Titel: Wirkung des Zuckers auf Metalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 8 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi01_8

Wirkung des Zuckers auf Metalle.

Die frühere Mittheilung Gladstone's (polytechn. Journal Bd. CXXXII S. 236) über die Einwirkung des Zuckers auf Eisen ist durch eine spätere vervollständigt. (Quart. Journ. of the Chem. Soc., Oct. 1854, Bd. VII. Nr. 3, S. 195.)

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Die Verbindung von Eisenoxydul mit Zucker ist sehr leicht in Wasser, gar nicht in Alkohol löslich, sie ist mit dunkel rothbrauner Farbe löslich und hat den adstringirenden Geschmack der Eisensalze. Die Lösung wird weder durch kaustische noch durch kohlensaure Alkalien gefällt, wohl aber durch Schwefelammonium, durch Kaliumeisencyanür färbt sie sich blaßblau, durch Kaliumeisencyanid tiefer blau. Mit Salpetersäure entwickelt sie rothe Dämpfe und läßt bei nachherigem Zusatz von Alkali Eisenoxyd fallen. Aus Kupfervitriol reducirt sie Kupferoxydul. Durch Schwefelwasserstoff wird alles Eisen aus ihr gefällt, und es bleibt eine neutrale Lösung übrig, die nichts als Zucker enthält.

Obwohl die Verbindung nicht krystallisirt, so untersuchte der Verf. doch die während 18 Monaten in Berührung mit Eisen zur Trockne verdunstete Zuckerlösung, die geschmacklos war und die obigen Eigenschaften hatte, nur daß sie jetzt an der Luft beständiger war und durch Wasser nicht vollständig zersetzt wurde. Die Analyse ergab 17,2 Proc. Eisenoxydul, was einer Verbindung von C₁₂H₁₁O₁₁ + Fe entspricht, diese verlangt 17,39 Proc. Eisenoxydul.

Es scheint übrigens auch eine Verbindung von Zucker mit Eisenoxyd zu geben, denn das aus der vorigen Lösung sich ausscheidende Eisenoxyd enthält organische Bestandtheile in inniger Verbindung.

Frisch gefälltes Eisenoxydul wird durch Zuckerlösung nicht aufgenommen, und nur ein wenig löst sich, wenn mit Zucker vermischte Eisenvitriollösung durch Kali gefällt wird, dagegen mehr wenn stark alkalische Lösungen von Zucker mit Eisenoxydul in Berührung kommen.

Ueber Quecksilber abgesperrte Zuckerlösung, mit Eisen in Berührung, hatte nach 3 Monaten keine Spur Gas entwickelt und kein Eisen gelöst.

In Zuckerlösungen, die resp. Kochsalz, Salmiak, Salpeter und Bittersalz enthielten, wurde Eisen bald gelöst.

Zink, in Berührung mit Eisen, verhinderte nicht die Auflösung des letzteren, vielmehr wurden beide Metalle angegriffen.

Kupfer, mit Zuckerlösung in Berührung, wurde in Sommerzeiten nach wenigen Wochen ein wenig gelöst, in dem Winter aber noch nicht in 7 Monaten.

Blei wurde in warmer Witterung in drei Tagen, in Kochhitze in wenigen Stunden angegriffen.

Quecksilber und Silber wurden durch Zuckerlösung nicht im geringsten, Zink und Zinn nur sehr unbedeutend angegriffen. (Journal für praktische Chemie, 1855, Nr. 3.)

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