Titel: Neues Baumaterial.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 3 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi01_3

Neues Baumaterial.

Das Material zur Verfertigung der neuen Steine besteht aus einem Gemenge von gelöschtem Kalk und Sand, welches mit Wasser zu einem Brei angerührt, den gewöhnlichen Mörtel bildet, wie ihn die Maurer überall zur Verbindung der Steine und zur Ausfüllung der Fugen zwischen denselben gebrauchen. In Wisconsin hat man ganze Hauswände aus solchem Mörtel, zwischen Bretterformen gegossen, auf dieselbe Weise gemacht wie die Piséwände aus Lehm gebildet werden, da in jenem Lande Kalk und Sand in großer Menge und fast überall vorkommen. Diese gegossenen Wände (concrete der Engländer oder béton der Franzosen) werden sehr fest und dauerhaft, was Hrn. Ambros. Foster, Mechaniker zu Portland, veranlaßte aus diesem Material gepreßte Steine zu machen', er nimmt 11 Theile frisch gegrabenen feuchten Sand und vermengt denselben mit 1 Thl. gelöschtem Kalk in Pulverform; dieses fast trockene Material wird einem sehr starken Druck in Formen unterworfen und kommt als weißer künstlicher Sandstein aus denselben heraus; dieselben werden alsdann der Art in Haufen übereinander gelegt, daß die Luft frei circuliren kann, worauf sie bald eben so hart wie Ziegelsteine werden und wie diese benutzt werden können. Bei ihrer Anfertigung schwinden und verwerfen sie sich nicht und es läßt sich daher sehr leicht und gut mit ihnen mauern. Da nun auf der Erdoberfläche Sand viel häufiger als Ziegelthon vorkommt und die aus letzterm geformten Steine gebrannt werden müssen, so ist es klar, daß die aus dem gepreßten Sand aufgeführten Gebäude weit weniger kosten, als die aus Ziegelsteinen erbauten; auch werden jene nach und nach so hart, daß die Häuser fast unzerstörbar sind. Die innern Oberflächen dieser Wände sind auch weit glätter, als die der gewöhnlichen Ziegelsteinmauern, so daß, wenn bei der Aufführung der Mauern in dieser Beziehung einige Sorgfalt angewendet wird, sie gar keiner Bekleidung oder keines Putzes von Kalk oder Lehm bedürfen. Die große Festigkeit und Härte dieser geformten Steine. wenn sie einige Tage an der Luft gelegen haben, macht es thunlich, sie hohl zu formen, so daß sie alle Vortheile hohler Steine gewähren, ohne die Sicherheit der mit ihnen ausgeführten Constructionen im geringsten zu gefährden. Reiner Sand verdient den Vorzug, allein eine geringe Beimengung von Thon oder einer andern Erde kann einen Theil des Kalkes ersetzen. Um den Steinen eine beliebige einfache oder marmorirte Farbe zu geben, muß man ein Metalloxyd anwenden. Nachdem das hier beschriebene Baumaterial vielfachen Proben unterworfen wurde, ließ sich der Erfinder dasselbe sowohl in den Vereinigten Staaten als in England patentiren. (Practical Mechanic's Journal, Mai 1855, S. 26.)

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