Titel: Vortheilhafte Bereitungsweisen der Pikrinsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 136/Miszelle 11 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj136/mi136mi06_11

Vortheilhafte Bereitungsweisen der Pikrinsäure.

Hr. Bouvy versichert, daß sich die Pikrinsäure leichter als nach den bisherigen Methoden darstellen läßt durch Einwirkung von Salpetersäure auf Canauba-Wachs (das wachsartige Product eines brasilianischen Baumes). Wenn man dieses Wachs in einem Porzellangefäß bei gelinder Wärme mit Salpetersäure behandelt, |466| so entsteht eine gelbe Substanz, welche alle Eigenschaften der Pikrinsäure besitzt; man nimmt 75 Gramme Salpetersäure von 40° Baumé auf 100 Theile des vegetabilischen Wachses, man erwärmt gelinde, bis die Substanz vollständig aufgelöst ist und die röthlichen Dämpfe der Untersalpetersäure verschwunden sind; man muß dabei beständig umrühren, damit die Masse nicht über den Rand des Gefäßes geht. Man erhält so wenigstens 30 Procent krystallisirter Säure, und einen Rückstand, welchen man entweder mit Talg oder mit käuflichem Wachs mischt, wo er dann zu manchen Zwecken statt Wachs verwendbar ist. – Patentirt in Frankreich, am 3. Sept. 1850. (Description des brevets, t. XVII.)

Nach den Beobachtungen von Dr. Stenhouse (Annalen der Chemie und Pharmacie, 1846, Bd. LVII S. 84) ist das im Handel, besonders in England unter dem Namen yellow gum (gelbes Gummi oder Acaroidharz von Botany-Bay) vorkommende Harz ein aus der Rinde von Xanthorhoea hastilis, einem Baum, der Familie der Liliaceae, welcher in Neuholland häufig wächst, ausfließender erhärteter Saft, am geeignetsten zur Darstellung von Pikrinsäure. In der That haben wir diese Beobachtung vollkommen bestätigt gefunden. Die Quantität der mittelst mäßig starker Salpetersäure daraus bereiteten Pikrinsäure ist weit größer, als die aus einer gleichen Menge des weit theureren Indigo gewonnenen, dabei läßt sie sich sehr leicht reinigen, und da dieses Harz in London im Durchschnitt das Pfund nur 1 fl. 12 kr. (2 Shilling) zu stehen kommt, so thut man besser, sie, besonders zu technischen Zwecken, z.B. zum Gelbfärben der Seide u.s.w., statt aus Indigo oder Phenylhydrat, aus diesem Botany-Bay-Harze zu bereiten. Dr. Rud. Böttger. (Jahresbereicht des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. für 1853–1854.).

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