Titel: Ueber das Tränken der Gypsfiguren mit Stearinsäure; von Demselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 7 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi02_7

Ueber das Tränken der Gypsfiguren mit Stearinsäure; von Demselben.

Seit einiger Zeit werden Gegenstände von Gyps. namentlich Statuetten, in den Handel gebracht, welchen durch Tränken mit Stearinsäure ein dem Elfenbein ähnliches Ansehen gegeben ist. Solche Gegenstände Besitzen neben dem schönen Aeußern eine größere Haltbarkeit als gewöhnliche Gypsfiguren, so wie den Vorzug vor diesen, daß sie durch Abwaschen mit Seifenwasser sehr leicht und ohne allen Nachtheil gereinigt werden können. Die zum Tränken auszuwählenden Gegenstände müssen vom besten kölnischen Gyps gefertigt und frei von allen Flecken und ausgebesserten Stellen seyn, da dergleichen nach dem Tränken in der durchscheinend gewordenen Masse weit starker als früher hervortreten. Dasselbe ist bei den Fugen zusammengesetzter Stücke der Fall, wenn diese Fugen vorher durch zu festes Drücken mit Gyps ausgefüllt wurden. Das Tränken selbst geschieht auf die Weist, daß man die vorher völlig ausgetrockneten |156| Gypsfiguren in einem Ofen bis auf 70° R erhißt und dann entweder 3 bis 4 Minuten lang in geschmolzene Stearinsäure (das Material der gewöhnlich so genannten Stearinkerzen) legt oder, falls die Größe der Gegenstände dieses nicht gestattet, mit einem weichen Borstenpinsel die flüssige Stearinsäure wiederholt und so lange aufträgt, bis sie nicht mehr rasch in den Gyps einzieht, vielmehr anfängt an den äußern Kanten desselben zu erstarren. Dabei werden solche Stellen, welche die Stearinsäure am schnellsten einsaugen, häufiger mit dem Pinsel betupft. Nach dem Erkalten gibt man den Gegenständen mittelst einer weichen Bürste den gewünschten schwächeren oder stärkeren Glanz.

Statt der Stearinsäure kann man auch Paraffin anwenden, welches namentlich den Vortheil gewährt, daß die Gegenstände nicht so stark, etwa nur bis 50°, erhißt zu werden brauchen, da das Paraffin einen niedrigeren Schmelzpunkt, als die Stearinsäure, Besitzt. Auch ertheilt das Paraffin dem Gypse in höherem Grade die durchscheinende Beschaffenheit. (A. a. O.)

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