Titel: Verfahren zur Gewinnung des Jods aus der Mutterlauge des Natronsalpeters; von Louis Fauré.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 7 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi01_7
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Verfahren zur Gewinnung des Jods aus der Mutterlauge des Natronsalpeters; von Louis Fauré.

Um aus der Mutterlauge des natürlichen Natronsalpeters das Jod zu gewinnen – welches darin als Jodsäure mit Natron, Kalk etc. verbunden ist – wendet Fauré schweflige Säure und Chlor an; sein Verfahren ist folgendes:

Man nimmt etwa 1 (engl.) Quart (= 40 Unzenmaaße) solcher Mutterlauge von 36° bis 37° Baumé und gießt aus einer Bürette flüssige schweflige Säure in kleinen Quantitäten darauf, indem man die Flüssigkeit beständig schüttelt bis das ausgeschiedene Jod sich leicht von der Flüssigkeit trennt. Wenn die schwach gefärbte Flüssigkeit filtrirt wird, so verliert sie augenblicklich ihre Farbe und auf Zusatz eines Tropfens schwefliger Säure wird kein Jod mehr gefällt. Diese Probe sollte mit etwa 10 Quart wiederholt werden, und wenn die beiden erhaltenen Resultate übereinstimmen, kann man zuversichtlich 500 bis 1000 Quarts Mutterlauge in Behandlung nehmen; man braucht nämlich dieselbe nur mit dem ermittelten entsprechenden Verhältniß von schwefliger Säure zu vermischen, in einem Behälter, welcher etwa 3 Kubikfuß Flüssigkeit faßt.

Man wendet am besten einen cylindrischen Behälter an, welcher aus nicht porösen Ziegelsteinen aufgemauert, gut verkittet und dann innerhalb mit hydraulischem Cement verkleidet wurde. Am obern Theil sollte dieser Behälter bedeutend enger seyn als am unteren; man muß ihn mittelst eines hölzernen Deckels, welcher auf der Innenseite mit Glastafeln bekleidet ist, luftdicht verschließen können. Die Flüssigkeit muß in diesem Behälter mittelst eines Rührapparats in rasche Bewegung gesetzt werden können, wenn der Zusatz von schwefliger Säure gemacht wird; die Schaufeln der Rührvorrichtung sind geneigt und bestehen aus Sandstein.

Nachdem die Gasblasen, welche einen Theil des gefällten Jods auf der Oberfläche der Flüssigkeit erhalten, verjagt sind, läßt man die Flüssigkeit in Ruhe und zieht dann den klaren Theil mittelst eines Hebers von Sandstein ab. Die Flüssigkeit wird hernach abgedampft, um das salpetersaure und schwefelsaure Natron, sowie das Chlorkalium und Chlornatrium zu gewinnen.

Das gefällte Jod gibt man in einen Trichter von Sandstein, auf dessen Boden aus mehreren Schichten Quarzpulver ein Filter gebildet wurde; das Korn dieses Pulvers muß von unten nach oben an Größe abnehmen. Nachdem das Jod hinreichend abgetropft ist, nimmt man es heraus, ohne die untere Jodschicht aufzurühren, und bringt es in einen länglich-viereckigen, aus Gyps verfertigten Behälter, der mittelst eines Deckels von Gyps verschlossen wird, welcher in zwei parallele Nuthen dichtpassend eingeschoben werden kann. Dieser Deckel muß dick genug seyn, daß das Wasser, wie in die Seiten, auch in ihn eindringen kann. Nachdem das Jod so hinreichend ausgetrocknet ist, krystallisirt man es durch Sublimation.

Mutterlaugen welche das Jod theilweise als Jodid und theilweise als jodsaures Salz enthalten, behandelt man auf folgende Weise. Wenn die Mutterlauge wenig Jodid und viel jodsaures Salz enthält, so wird zuerst das im Jodid enthaltene Jod mittelst Chlor ausgefällt; nach beendigter Reaction wird sogleich eine hinreichende Menge flüssiger schwefliger Säure zugesetzt, um die jodsauren Salze zu zersetzen. Enthält hingegen die Mutterlauge viel Jodid und wenig jodsaures Salz, so wird zuerst eine Auflösung von schwefliger Säure angewandt und hernach eine wässerige Lösung von vorher titrirtem Chlor. Auf diese Weise kann man mehrere Kubikfuß Mutterlauge auf einmal mit Genauigkeit und Leichtigkeit behandeln.

Obige Verfahrungsarten sind ökonomisch und rasch ausführbar, und man gewinnt dabei den in der Mutterlauge enthaltenen Kali- und Natronsalpeter, welcher bei dem gewöhnlichen Verfahren mit Anwendung von Schwefelsäure zersetzt wird. – Patentirt in England am 14 Febr. 1854. (Chemical Gazette, 1855, Nr. 302.)

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