Titel: Ueber Verwandlung der Brennmaterialien in Gas.
Autor: Combes,
Viollet,
Fundstelle: 1855, Band 137, Nr. XIII. (S. 33–36)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/ar137013

XIII. Ueber Verwandlung der Brennmaterialien in Gas.

Aus dem Bericht der HHrn. Combes und Viollet über die bisherigen rauchverzehrenden Apparate im Bulletin de la Société d'Encouragement, März 1855, S. 152.

Mit einer Abbildung auf Tab. I.

Die trefflichen Versuche des verstorbenen Ebelmen über die Verwandlung der Kohlenstübbe oder des Gruses von Holzkohlen, der gewöhnlich in großer Menge in den Kohlenmagazinen zurückbleibt, in brennbare Gase, sind den Chemikern und Hüttenleuten wohl bekannt. Seine Versuche erstreckten sich auch auf die Verwandlung des Holzes und Torfes, in bloß lufttrockenem Zustande, in brennbare Gase.4)

Die zur Vergasung der Kohlenstübbe von Ebelmen angewendeten Generatoren haben die Gestalt eines kleinen Eisenhohofens und erhalten wie ein solcher, einen Windstrom durch eine oder durch zwei Formen zugeführt, welche am untern Theil des Ofens angebracht sind. Die Gase werden in einem ringförmigen Raum im obern Theil des Ofens gesammelt und mittelst einer Röhre an den Ort geleitet, wo sie benutzt werden sollen; dort werden sie mittelst eines Stroms atmosphärischer Luft, welche man ebenfalls durch ein Gebläse eintreibt, verbrannt. Mit Kohlenlösche und überhaupt mit den Magazinabgängen erzeugte Ebelmen Gase, welche nur sehr wenig Kohlensäure und Wasserstoff enthalten und fast gänzlich aus Kohlenoxyd und Stickstoff zusammengesetzt sind, indem der Sauerstoff des ersteren zu dem zweiten in demselben Verhältniß steht, wie der Sauerstoff zu dem Stickstoff in der atmosphärischen Luft. Es wird also in dem Ebelmen'schen Apparat die Kohlenlösche gänzlich in Kohlenoxyd verwandelt, welches mit dem Stickstoff der angewendeten Luft vermischt bleibt.

Indem Hr. Ebelmen statt des Kohlenkleins lufttrocknes Holz anwendete, erhielt er ein Gas, welches eine beträchtliche Menge Kohlensäure, etwa 7 Volumprocente, enthielt. Die übrigen Bestandtheile waren Kohlenoxyd, |34| Wasserstoff und Stickstoff, welcher letztere ungefähr die Hälfte des ganzen Volums betrug; das Holz unterlag einer wirklichen Destillation im obern Theile des Ofens und die Gase waren mit den Producten dieser Destillation gemischt.

Ein sehr reiner Torf, in demselben Generator behandelt, gab ein Gas, welches noch mehr Kohlensäure als das mit Holz gewonnene enthielt und in der Luft mit einer weißen, dicken, rußigen, einen sehr unangenehmen Geruch verbreitenden Flamme verbrannte. Dennoch ist es gewiß, daß die brennbaren Producte der Destillation des Holzes und Torfes, welche mit den permanenten Gasen aus dem Ebelmen'schen Generator hervorkommen, ohne alle Rauchentwickelung in einem Ofen, wo man sie mit dem erforderlichen Luftvolum vermischt, verbrennen würden.

Als Ebelmen beim Holz die sogenannte umgekehrte Verbrennung anwandte und die Destillationsproducte vermischt mit Gebläseluft (die durch eine Form in den Ofen geführt wurde) durch eine dicke Schicht von Holzkohlen ziehen ließ, erhielt er Gase, welche vollkommen frei von condensirbaren und rauchenden Producten waren. Sein Generator mit umgekehrter Verbrennung ist in Fig. 12 dargestellt. Der Betrieb mit diesem Apparat ist folgender:

Nachdem man das Brennmaterial in den Schacht A brachte, dessen Gichtöffnung doppelten Verschluß hat, so daß während des Aufgebens kein Gas durch dieselbe entweichen kann, wird durch die Form t verdichtete Luft eingeblasen und die Verbrennungsproducte, statt senkrecht, wie gewöhnlich zu entweichen, folgen dem Canal C und durchziehen eine Holzkohlenschicht von 0,70 Meter Dicke, welche sich in dem Raum B befindet, der die Form eines geraden Prismas mit quadratischer Basis hat. Die Destillation des Holzes begann im Schacht A erst in geringer Höhe über der Form, und nachdem die Producte unter den Wind gelangt waren, zogen sie durch das glühende Brennmaterial in den Canal C, B.

Der Wind wurde durch eine Düse von 0,005 Meter Durchmesser und mit einem Druck von 3 bis 4 Cent. Quecksilber eingeführt. Beim Aufgeben des Holzes in den Schacht A unterbrach man den Luftstrom. Vor der Form erfolgte die Verbrennung mit einer rothen Flamme, welche durch die directe Einwirkung der Luft auf die Holzstücke, deren Oberfläche kaum angekohlt, hervorgebracht worden war. Die Asche verschlackte sich nicht und man zog sie alle sechs Stunden durch die Oeffnung d, e heraus.

In dem Maaße als sich die in B enthaltene Kohle senkte, ersetzte man sie und sah dahin, daß sie nicht tiefer als 0,10 Meter unter den Rand der Oeffnung hinabsank.

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Wenn man den Schacht A nur mit Holz speiste, so erhielt man Gase, die aus Kohlensäure, Kohlenoxyd, Wasserstoff und Stickstoff bestanden; das Kohlenoxyd und der Wasserstoff bilden etwa 36 Proc. von dem ganzen Volum. Die an der Oeffnung entweichende Flamme war gelblich, aber frei von Rauch. Das wenige verdichtete Wasser war nicht sauer und gab keine Spuren von Theer.

Hr. Beaufumé hat einige Apparate aufgestellt, um erdige Steinkohlen, Torf und andere Brennmaterialien in Gase zu verwandeln, welche er zur Heizung der Dampfkessel, zum Kalkbrennen und zu einigen andern Zwecken verbrennt. Sein Gasgenerator ist anders construirt, als der Ebelmen'sche. Es ist ein Herd oder Ofen mit gewöhnlichem Rost, von prismatischer Form, tief, gänzlich verschlossen und von allen Seiten (wie die Feuerräume der Locomotiven und der meisten Schiffskessel) von dem zwischen den Blechwänden des Kessels enthaltenen Wasser umgeben. Dieses Brennmaterial wird durch den obern Theil mittelst eines Cylinders mit Deckel und beweglichem Boden aufgegeben, so daß die äußere Luft nicht in den Herd dringen kann. Auf dem Rost liegt stets eine dicke Schicht Brennmaterial. Ein Ventilator, der durch eine kleine Maschine umgetrieben wird, die den Dampf aus dem Kessel erhält, welcher den Herd umgibt und die Wände des Generators bildet, treibt Wind in den Aschenkasten, den man stets verschlossen hält. Ein anderer Theil des von dem Ventilator erzeugten Windes wird mittelst einer besondern Röhre zu denjenigen Punkten geführt, wo man die Gase verbrennen will, welche sich im Generator aus dem Brennmaterial entwickelt haben und die mittelst einer gußeisernen Röhre an dem obern Theil des Generators, über dem Brennmaterial, abgeleitet werden.

Wir können keine vollständige Beschreibung des Beaufumé'schen Apparates geben, auch sind uns die mit demselben erzielten ökonomischen Resultate nicht bekannt. Die Zusammensetzung der von dem Generator entwickelten Gase zu untersuchen, hatten wir auch nicht Gelegenheit. Wir sahen einen dieser Apparate zu Villette, wo die Gase zum Kalkbrennen benutzt wurden, und einen anderen, welcher versuchsweise bei einem Dampfkessel zu Chaillot aufgestellt war; hier bestand das angewendete Brennmaterial in Torf. Die aus dem Generator ausströmenden Gase wurden in Canäle geleitet, welche unter dem Kessel angebracht waren, und dort wurden sie im Augenblick ihrer Vermischung mit dem Ventilatorwinde entzündet. Die Höhe der Essen oder vielmehr der Oeffnungen, aus denen die schließlichen Verbrennungsproducte ausströmten, überstieg kaum diejenige der Kesselkuppel. Es zeigte sich kein Rauch und auch |36| nur sehr wenig Geruch. Ohne Zweifel erleidet der Torf oder die Steinkohle in den Beaufumé'schen Generatoren eine theilweise Destillation; die mit dem Kohlenoxyd und dem Wasserstoff gemischten Producte dieser Destillation verbrennen aber dennoch unter dem Versuchskessel zu Chaillot ganz gut und ohne Rauchentwickelung, wie sich dieß erwarten ließ.

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Seine Abhandlung erschien unter dem Titel: Untersuchungen über die Erzeugung und Verwendung der brennbaren Gase in den Annales des Mines, 4. Reihe. Bd. III S. 207; im Auszug im polytechn. Journal Bd. LXXXVIII S. 280.

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