Titel: Ueber Bleiweiß, schwefelsaures Bleioxyd, Zinkweiß und Schwerspath in ihrer Verwendung zu weißen Anstrichfarben; von F. Fink in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 4 (S. 236–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi03_4

Ueber Bleiweiß, schwefelsaures Bleioxyd, Zinkweiß und Schwerspath in ihrer Verwendung zu weißen Anstrichfarben; von F. Fink in Darmstadt.

Hr. Karl Deninger senior, Vorstand des Localgewerbvereins in Mainz, stellte im vorigen Jahre eine Reihe von Versuchen über die Verwendung von Zinkweiß und Bleiweiß, die zu ihrer Verarbeitung nöthige Menge von Oelfirniß, sowie über den relativen Werth der im Handel vorkommenden, meist mit Schwerspath vermengten Bleiweißsorten an, und theilte die Resultate dem Darmstädter Gewerbevereine mit. Diese Versuche waren dem Verfasser Veranlassung, auch einen großen Theil der in Darmstadt im Handel befindlichen, aus verschiedenen Fabriken bezogenen und von den Anstreichern verwendeten Bleiweißsorten zu untersuchen. Die Resultate seiner Versuche fand er übereinstimmend mit denjenigen des Hrn. Deninger. Aus den erwähnten Versuchen, aus der Discussion, welche sich in dem Localgewerbevereine über diesen Gegenstand entspann, sowie aus den Privatmittheilungen der Weißbindermeister Frank und Rühl in Darmstadt ergab sich Folgendes:

1) Kein anderer, bis jetzt für weiße Anstrichfarben verwendeter Farbestoff besitzt gleiche Deckkraft, wie das Bleiweiß. Daß Bleiweißsorten unverfälscht seyn und doch verschiedene Deckvermögen besitzen können, ist bekannt. Das französische Bleiweiß deckt bekanntlich, seiner krystallinischen Beschaffenheit wegen, weniger gut, als das nach der älteren holländischen Methode erzeugte Bleiweiß.

2) Dem Bleiweiß, besonders dem holländischen, kann eine beträchtliche Menge von fein vermahlenem Schwerspath zugesetzt werden, ohne dessen Deckkraft wesentlich zu schwächen. Ja es scheint, als wenn ein geringer Zusatz von Schwerspath die Deckkraft des reinen holländischen Bleiweißes erhöhe.

3) Das Bleiweiß, welches als rein – unvermischt mit Schwerspath, metallischem Blei, essigsaurem Bleioxyd, schwefelsaurem Bleioxyd u.s.w. – in den Handel gebracht und in diesem guten Glauben gekauft wird, ist selten rein, sondern meist mit sehr beträchtlichen Mengen von Schwerspath versetzt. Unter 14 untersuchten verschiedenen Sorten fand der Verfasser eine einzige, welche frei von Schwerspath und sonstigen Zusätzen war, und diese kostete per Centner 3 Gulden weniger als eine andere, stark mit Schwerspath gemischte Sorte!

4) Das Zinkweiß besitzt, wohl, mit Oelfirniß und Farbe angerieben, eine geringere Deckkraft als das Bleiweiß, da meist fünf Zinkweißanstriche nöthig seyn werden, um gleich weißen Anstrich zu erhalten, wie er durch dreimaligen Bleiweißanstrich erlangt werden kann; allein mit 1 Cent. Zinkweiß reicht man – beinahe zu gleichem Preise – viel weiter, als mit 1 Centner Bleiweiß. Der Vortheil der größeren Billigkeit welchen das Zinkweiß hiernach für den Consumenten bieten würde, wird jedoch dadurch wieder ziemlich aufgehoben, daß der Zinkweißanstrich mehr Arbeitslohn und |237| mehr Oel erfordert. Es berechnen sich die Kosten eines guten weißen Zinkweiß- wie Bleiweißanstrichs ziemlich gleich.

5) Zinkweiß erfordert circa 5 Theile trocknendes Oel, wogegen Bleiweiß nur 3 Theile verlangt.

6) Für Lackirarbeiten ist das Zinkweiß dem Bleiweiß unbedingt vorzuziehen.

7) Reiner Schwerspath (von Delaurier und Assel in vorgeschlagen) deckt, mit Oelfirniß angerieben, gar nicht, der Anstrich besteht aus durchsichtiger Kruste.

Die Vortheile des Zinkweißanstrichs gegen den Bleiweißanstrich werden vornehmlich darin gefunden, daß der Zinkweißanstrich durch Ausdünstungen von Abtritten u.s.w., durch Schwefelwasserstoff nicht schwarz wird, und daß das Zink und seine Verbindungen nicht solch nachtheiligen Einfluß auf die Gesundheit der Menschen ausübt, wie das Blei und die Bleiverbindungen. Die Kosten sind dieselben. Was nun das Gelbwerden eines solchen weißen Anstrichs betrifft, wenn er dem Lichte nicht ausgesetzt ist. so theilen beide Anstriche diese Eigenschaft, indem die Ursache hiervon in dem Oele und nicht in der metallischen Farbe liegt. Ja, ein Zinkweißanstrich dunkelt mehr – wird brauner – als ein Bleiweißanstrich, wenn man das Licht davon abhält (Bild, Schrank u.s.w. davorstellt), weil derselbe am meisten Oel enthält. Aus demselben Grunde – wegen des größeren Oelgehalts – wird aber auch der Zinkweißanstrich im Freien besser und dauerhafter stehen, als der Bleiweißanstrich, wie dieß auch mit dem Kreideanstrich im Freien der Fall ist, abgesehen davon, daß das Oel durch das Blei chemisch verändert wird.

Ein Zusatz von Schwerspath schadet, wenn letzterer sehr fein vermahlen ist, dem Bleiweißanstrich nicht; nur wäre es besser für die Handwerker und reeller von den Fabrikanten, wenn der Schwerspathgehalt für jede Sorte beim Verkauf genau angegeben würde. In diesem Falle würde der Schwerspathzusatz nicht als Verfälschung des Bleiweißes betrachtet werden können. Der Mißbrauch, welcher hierin getrieben wird, wäre leicht zu beseitigen, wenn die Abnehmer von den Fabrikanten verlangten, daß ihnen der Schwerspathzusatz genau angegeben werde, und daß sie ihre Bleiweißsorten ganz nach Belieben in verschiedenen Mischungsverhältnissen mit Schwerspath beziehen könnten.

Das Mischen muß sehr sorgfältig geschehen und wird daher durch mechanische Hülfsmittel am besten vom Fabrikanten besorgt. Was oben angeführt wurde, daß nämlich der Schwerspath allein gar nicht deckt, aber das holländische Bleiweiß, in dem Maaße als der Zusatz von Schwerspath erfolgt, nur langsam an Deckkraft abnimmt, beruht darauf, daß jedes krystallinische Schwerspathkörnchen mit leichter Hülle von undurchscheinendem Bleiweiß umgeben und so selbst undurchsichtig wird. Daß ein Anstrich, welcher mit reinem Bleiweiß gemacht wird, in der Nähe eines Abtrittes leichter schwarz wird und für die Gesundheit der Menschen nachtheiliger ist, als ein solcher, welchem eine Quantität Schwerspath beigemischt wurde, ist selbstredend; aber auch im Freien wird ein Anstrich, welcher Schwerspath enthält, fester und dauernder stehen als der reine Bleiweißanstrich, da ersterer mehr Oel enthält, und letzterer durch die chemische Einwirkung von Bleioxyd und Oel auf einander schneller zerstört wird, als jeder andere Oelfarbenanstrich. Es ist sogar anzunehmen, daß ein Anstrich, welcher mit reinem Schwerspath und trocknendem Oele gemacht wird, und der anfänglich durchsichtig, nicht deckend ist, in dem Maaße deckend wird und an Weiße zunimmt, als et älter und das Oel mehr und mehr von der Sonne ausgezogen wird.

Man kann hiernach nicht nur zugestehen, sondern man muß wünschen, daß dem reinen Bleiweiß ein Theil Schwerspath für die gewöhnlichen Anstriche zugesetzt werde, und daß nur für Anstriche und Malereien, bei welchen die höchste Weiße der Farbe verlangt wird, reines Bleiweiß in Anwendung gebracht wird. Man kann aber andererseits auch verlangen, daß die Bleiweißfabrikanten ihre Waars nicht mehr als reines Bleiweiß verkaufen, wo Zusätze von Schwerspath, schwefelsaurem Bleioxyd u.s.w. gemacht worden sind, sondern daß sie das Bleiweiß als solches und den Zusatz für sich berechnen. Die Befürchtung, welche etwa gehegt werden könnte, der Weißbinder, Stubenmaler, Anstreicher u.s.w. werde dann vornehmlich die geringste Sorte Bleiweiß verwenden, oder die Ansicht, die Anstriche würden sich hiernach billiger berechnen, wäre ganz irrig. Der rechnende Handwerker wird lieber zu einem möglichst reinen Bleiweiß greifen, wenn er dieß auch höher bezahlen muß, als zu dem stark mit Schwerspath versetzten; ihm kommt es vor allem darauf an, |238| eine gut deckende Farbe zu haben, mit welcher er durch möglichst wenig wiederholtes Anstreichen einen guten Anstrich erzielt. Der Vortheil des niederen Preises, welcher ihm beim Ankauf gemischten Bleiweißes erwächst, wird reichlich wieder dadurch aufgehoben, daß er nun mehr Anstriche mit der schlechter deckenden Farbe machen muß, also mehr Auslagen für Arbeitslohn und einen größeren Verbrauch an Oelfirniß erhält. Je schlechter die Farbe deckt, desto mehr Oel erfordert sie. Aus diesen Gründen findet das französische Bleiweiß, trotzdem daß es vor dem holländischen einige Vorzüge, als geringeren Preis, geringere Schädlichkeit für die Gesundheit der Arbeiter, geringeres Gelbwerden der Anstriche bei Abwesenheit des Lichts u.s.w., voraus hat, doch schwer Aufnahme bei den Anstreichern. Aus denselben Gründen wird das Zinkweiß, welches auch mancherlei Vorzüge vor dem Bleiweiß besitzt, nie ganz das Bleiweiß verdrängen, es sey denn, daß, wie in Frankreich der Anfang gemacht ist, ein Verbot gegen die Anwendung des Bleiweißes erlassen wird.

Dem Handwerker bietet sich ein sehr leichtes Mittel, um sich selbst in Gegenwart des Reisenden, der die Waare anbietet, davon zu überzeugen, ob ihm reine Waare angeboten wird oder nicht. Reines Bleiweiß löst sich in verdünnter reiner Salpetersäure vollständig auf, Schwerspath nicht. Durch Behandlung mit verdünnter Salpetersäure, wobei der Schwerspath (oder auch schwefelsaures Bleioxyd) ungelöst bleibt, kann man nicht nur die Menge desselben leicht quantitativ bestimmen, sondern man lernt dabei auch die Feinheit des beigesetzten Schwerspaths kennen, in welcher Hinsicht man bei verschiedenen untersuchten Bleiweißsorten verschiedene Beobachtungen machen wird. Ein durchaus fein vermahlener Schwerspath wird, wenn er nicht in übermäßiger Quantität dem Bleiweiß zugesetzt worden ist, bei der Verarbeitung der Farbe nicht störend bemerkt, Während grob vermahlener Schwerspath sich beim Anmachen der Farben schon bemerkbar macht und schlechte rauhe Anstriche liefert. Zusätze von Knochenmehl, Kreide. Kalkspath, Gyps kommen seltener vor, weil die specifischen Gewichte dieser Körper von demjenigen des Bleiweißes zu sehr abweichen, wodurch das Volumen des gefälschten Bleiweißes zu auffallend zunimmt.

Es ist noch vorgeschlagen worden, das schwefelsaure Bleioxyd, welches als Nebenproduct häufig gewonnen und wenig geschätzt wird, anstatt des Bleiweißes für weiße Anstrichfarben zu verwenden. Ersetzen kann das schwefelsaure Bleioxyd das Bleiweiß nicht, denn es deckt sehr schlecht; als Zusatz, anstatt des Schwerspaths, muß es letzterem unbedingt nachgestellt werden. (Gewerbeblatt für das Großh. Hessen. 1855. Nr. 4.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: