Titel: Ueber barometrische Höhenmessungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 2 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi04_2

Ueber barometrische Höhenmessungen.

In der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften am 18. Mai d. J. überreichte Hr. Director v. Littrow eine Abhandlung des Hrn. A. Pick, Assistent der Wiener Sternwarte: „Ueber die Sicherheit barometrischer Höhenbestimmungen.“ Eine die meteorologischen Beobachtungen der Wiener Sternwarte speciell betreffende Untersuchung führte auf das ungewöhnlich reiche Material, welches sich in Wien zur Beantwortung der Frage über die Sicherheit barometrischer Höhenmessungen vorfindet, und forderte so zu einem Beitrage für die Entscheidung der bisher bald in diesem, bald in jenem Sinne über diesen Gegenstand abgegebenen Meinungen auf. Seit September 1852 nämlich, wo die meteorologische Centralanstalt ihre Thätigkeit begann, besitzt man in Wien selbst zwei völlig verlässige Beobachtungsstationen, überdieß geben nahezu dreißigjährige Beobachtungen zu Krakau, Kremsmünster und Prag Stoff zu Vergleichungen mit Wien, wie man denselben in gleicher Brauchbarkeit bisher nur an wenigen Orten |317| antreffen dürfte. Das Resultat, zu welchem Hr. Pick durch die umständliche Discussion dieser Grundlagen gelangt, ist den barometrischen Messungen keineswegs günstig. Bei mittleren Höhen von etwa 6000 Fuß kommen bekanntlich in einzelnen barometrischen Bestimmungen Unterschiede von 1000 und mehr Fuß nicht eben selten vor, Differenzen von etwa 100 Fuß gehören zur Regel; aus der vorliegenden Arbeit aber ergibt sich, daß selbst Monat- und Jahresmittel, ja Mittel vieler Jahre sehr bedeutende Unsicherheiten (von etwa 2 auf 4, 10 auf 8, 12 auf 15, 14 auf 101 Toisen Höhendifferenz) zurücklassen, und daß man sogar nicht einmal sagen könne, eine barometrische Höhenbestimmung sey immer desto sicherer, auf je zahlreichere Beobachtungen sie sich gründet, indem sehr häufig durch das Hinzutreten neuer Daten das Resultat sich von der Wahrheit entfernt. Alle Ursachen, denen man bisher solche Incongruenzen zuschrieb, reichen, wie Hr. Pick zeigt, zur Erklärung derselben nicht aus, und augenscheinlich bedarf hier noch die Theorie einer wesentlichen Ergänzung, bis die auf diesem Wege gewonnenen Ergebnisse sich den trigonometrischen zur Seite stellen dürfen; denn diese haben bisher vor jenen nicht nur den Vorzug weit größerer Genauigkeit, sondern entsprechen überdieß einer Hauptforderung heutiger Wissenschaft dadurch, daß man hier aus der Operation selbst immer auf den Grad der erreichten Genauigkeit schließen kann, wozu bei barometrischen Bestimmungen jetzt noch alle Anhaltspunkte fehlen.

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