Titel: Thönerne und eiserne Wasserleitungsröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 4 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi02_4

Thönerne und eiserne Wasserleitungsröhren.

Bei Anlagen neuer Wasserleitungen ist häufig die Wahl der Röhren, ob dieselben aus Eisen, Blei oder Thon bestehen sollen, der Anlaß langer Berathungen. Der entscheidende Hauptpunkt dürfte hiebe: wohl die längere oder kürzere Haltbarkeit der Röhren seyn. Metallene Röhren, hauptsächlich die gußeisernen, die durch die unmittelbare Einlegung ins Erdreich und ihre Berührung mit demselben vom Roste verzehrt werden, haben neben diesem wesentlichen Mangel auch den, daß sie sich durch Ansetzen von Oxydhydratknollen verengen und dadurch nach wenigen Jahren dem durchströmenden Wasser merklichen Abbruch thun. Einen sprechenden Beweis hiefür liefert eine in Paris in den ersten 10 Jahren dieses Jahrhunderts mit eisernen Röhren gelegte Wasserleitung, die sich in der Art verengte, daß es zur Preisaufgabe geworden, wie die Oxydhydratknollen entfernt werden können, ohne die Röhren ausheben zu müssen. Es konnte jedoch diese Frage nicht gelöst werden, und mußte man nach kaum 30 jähriger Dienstleistung die bedeutende Leitung entfernen. Hiebei hat sich weiter gezeigt, daß der Rost von außen schon so wesentliche Fortschritte gemacht hatte, daß, wenn auch der innere Zustand eine Ergänzung noch nicht gefordert hätte, schwerlich weitere 20 Jahre verflossen wären, ehe wegen des äußeren Rostes |155| eine solche hätte eintreten müssen. Es darf somit angenommen werden, daß eiserne Leitungen eine Dauer von 60–70 Jahren nicht übersteigen. Bleierne Röhren haben ohnehin ihren Ruf längst verloren, da sich darin, besonders wenn das Wasser nicht ganz rein ist, ein schädlicher weißer Ueberzug (Bleioxyd) bildet, sie werden deßhalb immer weniger angewendet; thönerne dagegen hat man in neuerer Zeit mittelst der hydraulischen Presse durch vieljährige Erprobungen auch außergewöhnlichem Drucke widerstehen gemacht, vorausgesetzt, daß sie aus Fabriken hervorgehen, welchen die absolut erforderlichen kalkfreien Thonarten zur Verfügung stehen. Durch die Glasur, welche den Röhren gegeben wird, ist das Wasser stets in seiner frischen Klarheit und Reinheit ohne Beigeschmack, die Leitung mag so ausgedehnt seyn, als sie will. Bei Ausgrabungen an verschiedenen Orten Württembergs finden sich thönerne Röhren aus den Römerzeiten, und es ist nicht zu läugnen, daß die jetzt fabricirt werdenden Röhren noch weit längerer Dauer fähig sind, als jene, da die Römer die jetzige Fabricationsmethode noch nicht kannten, sondern einfach die Röhren über einem Kerne formten oder auf der Scheibe drehten. Da nun die Kosten der eisernen Röhren um mehr als das Doppelte diejenigen der thönernen übersteigen, so verdienen letztere unbedingt den Vorzug, wenn die Leitung tief genug gelegt werden kann. Die hölzerneu Röhren haben durch die stets fort und fort sich erneuernden Reparatur- und Ergänzungskosten als die kostspieligsten sich erwiesen, abgesehen von dem Nachtheile, dem die Besitzer hölzerner Leitungen durch die häufigen Störungen und Unterbrechungen ausgesetzt sind. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen.)

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