Titel: Verbesserungen in der Metallgießerei, insbesondere Baumblätter, Muscheln, Insecten und andere kleine Naturgegenstände abzuformen; vom Civilingenieur A. G. Brade.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 4 (S. 75–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi01_4

Verbesserungen in der Metallgießerei, insbesondere Baumblätter, Muscheln, Insecten und andere kleine Naturgegenstände abzuformen; vom Civilingenieur A. G. Brade.

Seit längerer Zeit war es in der Metallgießerei bekannt, daß man, um Abgüsse von kleinen Naturgegenständen zu erhalten, die sich leicht verbrennen lassen, wie |76| z.B. Baumblätter, Muscheln, Insecten u.s.w., diese Gegenstände bloß mit einer feuerfesten Masse zu übergießen, selbige sodann einer starken Hitze auszusetzen hat, und nachdem die Asche aus dem Innern dieser Masse entfernt ist, statt des Gegenstandes eine Form erlangt wird, in welche man nachher das geschmolzene Metall gießen kann, insofern nämlich die Größe und Lage der Oeffnungen und Gießcanäle und die Flüssigkeit des Metalles gestatten in alle Theile der Gießform zu dringen. Man verlor indessen bei dieser Manier jedesmal das Modell, und das Verfahren beschränkte sich daher bloß auf solche kleine Gegenstände, welche die Natur in hinlänglicher Anzahl darbietet und die sich leicht verbrennen lassen; für Gegenstände der Kunst aber war das Verfahren nicht anwendbar.

Ebenso war auch die Manier bekannt, ein Wachsmodell in Sand abzuformen, das Wachs nachher herauszuschmelzen, und in dieser Form von Sand das Metall zu gießen. Auch bei dieser Manier verlor man jedesmal das Modell, und dieß war um so mehr zu bedauern, als dieses Wachsmodell dem Künstler manchmal viel Arbeit gekostet und als Schöpfung seines Genie's einen bedeutenden Werth gehabt hat. Es läßt sich daher wohl begreifen, warum diese beiden Methoden in der Kunstgießerei niemals praktische Anwendung gefunden haben.

Meine Erfindung besteht in der Anwendung einiger Theile dieser beiden Methoden und zwar besonders in dem billigen Erzeugen von Wachsmodellen, so daß jedermann auch ohne Künstler zu seyn und ohne viele Mühe eine beliebige Anzahl solcher Modelle zu erzeugen im Stande ist, und nachher durch Uebergießen dieser Wachsmodelle mit einer hinreichend flüssigen Töpfermasse, die erhärtet und ganz feuerfest ist, zu einer Gießform kommt, welche vollkommen entspricht.

Wenn ich daher einen beliebigen Gegenstand in Metall nachzuahmen wünsche, fange ich an in Wachs, Stearin. Kautschuk, Gutta-percha, oder jeder andern zweckmäßigen Substanz, die sich wie das Wachs leicht modelliren, aneinanderfügen und später aus der Form Herausschmelzen läßt, eine Copie oder Modell des Gegenstandes zu machen. Ueber dieses Wachsmodell (denn am liebsten bediene ich mich des Wachses) gieße ich nun in einem Formkasten eine Töpfercomposition, welche aus gleichen Theilen Gyps und Ziegelmehl besteht und vermittelst einer hinlänglichen Quantität reinen oder mit Alaun gesättigten Wassers zu einer ziemlich flüssigen Masse angemacht worden ist. Diese Masse lasse ich über das Wachsmodell ausgegossen vollkommen hart werden, bohre sodann ein Gießloch ein, stelle das Ganze in einen erhitzten Ofen, lasse das Wachs herausfließen und erhalte sodann im Innern der Töpfercomposition eine Gießform, in welche das geschmolzene Metall gegossen werden kann.

Diese Methode nun würde keinen besondern Vortheil darbieten, wenn sich die Wachsmodelle nicht mit der größten Leichtigkeit bilden ließen. Um z.B. in Wachs oder eine andere zweckmäßige Substanz einen Abguß oder Copie eines Baumblattes zu bilden, bestreiche ich das Blatt mit Oel und nehme vermittelst Gyps einen Abguß der beiden Oberflächen des Blattes. Diese beiden Hälften lege ich sodann auf einander, so daß sie eine ganze Form bilden, in welche ich nun geschmolzenes Wachs gieße und so ein Blatt in Wachs erhalte, welches genau dem natürlichen Blatte gleichkommt. Ich verfahre auf gleiche Weise mit Blättern verschiedener Größe und Form, mit kleinen Stengeln, Aesten, Früchten, Blumen, und aus diesen einzelnen Wachsmodellen, wovon ich immer eine gehörige Masse vorräthig habe und deren verschiedene Wachstheile sich sehr leicht aneinander befestigen lassen, bilde ich mit großer Leichtigkeit und mit sehr geringen Kosten in kürzester Zeit einen ganzen Baum von Wachs, welchen ich überdieß noch beliebig verändern kann.

Zum Erhalten der Formen, in welche ich die verschiedenen Wachstheile gieße, und woraus ich meine Wachsmodelle zusammenstelle, bediene ich mich auch vielfach der Galvanoplastik, und erhalte so Formen von Metall, welche länger dienen können, als die Gypsformen und auch schönere Wachsabgüsse geben.

Ebenso, wie ich hier oben für Blätter, Zweige u.s.w. angegeben habe, verfahre ich mit Figuren jeder Art, als Statuetten, Vasen u.s.w., deren einzelne Theile eben so modellirt und in Formen gebracht werden, wie vorher angegeben worden ist.

Es begreift sich, daß auf diese Manier die Gegenstände eben sowohl hohl als massiv erzeugt werden können, indem man dazu bloß ein hohles oder ein massives Wachsmodell anzuwenden hat.

|77|

Meine Methode eignet sich, nach Umständen mit geringen Abänderungen, eben so gut zum Gießen von Kunstgegenständen als zu denen der groben Gießerei, wie z.B. der Glocken, Kanonen, Statuen, und verschiedener Maschinentheile. (Bayer. Kunst und Gewerbeblatt, December 1854, S. 668.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: