Titel: Apparat der HHrn. Beaumont und Mayer, um durch bloße Reibung eine beträchtliche Menge Dampf zu entwickeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 1 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi01_1

Apparat der HHrn. Beaumont und Mayer, um durch bloße Reibung eine beträchtliche Menge Dampf zu entwickeln.

Dieser Apparat, welcher gegenwärtig zu Paris im Betriebe ist, besteht aus einem cylindrischen Kessel von 2 Meter Länge und 50 Centim. Durchmesser, durch dessen ganze Länge eine conische Röhre läuft, die sich in seiner Mitte befindet. Das Wasser, welches in Dampf verwandelt werden soll, füllt den leeren Raum zwischen den innern Wänden des Kessels und der äußern Fläche der conischen Röhre. In das Innere dieser Röhre bringt man einen Kegel von Holz, der auf seiner ganzen Oberfläche mit einer Flechte von Hanf oder Flachs bedeckt ist, die schraubenförmig aufgewunden wird. Der Holzkegel durch welchen eine eiserne Achse geht, füllt vollständig den innern Raum der Röhre an, so daß er daran drückt und sich beständig an deren Wänden reibt. Man ertheilt ihm mittelst der einem Wassergefälle des Canals Saint Martin entnommenen bewegenden Kraft eine Geschwindigkeit von etwa 400 Umdrehungen in der Minute. Die durch die schnelle Umdrehung und ununterbrochene Reibung entwickelte Wärme ist so bedeutend, daß sie vollkommen hinreicht das Wasser im Kessel in Dampf zu verwandeln; ein Thermometer, in das Wasser getaucht, zeigt nach einiger Zeit eine Temperatur von 130° C.; der Kessel ist übrigens mit den gewöhnlichen Beigaben, als Sicherheitsventil, Schwimmer, Manometer etc. versehen. Der Dampf erreicht eine Spannkraft von 2 1/2 Atmosphären. Ein beständig wirkender Schmierapparat führt unaufhörlich der Hülle des Holzkegels das zur Unterhaltung der Bewegung nöthige Oel zu; dieses Oel aber verbrennt nicht und ist daher fortwährend verwendbar; wenn es aus dem innern Kegel herauskommt, schmiert es überdieß die Zapfen und Achsen.

Die HHrn. Beaumont und Mayer versichern, daß ihr Apparat, welcher 400 Liter Wasser faßt, und zu seiner Bewegung zwei Pferdekräfte erfordert, soviel Dampf entwickelt, als für eine Pferdekraft hinreicht. Scheinbar ist dieses wenig, |74| aber sehr viel ist es in Wirklichkeit, und noch nie ist durch bloße Reibung ein solcher Effect erzielt worden.

Sicherlich kann man die Maschine nie anwenden, um eine Kraft oder mechanischen Effect hervorzubringen, da sie selbst zu ihrem Betrieb eine schon vorhandene bewegende Kraft erheischt, von der sie nur einen Theil zu Nutzen bringt; sie hat aber einen andern und offenbar sehr rationellen Zweck, nämlich, sonst verlorene Naturkräfte in nutzbare Wärme zu verwandeln, an Orten Wärme aus der Kraft zu machen, wo diese im Ueberfluß gegeben ist, die Wärme aber fehlt, weil kein Brennmaterial vorhanden ist, aus dem man sie entwickeln könnte. Es gehen Hunderttausende von Pferdekräften als Wassergefäll verloren, weil man sie nicht benützt; Millionen Pferdekräfte könnte man dem Winde abgewinnen, der umsonst auf der Erdoberfläche bläst und welchen man nur an wenig Punkten verwendet. (Cosmos, Revue encyclopédique, Juli 1855, S. 590.)

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