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 10 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi05_10

Vorrichtungen zum Conserviren des Getreides.

Conservirender Speicher des Hrn. Mauß zu Vertou (untere Loire.) – Derselbe besteht im Wesentlichen in einem Cylinder, welcher aus Holz und aus Drahtgewebe angefertigt ist; der innere Raum des Cylinders ist in vier Fächer abgetheilt, die mittelst Thüren gefüllt und entleert werden, welche auf dem ganz aus Drahtgewebe bestehenden Umfang angebracht sind. Oeffnungen, ebenfalls mit Drahtgewebe überzogen, befinden sich an den Seiten des Cylinders, damit die Luft im Innern desselben circuliren kann.

Der Cylinder ruht auf seiner Achse, um welche man ihn mittelst einer Kurbel drehen kann, wozu wegen der Vertheilung der Last in den verschiedenen Fächern wenig Kraft erfordert wird. Indem man diesem Apparat, welcher zur Hälfte mit Korn gefüllt ist, jeden Tag mehrmals eine schwache Bewegung ertheilt, so daß er täglich einen ganzen Umgang macht, muß offenbar das Getreide vollkommen conservirt bleiben. Er nimmt in einem Magazin weniger Platz ein. als das Korn auf einem Boden. Sein niedriger Preis, seine leichte Behandlung, die Möglichkeit ihn in jeder erforderlichen Größe herzustellen, machen ihn besonders für Privaten geeignet.

In diesem Apparat, dessen Anwendung sich zu verbreiten beginnt, wird das Getreide auf die einfachste Weise umgerührt und zugleich gelüftet und durch die Drahtgewebe gereinigt; er ist daher besonders den Landwirthen, Getreidehändlern etc. zu empfehlen, |400| während sich der Huart'sche bewegliche Speicher (beschrieben im polytechn; Journal Bd. CXXXV S. 99) besonders für große Verproviantirungen eignet.

Sallaville's Methode. – Das Verfahren des Hrn. Sallaville in Paris, zum Reinigen und Lüften des Getreides behufs seiner Conservirung, ist so einfach, daß man es nur einmal gesehen zu haben braucht, um von dessen Nützlichkeit überzeugt zu seyn.

Das Getreide ist gewöhnlich durch verschiedenartige staubförmige Körper verunreinigt; nämlich durch einen unorganischen Staub, dessen Gegenwart nur die weiße Farbe des Mehls beeinträchtigt; dann durch einen vegetabilischen Staub (Krytogamen), welcher sich auf Kosten der Substanzen des Korns zu entwickeln sucht; endlich einen animalischen Staub (Eier, Larven etc.), welcher auskriechen, sich vervielfältigen und heranwachsen kann, indem er das Getreide, dessen Oberfläche er bedeckt, zerstört. Nun ist es fast unmöglich, das Getreide von dieser zerstörenden Schicht zu befreien, indem man die gewöhnliche Methode des Umschaufelns und der Aufbewahrung in den Speichern anwendet. Man müßte das Korn, um den ihm anhaftenden Staub zu entfernen, vorher trocknen, damit die Feuchtigkeit die leichten Körper nicht mehr auf dessen Oberfläche kleben kann; man müßte es hernach mit einem so nachgiebigen Körper reiben, daß das zarte Gewebe der Keimhülle dabei nicht verletzt wird.

Alles dieses hat Hr. Sallaville realisirt, dessen Erfindung darin besteht, das Getreide in einen hohen Behälter zu schütten, dessen unterer Theil aus Röhren besteht, welche mit zahlreichen kleinen Löchern versehen sind und horizontal liegen, so daß sie eine Art Boden bilden. Eine Luftkammer, mit welcher alle diese Röhren in Verbindung stehen, und in welche durch mehrere Ventilatoren mit Centrifugalkraft Luft gepreßt wird, gestattet einen aufsteigenden Strom atmosphärischer Luft durch die Millionen kleiner krummer Canäle herzustellen, welche die im Behälter befindlichen Körner zwischen sich lassen. Die erforderliche Kraft, um diesen Luftstrom selbst in ununterbrochener Weise herzustellen, ist unbedeutend; überdieß braucht dieses Lüften nicht beständig vorgenommen zu werden; nachdem einmal das Getreide gereinigt ist, genügt ein in gewissen Zwischenräumen wiederholtes Lüften um der Conservirung ganz versichert zu seyn.

Sobald der Luftstrom durch die Masse des Getreides hergestellt ist, besteht seine erste Wirkung darin, die Körner vollkommen zu trocknen; nach beendigtem Trocknen derselben entzieht der Luftstrom den unteren Schichten den Staub und zwingt ihn nach und nach durch die Getreidesäule aufzusteigen; hat dieser Staub die obere Schicht erreicht, welche mit der Luft in Berührung ist, so wird er weit in die Atmosphäre hinaus fortgerissen.

Offenbar muß eine solche Operation das Getreide so rein als möglich hinterlassen, und selbst die Entwickelung derjenigen Wesen (Schmarotzerkeime), welche die Luft nicht mitgerissen hat, wird beständig verhindert, weil keine Gährung, Erhitzung etc. stattfinden kann.

Anstatt das Getreide mittelst atmosphärischer Luft zu reinigen, könnte man auch einen Strom von Wasserstoffgas, Stickgas, schwefliger Säure, Kohlensäure, überhaupt von jeder Gasart anwenden, welche, ohne das Korn anzugreifen, den Schimmel oder die Insecten desorganisiren und zerstören kann, um auf solche Weise die Getreidearten beliebig lange zu conserviren.

Das für den Weizen beschriebene Verfahren läßt sich natürlich auch für den Roggen, Hafer, Buchweizen, das Türkischkorn, den Reis etc. benutzen, überhaupt für alle Körper durch deren mehr oder weniger dicke Schichten ein Luftstrom dringen kann. (Cosmos, Revue encyclopédique, März 1855, S. 292.)

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