Titel: Ueber die Bereitung der Gelatinefolien und Gelatinebilder; von N. Zach und J. Lipowsky.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 9 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi02_9

Ueber die Bereitung der Gelatinefolien und Gelatinebilder; von N. Zach und J. Lipowsky.

Die bisher aus Paris bezogenen Gelatinefolien und Gelatinebilder bestehen aus einem Leim, wovon das Pfund zu 1 fl. 36 kr. zu stehen kommt. Der Leim, dessen sich die Obengenannten zur Darstellung jener Folien bedienen, kommt per Pfund auf 20 kr. zu stehen. Hierin liegt nun ein Hauptvortheil ihrer Erfindung, indem sie diesen ordinären Leim, wie unten näher bezeichnet werden wird, chemisch so zu präpariren verstehen, daß er eben so klar und rein wird, wie der französische Leim, welches wegen der zu erzielenden Reinheit der Farben unbedingt nothwendig ist, ohne daß hiedurch der Geschmeidigkeit der Folien Eintrag geschieht.

Das erste Bedürfniß zur Gelatinebilder- und Folienfabrication ist, nach der Größe der Gegenstände, wohl geschliffene Spiegelgläser in großer Anzahl zu Besitzen. Dieselben müssen nach jedesmaligem Gebrauche mit geschlämmtem rothem Eisenoxyde geputzt werden; nach dieser Reinigung werden sie mit Talkerde wohl abgerieben. Dieses Abreiben ist unerläßliches Bedingniß, indem dieses Pulver auf der Glastafel solche Glätte, ohne jedoch den Glanz der Tafel zu beeinträchtigen, zurückläßt, daß die später darauf gegossene Gelatine sich leicht wieder ablösen kann.

Nachdem die Gläser auf diese Weise vorbereitet sind, schreitet man zur Anfertigung der Gelatineflüssigkeit. Beiläufig 5 Pfd. von dem Leime werden in ein Gefäß gelegt, mit kaltem Wasser übergössen, und 24 Stunden lang unter öfterem Abgießen |157| des älteren Wassers ausgewässert, dann herausgenommen, ausgedrückt, in einen Kessel gegeben, der in einem Wasserbade steht, frisches Wasser hinzugegossen und unter Umrühren gekocht. Nachdem derselbe sich vollkommen aufgelöst und eine gewisse Dickflüssigkeit, von der Consistenz des Oels, angenommen hat, welches übrigens die Erfahrung und Uebung lernen muß, wird 1/4, Loth im warmen Wasser aufgelöste Oxalsäure hinzugegossen, welche das übrigens noch ganz braune Decoct in ein weißes verwandelt, dann, um die Geschmeidigkeit der Gelatineplatte zu erhalten, 1/4 Quart Weingeist und 1/2 Loth ungefärbter Kandiszucker zugegeben.

Sollen nun gefärbte Platten oder Bilder gefertigt werden, so wird die Masse mit folgenden Pigmenten gefärbt: zu Blau, je nachdem dunkel oder hell, in gewisser Quantität aufgelöster Indigo oder aufgelöstes Berlinerblau; zu Gelb, in Wasser ausgezogener Saffran; zu Grün, das genannte Blau und Gelb; zu Roth, in Salmiakgeist aufgelöster Carmin; zu Violett, das genannte Blau und Carmin.

Nachdem diese verschiedenartigen Farben der Leimauflösung beigegeben sind, wird das Ganze in ein reinliches Gefäß gebracht, welches zum Ausschütten geeignet ist, durch Leinwand filtrirt und zum Gusse geschritten.

Die vorhin erwähnte präparirte etwas angewärmte Platte wird auf ein etwas geneigtes Brett gelegt, worunter ein eben so breites Gefäß, als das Brett breit ist, gestellt wird; auf die Glasplatte selbst werden auf beiden Seiten in Wasser geweichte Lederstreifen gelegt, um einen Rand zu bilden, welcher verhindert, daß die ausgegossene Gelatine seitwärts austritt; und so wird nun die ganze Glasplatte übergössen, das Ueberflüssige in das unter dem Brett stehende Gefäß ablaufen gelassen, die Glastafel zur Hand genommen, durch Hin- und Herbewegen, durch Rütteln die darauf befindliche Gelatineflüssigkeit ebenmäßig vertheilt, und wenn geschehen, die Platte auf einen nach der Wasserwaage gerichteten Tisch gelegt.

Ist diese Platte für eine Gelatinefolie bestimmt, so wird sie, nachdem letztere erstarrt ist, in ein zum Trocknen bestimmtes Zimmer gebracht, wo sie dann liegen bleibt, bis sie vollkommen getrocknet ist. Wenn dieses geschehen, so wird sie an den Rändern aufgeschnitten und von der Platte abgelöst, welches vollkommen gelingt, wenn oben beschriebene Präparation der Glastafel sorgfältig geschehen ist. Soll aber ein Bild gelatinirt werden, so wird die Platte nur bis zur Erstarrung der darauf befindlichen Gelatine liegen gelassen und dann der vorerst befeuchtete bildliche Gegenstand auf die erstarrte Gelatine gelegt und mit der flachen Hand sanft angedrückt, um alle Luftblasen zu beseitigen und sodann getrocknet, und wie schon vorher beschrieben, aufgeschnitten und abgelöst.

Um das nachtheilige Rollen solcher Bilder, welches selbst bei den französischen vorkommt und als ein großer Uebelstand betrachtet werden muß, zu beseitigen, werden, ehe noch die Bilder abgeschnitten werden, dieselben mit in starkem Leimwasser abgekochtem Stärkekleister auf der Rückseite angestrichen und getrocknet, wodurch eine Gegenspannung hervorgerufen wird, welche das unangenehme Rollen dieser Gegenstände verhindert. (Kunst- und Gewerbeblatt des polytechn. Vereins für das Königr. Bayern, 1855, S. 329.)

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