Titel: Rose, über eine neue und vortheilhafte Darstellung des Aluminiums.
Autor: Rose, Heinrich
Fundstelle: 1855, Band 137, Nr. XCIII. (S. 363–372)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/ar137093

XCIII. Ueber eine neue und vortheilhafte Darstellung des Aluminiums; von Professor Heinrich Rose.

Aus Poggendorff's Annalen der Physik, 1855, Nr. 9.

Nach der Entdeckung des Aluminiums durch Wöhler hat uns in neuerer Zeit Déville die Darstellung desselben in größeren zusammenhängenden Massen gelehrt, in welchen dieses Metall Eigenschaften zeigt, welche wir an dem mehr pulverförmigen Metall, wie man es nach der Wöhler'schen Bereitung erhält, nicht wahrgenommen hatten. Während es nämlich in diesem Zustande bis zum Glühen erhitzt, mit großem Glanze zu weißer Thonerde verbrennt, kann es in zusammengeschmolzenen Kugeln bis zur Rothgluth gebracht werden, ohne sich merklich zu oxydiren. Man kann diese Verschiedenheiten der größeren Vertheilung und der größeren Dichtigkeit zuschreiben; nach Déville indessen enthält das Wöhler'sche Metall noch etwas Platin, wodurch er dessen Schwerschmelzbarkeit erklärt (obgleich es beim Verbrennen eine weiße Thonerde liefert).

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Nach der Bekanntmachung der Untersuchungen von Déville versuchte auch ich das Aluminium aus Chloraluminium-Natrium vermittelst Natriums darzustellen. Ich befolgte nicht genau die Vorschriften von Déville, sondern schichtete das Salz mit Natrium und erhitzte alsdann. Ich erhielt indessen nicht befriedigende Resultate. Aber auch Hr. Rammelsberg, der genau nach der Methode von Déville arbeitete, hatte nur eine sehr unbedeutende Ausbeute; dabei konnte er es selten vermeiden, daß bei Einwirkung der Natriumdämpfe auf das Chloraluminium nicht die Glasröhren sprangen, in welchen die Versuche geschahen. – Es schien mir, daß sehr viel Zeit, Mühe und viele Kosten, so wie eine lange Uebung erforderlich wären, selbst um nur kleine Mengen des merkwürdigen Metalls zu erhalten.

Die Anwendung des Chloraluminiums und seiner Verbindungen mit den alkalischen Chlormetallen ist besonders deßhalb unangenehm, weil sie flüchtig sind, leicht Feuchtigkeit anziehen, und man deßhalb den Zutritt der Luft bei Behandlung derselben mit Natrium vermeiden muß.

Ich dachte daher schon früh daran, statt des Chloraluminiums das Fluoraluminium oder vielmehr dessen Verbindungen mit alkalischen Fluormetallen anzuwenden, welche wir durch Berzelius' Untersuchungen kennen. Derselbe hat auf die große Verwandtschaft aufmerksam gemacht, welche das Fluoraluminium zu Fluorkalium und zu Fluornatrium hat, und daß der in der Natur vorkommende Kryolith eine reine Verbindung von Fluoraluminium mit Fluornatrium sey.

Diese Verbindung eignet sich durch ihre Zusammensetzung ebenso gut zur Darstellung des Aluminiums vermittelst Natriums, wie das Chloraluminium und dessen Verbindung mit Chlornatrium. Da der Kryolith aber nicht flüchtig ist, sich mit Leichtigkeit zum feinsten Pulver bringen läßt, wasserfrei ist und auch keine Feuchtigkeit aus der Luft anzieht, so bietet er außerordentliche Vortheile gegen jene Verbindungen dar.

In der That glückte es mir durch Erhitzung von Kryolithpulver mit Natrium in einem kleinen eisernen Tiegel bis zur starken Rothgluth mit leichterer Mühe Aluminium darzustellen, als vermittelst des Chloraluminiums und seiner Verbindung mit Chlornatrium. Die Seltenheit des Minerals indessen hielt mich ab, die Versuche fortzusetzen.

Ich nahm dieselben erst wieder vor ganz kurzer Zeit auf, als ich durch Hrn. Krantz in Bonn eine beträchtliche Menge des reinsten Kryoliths zu einem sehr wohlfeilen Preise erhielt (ein Kilogramm zu 2 Thaler preuß. Cour.). Besonders aber wurde mein Eifer durch den unerwarteten Umstand belebt, daß ich erfuhr, der Kryolith sey hier in Berlin zu unglaublich billigen Preisen im Handel zu erhalten.

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Schon Hr. Krantz hatte mir mitgetheilt, er habe gehört, daß der Kryolith in Massen im Handel vorkäme; er hätte indessen nicht erfahren können wo? Kurze Zeit darauf übergab mir Hr. Rüdel, der Vorsteher der chemischen Fabrik des Hrn. Kunheim vor dem Halle'schen Thore, eine Probe eines weißen groben Pulvers, von dem unter dem Namen Mineralsoda große Quantitäten zu dem Preise von drei Thalern preuß. Cour. für den Centner aus Grönland über Kopenhagen nach Stettin gesandt worden wären. Es waren davon hiesigen Seifensiedern Proben von 40 Pfund mitgetheilt worden; man hatte in der That vermittelst gebrannten Kalks daraus eine Natronlauge bereitet, die wahrscheinlich gerade wegen ihres Thonerdegehalts sich vortrefflich zur Bereitung von mancher Seife eignete.

Ich erkannte dieses Pulver für Kryolith von derselben Reinheit, wie die Stücke, welche ich durch Hrn. Krantz erhalten hatte. Es löste sich vollkommen (in Platingefäßen) ohne Rückstand in Chlorwasserstoffsäure auf; die Lösung mit Schwefelsäure zur Trockniß abgedampft, gab einen Rückstand, der bis zur Verjagung der freien Schwefelsäure erhitzt, sich mit Hülfe von etwas Chlorwasserstoffsäure vollständig in Wasser löste. In der Lösung wurde durch Ammoniak ein bedeutender Niederschlag von Thonerde erhalten. Die davon filtrirte Lösung gab nach dem Verdampfen und Erhitzen einen Rückstand von schwefelsaurem Natron, das kein Kali enthielt. – Dabei zeigte das Pulver die bekannten Reactionen des Fluors in einem sehr hohen Grade.

Es ist also dieses Pulver Kryolith von großer Reinheit. Das grobe Pulver, das ich zuerst erhielt, war indessen nicht die ursprüngliche Form, in welcher es in den Handel gebracht wurde. Jetzt erhält man hier in Berlin den Kryolith in großen Massen. Zur Bereitung des Aluminiums muß er indessen zu einem sehr feinen Pulver gebracht werden.

Ich habe mich bis jetzt zu den Versuchen zur Darstellung des Metalls, welche alle ich in Gemeinschaft mit Hrn. Weber, und mit dessen thätiger Mithülfe anstellte, vorzüglich kleiner eiserner Tiegel bedient, von 1 3/4 Zoll Höhe und 1 3/8 Zoll im obern Durchmesser, welche ich auf einer hiesigen Eisengießerei gießen ließ. In diesen schichtete ich das feine Pulver des Kryoliths mit dünnen Schichten von Natrium, stampfte das Ganze fest und bedeckte es mit einer guten Decke von Chlorkalium und den Tiegel mit einem gut passenden Porzellandeckel. Von allen Flußmitteln habe ich das Chlorkalium als das vortheilhafteste gefunden; es hat von allen, die angewendet werden können, das leichteste specifische Gewicht, was bei der so geringen Dichtigkeit des Aluminiums von Wichtigkeit ist. Dabei schmilzt es mit dem Fluornatrium zu einer leichter schmelzbaren Masse |366| zusammen, als dieses für sich. Ich wandte gewöhnlich ebenso viel Chlorkalium als Kryolith an, und nahm gegen 5 Theile des letzteren 2 Theile Natrium. Für den Tiegel paßten am besten 10 Gramme Kryolithpulver.

Das Ganze wurde darauf einer starken Rothgluth vor einem Gebläse ausgesetzt, bei welchem atmosphärische Luft mit Leuchtgas durch Röhren getrieben wird, die nach dem Princip der Daniell'schen Röhre beim Knallgasgebläse construirt sind. Am zweckmäßigsten scheint es zu seyn, die Rothgluth eine halbe Stunde und nicht länger zu unterhalten, während dabei der Tiegel sorgfältig bedeckt bleibt. Das Ganze ist dann gut geflossen. Nach dem gänzlichen Erkalten bringt man so gut es geht, vermittelst eines Meißels, das Geschmolzene aus dem Tiegel, was besonders durch Hammerschläge auf der Außenseite sehr befördert wird. Der Tiegel kann noch mehrere Male zu neuen Schmelzungen benutzt werden. Endlich zerbricht er durch die Schläge, denen er ausgesetzt gewesen.

Die geschmolzene Masse wird mit Wasser übergossen, wobei gewöhnlich gar keine, bisweilen eine geringe kaum merkliche Gasentwickelung stattfindet. Die kleine Menge des entweichenden Wasserstoffgases hat denselben unangenehmen Geruch wie das Gas, welches bei der Auflösung des Gußeisens in Chlorwasserstoffsäure sich bildet. Der Kohlegehalt rührt nur von der höchst geringen Menge des Steinöls her, welches dem Natrium auch nach dem Abtrocknen noch anhängt.

Durch die Schwerlöslichkeit des Fluornatriums erweicht sich die geschmolzene Masse nur langsam. Durch den Zusatz von Chlorkalium hat sich die Schwerlöslichkeit etwas gemindert. Nach zwölf Stunden sind die Klumpen so erweicht, daß man nach Abgießen der Flüssigkeit sie mit einem Pistille in einem Porzellanmörser zerdrücken kann. Man findet dann größere Kugeln von Aluminium von 0,3 bis 0,4 Grm. Gewicht, welche man absondert; in neuester Zeit habe ich deren auch von 0,5 Grm. erhalten. Die kleineren Kugeln können von der zugleich immer gebildeten Thonerde und dem unzersetzten Kryolith nicht gut durch Schlämmen getrennt werden, weil diese schwerer als jene sind. Man behandelt das Ganze in der Kälte mit verdünnter Salpetersäure, wodurch zwar die geglühte Thonerde nicht gelöst wird, aber die Kugeln des Aluminiums dadurch erst ihren metallischen Glanz erhalten. Man trocknet sie, und nach dem Trocknen trennt man die seine Thonerde und das unzersetzt gebliebene Kryolithpulver durch Reiben auf seidenem Musselin von den kleinen Metallkugeln, welche auf dem Zeuge zurückbleiben.

Das Uebergießen der geschmolzenen Masse mit Wasser geschieht in Platin- oder Silberschalen. Man hüte sich dazu Porzellanschalen anzuwenden, |367| weil deren Glasur durch die Lösung des Fluornatriums sehr angegriffen wird. – Die durchs Stehen in einer großen Silberschale geklärten Lösungen kann man in Platinschalen abdampfen, um das Fluornatrium zu gewinnen, das freilich mit vielem Chlorkalium gemengt ist.

Die kleinen Kugeln des Aluminiums können in einem kleinen bedeckten Porzellantiegel unter einer Decke von Chlorkalium vor dem Gebläse zusammengeschmolzen werden. Sie ohne ein Schmelzmittel zu vereinigen, gelingt nicht. Man kann die kleinen Kugeln nicht wie kleine Silberkugeln zusammenschmelzen, denn wenn auch das Aluminium scheinbar durchs Glühen beim Zutritt der Luft sich nicht oxydirt, so überzieht es sich doch dadurch mit einer fast nicht sichtbaren Oxydhaut, welche das Zusammenschmelzen verhindert.

Das Zusammenschmelzen unter einer Decke von Chlorkalium ist immer mit einem Verluste von Aluminium verbunden. Eine Kugel von Aluminium von 3,85 Grm. verlor durch das Schmelzen unter Chlorkalium 0,05 Grm. Das Chlorkalium enthielt nach der Lösung in Wasser keine Thonerde, wovon aber eine geringe Menge ungelöst sich absonderte. Ein anderer Theil des Aluminiums hatte unstreitig das Chlorkalium zersetzt; es mußte sich Chloraluminium und Kalium durchs Schmelzen verflüchtigt haben. Andere Metalle verhalten sich ähnlich wie Kupfer und selbst Silber.78)

Ich befolgte daher die Vorschrift von Déville und schmelzte die Kügelchen des Aluminiums in einem bedeckten Porzellantiegel unter einer Decke von Chloraluminium Natrium. Das Salz wurde zuerst geschmolzen und dann die Kugeln des Aluminiums in das schmelzende Salz gebracht. Man hat dabei keinen oder einen nur höchst geringen Verlust von wenigen Milligrammen an Metall.

Wird das Aluminium unter einer Decke von Chlorkalium geschmolzen, so ist seine Oberfläche nicht vollkommen glatt, sondern hat kleine Vertiefungen, was nicht der Fall ist, wenn es unter Chloraluminium-Natrium geschmolzen worden ist.

Die Quantitäten des Chloraluminium-Natriums, welche man zu diesem Zwecke gebraucht, bereitet man am leichtesten, wenn man das Gemenge von Thonerde und von Kohle in eine Glasröhre von möglichst breitem Durchmesser bringt und in diese eine an beiden Seiten offene Glasröhre von geringerem Durchmesser schiebt, in welcher gepulvertes Kochsalz enthalten ist. Erhitzt man die Stelle, wo das Gemenge von |368| Thonerde und Kohle liegt, sehr stark, und die wo das Chlornatrium sich befindet, schwacher, während man Chlorgas durch die Röhre leitet, so werden die Dämpfe des Chloraluminiums so begierig von dem Chlornatrium absorbirt, daß gar kein Chloraluminium oder nur eine Spur davon sich an anderen Stellen des Apparats ansetzt. Hat man die kleine Glasröhre mit dem Chlornatrium vorher gewogen, so kann man leicht die Menge des Chloraluminiums bestimmen, die es aufgenommen hat. Dasselbe ist übrigens dann nicht gleichförmig mit dem Chlornatrium verbunden; der Theil desselben, welcher dem Gemenge von Thonerde und Kohle am nächsten liegt, enthält davon am meisten.

Ich habe die Darstellung des Aluminiums mannichfaltig abgeändert, bin aber zu der beschriebenen zurückgekehrt. Es wurde oft das Natrium allein auf den Boden des Tiegels gelegt, darüber das Pulver des Kryoliths, und dann das Chlorkalium. Man konnte dann bemerken, daß viel Natriumdämpfe entwichen, und mit starker gelber Flamme brannten, was nicht der Fall war, wenn das Natrium in dünne Scheiben geschnitten, und mit dem Kryolithpulver geschichtet ist, in welchem Falle der Proceß sehr ruhig von statten geht. Im Anfange, wenn der Tiegel zu glühen beginnt, wird er plötzlich stark glühend, wenn die Zersetzung der Verbindung erfolgt. Man muß dann nicht die Hitze schwächen, sondern mit derselben fortfahren, aber doch nicht länger als eine halbe Stunde. Bei längerem Glühen würde man durch die Einwirkung des Chlorkaliums auf das Aluminium einen Verlust erleiden. Auch werden durch sehr langes Glühen, das bisweilen zwei Stunden fortgesetzt wurde, die Kugeln des Aluminiums nicht größer; diesen Erfolg hat man nur, wenn eine möglichst starke Hitze gegeben worden ist. Hört man aber nach dem starken Erglühen des Tiegels, also nach 5 oder 10 Minuten, mit dem ferneren Erhitzen auf, so ist die Ausbeute an Aluminium außerordentlich gering, weil das Metall dann sich noch nicht zu Kugeln vereinigt hat, pulverförmig ist, und beim Erkalten des Tiegels verbrennt.

Man bekommt keine größere Ausbeute, wenn man das Kryolithpulver mit einem Theile des gepulverten Chlorkaliums erst mengt und dann mit dem zerschnittenen Natrium schichtet.

Ich habe auch bisweilen den mit Natrium geschichteten Kryolith mit einer Lage von Chloraluminium-Natrium bedeckt, und das Ganze wie gewöhnlich geglüht. Ich habe aber dadurch keine größere Ausbeute erhalten.

Sehr häufig habe ich statt des Chlorkaliums, bei Mangel desselben, Chlornatrium (gewöhnliches decrepitirtes Kochsalz) angewandt, ohne einen |371| beträchtlich verschiedenen Erfolg zu bemerken. Nur muß dann die Hitze stärker als bei Anwendung von Chlorkalium seyn.

Man kann auch die Operation in schwerschmelzbaren unglasirten Tiegeln von Steingut vornehmen, von derselben Größe wie die beschriebenen Tiegel von Gußeisen. Sie widerstehen nur schwerer der Einwirkung des Fluornatriums bei sehr hoher Temperatur und schmelzen an einer oder mehreren Stellen. – Auch die eisernen Tiegel schmelzen, wenn sie z.B. mit der Mengung zur Bereitung des Aluminiums angefüllt einem sehr heftigen Kohlenfeuer ausgesetzt werden.

Die Ausbeute an Aluminium ist, wenn auch genau auf dieselbe Weise und mit denselben Mengen der Materialien gearbeitet wurde, bis jetzt sehr verschieden gewesen. Niemals erreichte sie die Menge des Metalls, welche in dem angewandten Kryolith enthalten war. Derselbe enthält nur 13 Procent Aluminium. Bei Anwendung von 10 Grm. Kryolith, eine Menge, die zu jedem Versuche in den kleinen eisernen Tiegeln angewandt wurde, war die günstigste Ausbeute 0,8 Grm. Aluminium. Wenn aber auch nur 0,6 bis 0,4 Grm. davon erhalten wurden statt 1,3 Grm., welche der Berechnung nach in dem angewandten Kryolith enthalten waren, so konnte auch dieses Resultat noch ein vortheilhaftes genannt werden. Oft wurden nur 0,3 Grm. und weniger erhalten.

Diese so sehr verschiedenen Resultate hängen von verschiedenen Umständen ab, vorzüglich indessen von dem Grade der Erhitzung. Je stärker dieselbe ist, desto mehr vereinigen sich die kleinen Kügelchen zu größeren, und desto weniger bleibt Aluminium im pulverförmigem Zustand, welches beim nachherigen Erkalten zu Thonerde sich oxydiren kann. Es ist mir einige Mal gelungen, durch Schmelzen bei sehr starker Hitze in einem Steinguttiegel fast die ganze Menge des erhaltenen Aluminiums zu einer einzigen Kugel von 0,5 Grm. zu vereinigen.

Die Hitze, welche ich vermittelst des Gebläses zu geben im Stande bin, ist nicht zu allen Tageszeiten gleich, da sie auch von dem verschiedenen Drucke abhängt, unter dem das Leuchtgas in den städtischen Gasbehältern steht. Daß aber ein großer Verlust des Aluminiums durch ein möglichst langsames Erkalten beim Zutritt der Luft herbeigeführt wird, wodurch der fein zertheilte Theil des reducirten Aluminiums sich oxydiren kann, wird durch folgenden Versuch bewiesen.

Es wurden in einem größeren eisernen Tiegel 35 Grm. Kryolithpulver mit 14 Grm. in Scheiben geschichtetem Natrium gemengt, und das Ganze mit einer dicken Decke von Chlorkalium belegt. Der Tiegel, |370| mit einem Porzellandeckel bedeckt, wurde, in einen größeren bedeckten Thontiegel gestellt, in einem gut ziehenden Windofen einem guten Kohlenfeuer während einer Stunde ausgesetzt und möglichst langsam erkaltet. Die Ausbeute an Aluminium war in diesem Falle eine auffallend geringe, denn es konnten aus der geschmolzenen Masse nur 0,135 Grm. davon in Kugeln abgeschieden werden.

Die verschiedene Ausbeute rührt aber auch davon her, daß namentlich bei der verschiedenen Schichtung des Natriums mit dem Kryolithpulver oft viel von demselben der Zersetzung entgeht. Je mehr man Natrium anwendet, um so weniger ist das der Fall; aber wegen des großen Unterschieds im Preise habe ich nie mehr als 4 Grm. Natrium auf 10 Grm. Kryolith genommen.

Um den Verlust zu vermeiden, der durch die Oxydation des pulverförmigen Aluminiums beim Erkalten entsteht, versuchte ich auch andere Methoden der Darstellung. Es wurde Kryolith (20 Grm.) in einem Flintenlauf in einem Wasserstoffgasstrome heftig geglüht, und dann die Dämpfe von (8 Grm.) Natrium darüber geleitet. Es wurde dieß einfach dadurch bewirkt, daß das Natrium auf einem Schiff von Eisenblech in den Theil des Flintenlaufs gelegt wurde, der außerhalb des Ofens stand, und dieser erst in das Feuer geschoben wurde, als das Kryolithpulver ins heftigste Glühen gekommen war. Die Operation ging sehr gut von statten. Das Ganze ließ ich im Wasserstoffstrome erkalten. Nach der Behandlung im Wasser, in welchem das Fluornatrium sich sehr schwer löste, erhielt ich viel von einem schwarzen Pulver, das meistentheils aus Eisen bestand, und in seiner Lösung in Chlorwasserstoffsäure nur wenig Thonerde zeigte.

Die geringen Ausbeuten, welche ich in den meisten Fällen erhielt, müssen aber von ferneren Untersuchungen nicht abschrecken. Es sind dieß die Resultate der ersten Versuche, mit denen ich erst seit verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit beschäftigt bin. Jetzt da der Kryolith zu einem so überaus niedrigen Preis zu erhalten ist, und das Natrium, um dessen leichtere Darstellung sich Déville ein wesentliches Verdienst erworben hat, in Zukunft auch wohlfeiler wird dargestellt werden, kann sich jedermann mit der Darstellung des Aluminiums beschäftigen, und man wird gewiß in kurzer Zeit Methoden finden, eine vortheilhafte Ausbeute zu erzielen.

Uebrigens bin ich der Meinung, daß der Kryolith unter allen Aluminiumverbindungen am vortheilhaftesten zur Darstellung des Aluminiums wird angewandt werden können. Er besitzt so viele Vorzüge vor dem Chloraluminium und dem Chloraluminium-Natrium, daß man ihn selbst |369| dann noch mit dem größten Vortheil wird anwenden können, wenn auch sein Preis sich bedeutend steigern sollte.

Man hat mit Sicherheit das Aluminium noch nicht direct aus der Thonerde darstellen können. Kalium und Natrium scheinen nur dann die Reduction der metallischen Oxyde bewirken zu können, wenn das sich erzeugende Kali und Natron mit einem Theile des nicht reducirten Oxyds sich verbinden kann. Reines Kali und Natron, deren Eigenschaften wir so gut wie gar nicht kennen, scheint sich hierbei nicht zu bilden. Da mm Thonerde mit den Alkalien sich leicht zu einem Aluminate vereinigen kann, so sollte man denken, daß die Reduction der Thonerde durch die alkalischen Metalle gelingen könne.

Aber wenn es auch möglich werden sollte, das Aluminium aus der Thonerde direct darzustellen, so wird man vielleicht noch lange zur Darstellung dieses Metalls der Thonerde den Kryolith, wenn dieser nicht zu sehr im Preise steigen sollte, benutzen. Denn die Natur liefert denselben in einem Zustande seltener Reinheit. In ihm ist das Aluminium nur mit Natrium und Fluor verbunden, zwei Substanzen, welche bei der Darstellung des Metalls nicht schädlich einwirken können. Im reinen Zustande findet man aber die Thonerde nur selten, und in einem Zustande großer Dichtigkeit, um aus ihren Verbindungen die Thonerde im Großen darzustellen, und sie von Bestandtheilen zu reinigen, welche bei der Bereitung des Aluminiums schädlich einwirken können, würde mit großen Schwierigkeiten verbunden seyn.

Die von mir dargestellten Kugeln des Aluminiums sind meistentheils so dehnbar, daß man sie stark ausplatten, und zu dem feinsten Blech auswalzen, kann, ohne daß sie Risse an den Seiten zeigen. Sie haben dabei einen starken metallischen Glanz. Einige wenige Massen hingegen, die auf dem Boden des Tiegels sich fanden, bisweilen auch auf demselben fest sitzen, und keine Kugelform haben, bekommen beim Ausplatten Risse und spalten sich beim Auswalzen, unterscheiden sich auch in etwas in der Farbe und im Glanze. Sie sind offenbar nicht so rein, wie die große Mehrzahl der Kugeln, und wohl noch etwas eisenhaltig.

Als eine größere Kugel von Aluminium von 3,8 Grm. Gewicht durchgesägt wurde, konnte man deutlich bemerken, daß das Metall ungefähr eine halbe Linie von der Außenseite aus spröde war; im Innern aber war es dann weich und geschmeidig. Im Innern der Kugeln finden sich bisweilen Höhlungen.

Wie auch schon Déville angibt, so habe auch ich das Aluminium oft krystallinisch erhalten. Eine größere Kugel war auf der Unterseite |372| beim Erkalten ganz strahlig krystallinisch geworden. Déville glaubt reguläre Octaëder erhalten zu haben, will dieß aber nicht bestimmt behaupten. Nach den Untersuchungen meines Bruders scheint indessen das krystallinische Gefüge nicht dem regulären Systeme anzugehören.

Als ich eine durch zufällige Umstände etwas verunreinigte größere Kugel von Aluminium nach dem Ausplatten ohne Flußmittel schmelzen wollte, die Hitze indessen noch nicht bis zum Schmelzen gebracht hatte, quollen kleine Kügelchen an der Oberfläche heraus. Das unreine Aluminium ist schwerer schmelzbar als das reine, das mit demselben gemengt ist, beim Schmelzen sich ausdehnt und aus der nicht geschmolzenen Masse heraustritt; eine ähnliche Erscheinung, wie sie Hr. Schneider beim unreinen Wißmuth bemerkt hat.

Ich habe oben angeführt, daß man hier in Berlin den Kryolith unter dem Namen Mineralsoda zur Bereitung von ätzender Natronlauge benutzt hat, die gerade wegen ihres Thonerdegehalts zur Seifenbereitung sich vortrefflich zu eignen scheint. In der That wird der Kryolith vollständig zersetzt, wenn man ihn im gepulverten Zustande mit Aetzkalk und Wasser kocht. Das erzeugte Fluorcalcium enthält keine Thonerde, die vollständig im Natronhydrat aufgelöst ist, das andererseits frei von Fluor ist oder außerordentlich geringe Spuren davon enthält.

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Poggendorff's Annalen Bd. LXVIII S. 287.

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