Titel: Ineichen, über einen Apparat zu Versuchen mit der Flamme des Knallgases.
Autor: Ineichen,
Fundstelle: 1855, Band 137, Nr. LXXVII. (S. 297–299)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/ar137077

LXXVII. Ueber einen einfachen und gefahrlosen Apparat zu Versuchen mit der Flamme des Knallgases; von Prof. Ineichen in Luzern.

Aus Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, 1855, Nr. 6.

Mit einer Abbildung auf Tab. IV.

Wird das aus einer engen Röhre ausströmende Knallgas (ein Gemenge von 2 Vol. Wasserstoff und 1 Vol. Sauerstoff) angezündet, so kann es bekanntlich geschehen, daß die Flamme bei nachlassendem Drucke des Gases in die Röhre zurücktritt und eine gefährliche Explosion und Zerschmetterung |298| des Gasbehälters verursacht. Um dieser Gefahr vorzubeugen, hat man bisher, soviel mir bekannt ist, vorzüglich zwei verschiedene Sicherheitsmittel angewendet. Das erste besteht darin, daß man die Röhre, durch welche das Gasgemenge aus dem Behälter strömen soll, auf eine Länge von 2 bis 3 Zoll mit dicht an einander liegenden Scheibchen von feinem Metallgewebe füllt, so daß das Gas durch dieses vielfache Gewebe herausströmen, die Flamme hingegen nicht durch dasselbe zurücktreten kann. Das andere Mittel besteht darin, daß jedes der beiden Gase aus einem eigenen Behälter und durch eine besondere Röhre ausströmt und beide Röhren sich in einiger Entfernung zu einer einzigen vereinigen, so daß die zwei Gase sich erst nahe an der Ausmündung vermengen können. Nähere Beschreibungen dieser Apparate findet man in Poggend. Annalen Bd. CXVI S. 547 ganze Folge, ferner im Löthrohrbuch von Th. Scheerer 1851 und in Heßler's Lehrbuch der Physik 1854, wo dieser Apparat in seiner Anwendung zum Gasmikroskop beschrieben wird. Diese Apparate können zwar gefahrlos gemacht werden, sind aber ziemlich complicirt und mit nicht geringen Kosten verbunden; auch dürfte bei dem letzteren, wo die beiden Gase in abgesonderten Behältern gehalten werden, die Regulirung der Hähne und des Druckes nicht immer so gelingen, daß die zwei Gase im richtigen Verhältniß gemengt zur Flamme gelangen, was doch nothwendig ist, wenn der Effect das Maximum erreichen soll. Da diese Apparate in den neuesten Werken beschrieben werden, so bin ich dadurch veranlaßt worden, hier die Einrichtung meines Apparates mitzutheilen, welcher mit jeder wünschbaren Sicherheit eine solche Einfachheit verbindet, daß derselbe von jedem Laboranten selbst und ohne Kosten hergestellt werden kann, indem dazu nichts anderes erfordert wird, als was in jedem Laboratorium ohnedieß vorhanden ist.

Das Wesentliche desselben besteht darin, daß bei einem allfallsigen Rücktritt der Flamme dieselbe sich nur einer möglichst kleinen Menge von Knallgas, nie aber dem ganzen Vorrath desselben im Gasbehälter mittheilen kann. Dieser Zweck wird vollkommen erreicht durch die Einrichtung, welche Fig. 5 darstellt. Durch den Kork, welcher in den Hals eines etwas starken Glases eingepaßt ist, werden zwei gebogene Glasöhren gesteckt. Die eine a reicht 6 bis 7 Centimeter unter die Oberfläche des Wassers, womit das Glas bis an den Kork d, g gefüllt ist; das äußere Ende derselben ist vermittelst einer Kautschukröhre mit einer Messingröhre verbunden, welche mit einem Hahne versehen und entweder mit einer Schweinsblase oder einem Gasbehälter (Gasometer) in Verbindung steht. An der Stelle, wo die Röhre b eingesteckt wird, ist der Kork unterhalb bei m etwas ausgeschnitten, so daß zwischen diesem Theil der Korkfläche |299| und der Wasserfläche d, g ein kleiner Raum ist. Die Röhre b ist dann ferner vermittelst einer Kautschukröhre mit einer etwa 4 Decimeter langen und 1 Millimeter weiten Glasröhre verbunden; auf gleiche Weise wird an das Ende derselben eine Löthrohrspitze angesteckt. Wird nun auf das Gasgemenge in der Schweinsblase oder im Gasbehälter ein angemessener Druck ausgeübt, so strömt dasselbe unter das Wasser im Glas und von da durch die Röhre b bis an die Mündung der Löthrohrspitze, wo es angezündet wird. In dieser Flamme können dann die bekannten Versuche über das Siderallicht mit dem Kalkcylinder (Drummond's Beleuchtung), die Schmelzung des Platins, die Verbrennung des Eisens und Stahls u.s.w. vorgenommen werden; auch läßt sich diese Vorrichtung so gut wie jede andere zum Gasmikroskop gebrauchen.

Bei dieser Anordnung des Apparats kann die Flamme niemals in den Gasbehälter, von welchem sie durch die Wassersäule im Glase abgeschnitten ist, zurücktreten, wohl aber zu dem kleinen Gasvolum bei m zwischen dem ausgeschnittenen Kork und der Wasserfläche. Dieses Gasvolum kann aber so klein gemacht werden, daß nie eine Explosion zu besorgen ist. Bei meinen Experimenten über die Knallgasflamme bewirke ich oft durch Nachlassung des Druckes absichtlich das Zurücktreten der Flamme um das gefahrlose Verhalten des Apparates zu zeigen. Beträgt das Gasvolum bei m etwa 27 Kubikcentimeter, so erhält das Glas eine geringe aber gefahrlose Erschütterung; wird das Volum kleiner gemacht, so wird auch die Erschütterung geringer, und ist gar nicht mehr wahrzunehmen, wenn das Volum auf 12 oder 10 Kubikcentimeter reducirt wird. Dieses Volum kann leicht durch Abwägen des Wassers bestimmt werden, welches dieser kleine Raum fassen kann, indem 1 Grm. Wasser 1 Kubikcentimeter einnimmt. Dieser Raum kann zwar beliebig reducirt werden, jedoch ist dafür zu sorgen, daß die Mündung der Röhre bei m und die betreffende Korkfläche wenigstens um 1 (Centimeter von der Wasserfläche d, g abstehe, weil bei einem zu geringen Abstand das aufsteigende Gas leicht Wasser in die Röhre hinaufwirbeln könnte.

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