Titel: Poisat's und Knab's Apparat zur Destillation der Fette.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137, Nr. LVIII. (S. 216–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/ar137058

LVIII. Apparat zur Destillation der Fette, von den HHrn. Poisat und Knab zu Paris.

Aus Armengaud's Génie industriel, Mai 1855, S. 276.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Der Zweck der Erfinder war, die fetten Säuren und Fette aller Art und jeder Abkunft mittelst eines neuen Apparates zu destilliren, welcher mit Intermittirung fortwährend betrieben und durch ein Metallbad erhitzt wird. Sie ließen sich diesen Apparat in Frankreich patentiren.

Bis jetzt hat man zu dieser Destillation in der Industrie nur zwei Arten von Apparaten angewendet. Der eine wird von der nackten Flamme gefeuert und es wird ein Strom Wasserdampf zur Abführung der Destillationsproducte aus dem Innern der Blase angewendet; bei dem andern werden überhitzte Dämpfe zum Erhöhen der Temperatur angewendet, welche direct in die zu destillirende Substanz gelangen.

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Der erstere von diesen Apparaten hat eben so große Nachtheile als Gefahren. Es ist nämlich unmöglich, die Temperatur der Destillation dabei gehörig zu reguliren und dieß ist der wichtigste Punkt; andererseits sind dabei Entzündungen kaum zu vermeiden.

Die Erwärmung mit überhitzten Dämpfen, welche direct in die zu destillirende Substanz gelangen, hat zwar nicht dieselben, aber andere, eben so große Nacktheile. Sie erfordert die Erhitzung des Dampfes in Schlangenröhren, welche sehr leicht zerstört werden; sie veranlaßt daher bedeutende Reparaturkosten und großen Brennmaterialverbrauch. Da ferner der Dampf allein die Destillation veranlaßt, so hat man bedeutende Mengen davon nöthig, die man alsdann mit den Destillationsproducten in sehr großen und kostbaren Refrigeratoren und mit Hülfe vielen kalten Wassers verdichtet.

Der größte Nachtheil aller dieser Apparate besteht aber darin, daß, da die Destillation mit Unterbrechung betrieben wird, die angewendeten Kessel sehr groß seyn müssen, weil sie alles in einer Operation zu destillirende Fett auf einmal aufnehmen müssen. Will man daher täglich 1000 Kilogr. destillirtes Fett gewinnen, so muß der Apparat über zweimal so viel fassen, d.h. er muß einen räumlichen Inhalt von mehr alt 2000 Liter haben. Daraus folgt natürlich, daß die Kosten der ersten Anlage sehr bedeutend sind und daß die täglichen Reparaturkosten damit im Verhältniß stehen.

Ein anderer Nachtheil dieser großen Blasen oder Kessel besteht darin, daß ein bedeutender Theil der für den Proceß erforderlichen Zeit dazu verwendet werden muß, die ungeheure Masse der Substanz bis zum Siedepunkt zu erhitzen, und daß ein Theil der Wärme ganz unnütz verwendet wird um diese Temperatur zu unterhalten.

Die Erfinder haben mit ihrem neuen Apparat alle erwähnten Nachtheile vermeiden wollen, und sie versichern, ihren Zweck auf folgende Weise erreicht zu haben:

1) Indem sie die Destillation mit Hülfe von flüssigem Blei oder einem sonstigen geeigneten Metallbad bewirken, welches die Aufgabe der gleichförmigen, constanten Temperatur mit Vermeidung jeder Gefahr und mit wesentlicher Brennmaterialersparung löst.

2) Indem die Destillation mit intermittirender Continuität in einem cylindrischen Kessel bewirkt wird. Auf diese Weise ist man im Stande, sehr kleine, wenig kostbare Apparate anzuwenden und dennoch eben so viel destillirte Producte zu gewinnen, als mit intermittirenden Apparaten, welche acht- bis zehnmal größer und theurer sind.

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Der Apparat besteht aus zwei Haupttheilen, nämlich: aus einem Kessel A, Fig. 14, welcher die zu destillirenden Substanzen aufnimmt, und aus einem Metallbade B, durch welches der Kessel regelmäßig und gleichförmig erhitzt wird. Das Metall ist in einem offenen gußeisernen oder blechernen Gefäß enthalten, welches in einem gewöhnlichen Herd angebracht ist.

Der Destillirkessel besteht aus Kupferblech, man kann ihn aber von jedem andern Metall anfertigen, welches von den Fetten nicht angegriffen wird. Er ist cylindrisch, da diese Form eine sehr bequeme für den Kesselschmied ist und außerdem Festigkeit und Dauerhaftigkeit gewährt. Die cylindrische Form gestattet überdieß eine gleichförmige Erhitzung der zu destillirenden Substanzen und paßt sehr zu dem continuirlichen intermittirenden Betriebe.

Der Kessel ist mit nachstehenden Apparaten versehen:

Mit einem Trichter h, durch den der Kessel mittelst eines Schwimmers h' gespeist wird, indem derselbe, sobald der Spiegel des Fettes sinkt, ein Ventil öffnet. – Ferner mit einem Helm k, durch welchen die Destillationsproducte abziehen. Beim Austreten aus diesem Helm begeben sich die Dämpfe in einen Condensationsapparat, indem sie durch ein dazwischen liegendes Gefäß E gehen, welches diejenigen Fettstoffe aufnimmt, die aus dem Kessel etwa aufwärts spritzen und das destillirte Fett verunreinigen. Dieses Gefäß ist mit einem Thermometer a und mit Auslaßröhren b versehen.

Außerdem ist der Kessel mit einem Heberrohr G zum Entleeren versehen, welches an demjenigen Ende angebracht ist, das dem Herde entgegenliegt. Längs des Kesselbodens ist eine liegende Röhre d angebracht; dieselbe erhält aus einem gewöhnlichen Generator, mittelst der Röhre I (und durch die Büchse C, welche zur Regulirung des Drucks im Kessel A mit einem Sicherheitsventil D versehen ist) den nöthigen Dampf, um die Destillationsproducte aus dem Cylinder in den Refrigerator zu treiben; dieser Dampf dringt durch Sägenschnitte, die an gewissen Punkten längs der Röhre angebracht sind, in den Cylinder; letzterer Dampf hat nicht den Zweck die Fettsubstanz zu erhitzen, was durch das Metallbad geschieht, sondern nur den, die Destillationsproducte wegzuführen. Sollen mm die Rückstände aus dem Kessel abgelassen werden, so schließt man das Klappenventil F und öffnet den Hahn H, worauf der, durch die Röhren l, d eingedrungene Dampf bald einen Druck in dem Kessel erzeugt, und den Rückstand, welcher keinen andern Ausweg hat, durch die Röhre G zu entweichen zwingt.

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Der Betrieb des Apparats ist folgender:

Zuvörderst bringt man in die, den cylindrischen Kessel umgebende Pfanne eine hinlängliche Menge Metall, um das flüssige Bad zu erhalten; nachdem dasselbe die für den Kessel erforderliche Temperatur erlangt hat, führt man durch den Trichter h die zu destillirende und vorher geschmolzene Fettsubstanz ein. Dieselbe gelangt durch eine Röhre aus einem Kessel, wo man sie stets flüssig erhält, in den Speisetrichter. Ist der Minder etwa zu ein Drittel seiner Räumlichkeit mit Fett angefüllt, so unterbricht man die Speisung. Hat das Metallbad die erforderliche Temperatur erreicht, so führt man Dampf durch die Röhre d ein. Die Destillation beginnt dann alsbald und wenn sie in voller Thätigkeit ist, was man leicht am Ausgange des Refrigerators erkennt, so läßt man durch den Trichter fortwährend einen Strahl flüssiges Fett in den Kessel gelangen.

Da der feste Rückstand, welcher zuletzt in dem Kessel verbleibt und nicht destillirt werden kann, im Durchschnitt nur den zehnten Theil von der fetten Substanz bildet, so kann man die Füllung mit letzterer acht- oder neunmal erneuern, ohne den Rückstand zu entleeren. Hat der Rückstand jedoch ein zu bedeutendes Volum erlangt, so daß er den Destillationsproceß behindert, so hört man mit dem Nachfüllen auf und fährt mit der Destillation so lange fort, bis alle flüchtigen Theile aus den Rückständen entfernt sind. Alsdann öffnet man den Entleerungshahn, worauf der Dampf den Rückstand mit Heftigkeit heraustreibt, ohne daß man die Feuerung unterbricht.

Man beginnt den Betrieb von Neuem, indem man den Entleerungshahn schließt, die anderen Hähne öffnet und wieder zu destillirendes Fett durch die Röhre h in den Kessel gelangen läßt.

Der Apparat wirkt daher ununterbrochen oder selbst besser, weil die Unterbrechung der Kontinuität die letzten flüchtigen Stoffe aus dem Rückstande zu entfernen gestattet.

Die Feuerung des Destillircylinders, welche so schwierig zu reguliren und so gefährlich ist, wenn man ein bloßes Feuer, und so kostbar, wenn man überhitzte Dämpfe anwendet, erfolgt in diesem Apparat mit einer vollkommenen Regelmäßigkeit und mit einer großen Brennmaterialersparung. Das Metallbad theilt überall eine gleichmäßige Wärme mit, und da die Destillation der fetten Säuren gerade bei der Schmelzhitze des Bleies erfolgt, so wenden die Erfinder dieses Metall vorzugsweise als Bad an. Es genügt demnach für eine regelmäßige Destillation, das Bleibad über dem Herde stets geschmolzen und am entgegengesetzten Ende im teigigen Zustande zu erhalten.

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Die intermittirende Continuität dieses Apparates gewährt aber, nach der Versicherung der Erfinder, noch andere wichtige Vortheile, welche in Folgendem bestehen:

1) Brennmaterialersparung;

2) sehr kleine und wenig kostbare Destillirapparate im Verhältnis zu ihren Leistungen;

3) Refrigeratoren von geringem Umfange;

4) seltene und wenig kostbare Reparaturen.

Fig. 15 stellt den Refrigerator, welchen die Erfinder vorzugsweise benutzen, dar: derselbe gestattet eine fractionirte Destillation, was unter gewissen Umständen vortheilhaft seyn kann.

Dieser Apparat besteht aus einem langen Kasten A von Kupferblech, der seiner Länge nach mittelst der Scheide a in verschiedene Abtheilungen getheilt ist, die abwechselnd oben und unten mit einander in Verbindung stehen.

Ein hölzerner, mit Bleiblech bekleideter Kasten B nimmt den Refrigerator A auf und kühlt ihn mittelst eines Stroms kalten Wassers ab.

Die Destillationsproducte gelangen durch die Röhre C in den Kasten A.

Eine am andern Ende des Kastens angebrachte Röhre l) dient zur Entweichung der Gase oder nicht verdichteten Dämpfe.

C ist eine Röhre, welche das zur Abkühlung dienende kalte Wasser herbeiführt; F Ueberfall, durch den das warme Wasser abläuft.

Hähne B dienen dazu, die verdichteten Producte aus den verschiedenen Abtheilungen des kupfernen Behälters A ablaufen zu lassen.

Fig. 16 zeigt die Anwendung eines mechanischen Rührers bei dem Destillirapparat.

Dieser Agitator veranlaßt in den zu destillirenden Substanzen eine ununterbrothene Bewegung, wodurch, indem sich die Oberfläche stets erneuert, die Temperatur regulirt, die Verdampfung gesteigert und das Fett verhindert wird sich durch eine zu lange Berührung mit dem Boden des Destillirkessels zu zersetzen.

Bei Anwendung dieses Umrührens genügt es, in die Atmosphäre des Destillirkessels und über die Substanzen einen schwachen Dampfstrahl einzuführen, um eine vollständige und wohlfeile Destillation der Fette, welche vorher durch die bekannten Mittel vorbereitet worden sind, zu erlangen.

In Fig. 16 sind alle Nebentheile des Apparates, welche schon aus Fig. 15 bekannt sind, weggelassen.

B bezeichnet das gußeiserne oder blecherne Gefäß, welches das Metallbad enthält; A den Kessel oder das Destillirgefäß.

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m ist der mechanische Rührer; er besteht aus einer starken Kupferblechtafel, welche durchlöchert, mit den gehörigen Verstärkungsrippen und mit einer Stange n versehen ist. Ein Wasserverschluß o gestattet dem Rührer sich zu senken oder zu heben, ohne daß die fetten Dämpfe in die Atmosphäre entweichen können.

Eine kleine Verstärkung p dient dazu, den Lauf des Rührers zu beschränken, da, wenn er sich zu hoch hebt, dieselbe gegen einen Aufhalter q stößt.

Der Rührer erhält entweder durch Menschen- oder durch Maschinenkraft eine fortwährende senkrechte Bewegung von 10 bis 15 Centimetern Spielraum.

Zum Fortreißen der Destillationsproducte gelangt ein kleiner Dampfstrom in den Kessel.

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