Titel: Ueber ein Mittel, auf chemischem Wege einen luftleeren Raum zu erzeugen; von C. Brunner in Bern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 9 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi01_9

Ueber ein Mittel, auf chemischem Wege einen luftleeren Raum zu erzeugen; von C. Brunner in Bern.

Einen luftleeren Raum auf chemischem Wege zu erzeugen, gelingt nach C. Brunner (Poggendorff's Annalen. 1855, Nr. 4) sehr befriedigend, wenn man in einem geschlossenen Gefäß Kohlensäure oder Ammoniakgas absorbiren läßt. Es kann dazu folgender Apparat gewählt werden:

In ein weites Cylinderglas, dessen Ränder abgeschliffen sind, wird auf den Boden concentrirte Schwefelsäure gegossen und in dieselbe ein auf drei bleiernen Füßen ruhendes Schälchen gestellt, auf welchem ein paar Blätter Löschpapier und darauf mehrere Gramme Aetzkalk liegen. Das Glas wird mittelst eines luftdicht schließenden, eingetalgten Metalldeckels geschlossen, welcher zwei Oeffnungen oder auch nur eine besitzt. Im letztern Fall wird durch die Oeffnung das mit einer Kohlensäureentwicklungsflasche in Verbindung stehende Entwicklungsrohr bis nahe über die Schwefelsäure geführt und ein Strom Kohlensäure bis zur Entfernung aller atmosphärischen Luft eingeleitet, dann an dessen Stelle ein in einem Kork eingepaßtes, schief gebogenes, retortenähnliches, mit Wasser gefülltes Gefäß luftdicht eingepaßt und mittelst Erwärmen das Wasser auf den Aetzkalk getrieben. Sobald der Kalk sich löscht, findet sofort die Absorption der Kohlensäure statt, und wie vollkommen dieses stattfinde, kann man prüfen, wenn man entweder eine gewöhnliche Barometerprobe neben den Kalk gestellt hat, oder wenn man in die zweite Oeffnung des Metalldeckels (falls eine solche da ist) ein 30 Zoll langes Rohr eingepaßt hat, welches in Quecksilber taucht. Der Verf. fand, daß die Luft in einem Cylinderglas von 450 |80| Kubikcentimeter Inhalt, zu dessen Füllung die durch 50–60 Gram. Salzsäure aus Marmor entwickelte Menge Kohlensäure ausreicht, in 5–6 Minuten bis auf 12 Millimeter Barometerstand verdünnt war, wenn 4 Gram. Aetzkalk und 40–50 Gram. Schwefelsäure angewendet waren; nach 2 Stunden hatte die Schwefelsäure auch den Wasserdampf absorbirt, und nun zeigte die Barometerprobe sehr nahe denselben Stand, wie das äußere Barometer.

Statt des Aetzkalks kann nicht mit demselben Erfolg Kali weder in Stücken, noch in concentrirter oder verdünnter Lösung gebraucht werden, und wenn der Aetzkalk nicht gelöscht wird, so absorbirt er fast gar keine Kohlensäure. Will man statt der Kohlensäure Ammoniakgas anwenden, so gelingt das Luftleermachen auch, indem man als Absorptionsmittel Schwefelsäure wählt; aber dann muß auf dem Boden des Cylinderglases das Abzugsrohr für die Luft ausmünden, während man das Ammoniak in einer andern Oeffnung nur eben unter den Deckel eintreten läßt. Auch ist dann alles Messing oder Kupfer zu vermeiden, weil dieses zu schnell angegriffen wird, und das Ammoniak muß frei von Kohlensäure seyn.

Die Kohlensäure wird am besten aus dichtem Kalk (Marmor und dergleichen) entwickelt, und ehe sie in das Cylinderglas eintritt, durch Schwefelsäure gewaschen. (Journal für praktische Chemie, 1855, Nr. 10.)

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