Titel: Bemerkungen über einige Eisengießereien in Birmingham.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 1 (S. 460–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi06_1

Bemerkungen über einige Eisengießereien in Birmingham.

Der königl. preuß. Hütteninspector Stentz zu Torgelow sagt hierüber in der preußischen Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1855, 1. Lief., Nachstehendes:

Die London-works, den HHrn. Henderson, Fox und Comp. gehörig, haben sich durch die Lieferung der Eisenconstructionen für das Industrieausstellungsgebäude in London, die sich durch besondere Haltbarkeit und Zierlichkeit auszeichneten, sehr vortheilhaft bekannt gemacht und die dadurch allgemein hervorgerufene gute Meinung durch alle ihre Arbeiten, so wie durch ihre Einrichtungen, ihre Formerei und Schmiederei, und ihre Hülfsmaschinen bestätigt.

Die Gießerei besteht aus einigen Flammöfen und zwei großen und einem kleinen Cupolofen, letztere mit einer Form von etwa 9 Zoll Durchmesser, und einem fast gar nicht gepreßten Winde, der durch einen Ventilator erzeugt wird. Formsand, der in Quetschmaschinen zubereitete Lehm und die in beiden hergestellten Gußwaaren, die außer in Maschinentheilen und Baugußwaaren, auch in Kaminen und andern Gegenständen zum häuslichen Gebrauch bestehen, sind sehr gut. Die Kamine werden auf einer einfachen Drehvorrichtung mit Steinen ausgeschliffen; eben so geschieht dieß Abschleifen bei Säulenöfen und andern runden Gegenständen.

Die Anfertigung von Geschirren hat hier, wie in andern Hütten und Gießereien, in neuerer Zeit bedeutend abgenommen, indem selbst die emaillirten und verzinnten Gußeisengeschirre durch die Blechgeschirre aus dem Gebrauch verdrängt sind, welche letztere größere Haltbarkeit mit bedeutend geringerm Gewicht verbinden.

Ein großer Krahn bewegt sich in Eisenbahnen über die ganze Hütte, während zugleich kleinere Krahne in hinreichender Anzahl vorhanden sind, um sowohl die schweren, großen Formkasten als die für große Stücke oft angewendeten großen Gießpfannen mit Leichtigkeit zu bewegen.

Unter den Hülfsmaschinen zeichnet sich eine Drehbank mit 18 Fuß großer Scheibe aus; außerdem sind Drehbänke von jeder Gattung vorhanden, so auch eine einfache Maschine zum Falten des Eisen- und Zinkbleches zur Dachdeckung.

Bei andern Maschinen wird häufig die directe Wirkung des Wasserdruckes einer hydraulischen Presse angewendet. So werden die Radfelgen zu Eisenbahnwagenrädern mit Wasserdruck, der auf zwei Keile einwirkt, gleichmäßig gebogen, um in die Sandformen für die gußeisernen Naben eingelegt zu werden.

Es war unmöglich in der, als beste Gießerei für Hartwalzeu berühmten Atlasfoundry Zutritt zu erlangen, und auch in der, dem Rufe nach zweiten Hartwalzen-Gießerei:

der Gießerei von Georg Jones, wurde diese Fabrication als ein Geheimniß betrachtet. Namentlich war es die Construction eines Flammofens mit doppeltem Gewölbe, der zum Einschmelzen des Roheisens diente, den man sorgfältig |461| jeder Beobachtung zu entziehen suchte. Ebenso verschwieg man die Mischung der verschiedenen Roheisensorten, wovon nach Mittheilung eines Arbeiters die Güte der Walzen allein abhängig ist; es nannte dieser Arbeiter eine Mischung aus Waleser- und Staffordshire-Roheisen, doch wußte er das Nähere nicht anzugeben. Die Kapseln zeigten nichts Eigenthümliches. Der Preis der Hartwalzen war auf 26 Pfd. St. pro Tonne, oder 8 11/12 Thlr. für den preuß. Centner angesetzt.

Beim Abgusse von Stabeisenwalzen mit Kalibern wurden die Eingüsse in verschiedenen Höhen angesetzt, um recht reine Kaliber in jeder Höhe zu erhalten.

Wasserleitungsröhren und lange sehr dünne Dachrinnen wurden von guter Beschaffenheit geliefert, während Gitter und dergl. durch ihre bedeutende Schwere und Geschmacklosigkeit auffielen.

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