Titel: Ueber den Blei- und Zinngehalt des Schnupftabaks; von Carl Lintner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 5 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi04_5

Ueber den Blei- und Zinngehalt des Schnupftabaks; von Carl Lintner.

Es ist bekannt, daß der Schnupftabak, in Bleihüllen aufbewahrt, mehr oder weniger bleihaltig wird, da derselbe durch seine Salze und seine Feuchtigkeit oxydirend und auflösend wirkt. An einer Bleihülle, in welcher Schnupftabak verpackt war, sind die Spuren der Oxydation und Auflösung leicht zu sehen. Um dieses zu vermeiden, kommen die besseren Sorten von einigen Fabrikanten in verzinnten Bleihüllen oder mit zwischen die Hülle und den Tabak eingelegtem Papier in den Handel; letzteres aber gewährt, wie unten zu sehen ist, keinen Vortheil.

Ich habe nun einige Sorten Tabak, welche noch in Blei verpackt sind, auf ihren Bleigehalt, und einige Sorten in verzinnten Bleihüllen auf Zinn quantitativ untersucht. Die Untersuchung ergab, daß der Zinngehalt dieser letzteren Sorten den Bleigehalt der anderen übersteigt, und ist auch anzunehmen, daß der Zinngehalt nicht so schädlich sey als der Bleigehalt, so ist dieses doch wieder ein neuer Beweis, daß man die edlen Eigenschaften des Zinns zu sehr überschätzt.

Obgleich eine verzinnte Bleihülle eine glänzende Oberfläche besitzt, so findet man bei näherer Untersuchung doch, daß sie angegriffen ist. Dieses war besonders der Fall bei den verzinnten Bleihüllen von zwei Tabaksorten, die ich untersuchte; wohl möglich, daß die Verzinnung eine schlechte war, denn es enthielten diese Sorten außer dem Zinn auch Blei, wenn auch in sehr geringer Menge.

Beide Sorten Tabak in den verzinnten Bleihüllen berühren das Metall nicht direct, sondern haben eine Zwischenlage von Papier, wie dieses auch beim Marino in der Bleihütte der Fall ist, aber gerade dieser letztere hat den größten Bleigehalt in der Untersuchung gezeigt, der, wie mir scheint, durch diese papierne Zwischenlage hervorgerufen wird, denn diese zieht die Feuchtigkeit so stark an sich, daß sie ganz naß ist, und begünstigt so die Oxydation und Auflösung des Metalls. Es könnte vielleicht diesem Uebelstande abgeholfen werden, wenn wasserdicht gefirnißtes Papier oder Wachszeug als Zwischenlage benutzt würde.

In Frankreich besteht schon längere Zeit eine Verordnung, welche den Schnupftabak nur in verzinnten Bleihüllen gestattet; ich glaube aber, daß wenn man diesen Vollzug in Anwendung bringen will, man dabei nicht aus dem Auge zu lassen habe, daß viele Kaufleute den Schnupftabak in bleiernen Gesäßen zum Kleinverkauf vorräthig halten.

Nach Friedmann erkennt man die Verzinnung der Bleifolien leicht auf folgende Art: man bringe auf die vorher von etwaigen organischen Unreinigkeiten gereinigte Metallfläche mittelst eines dünnen Glasstäbchens Goldauflösung; augenblicklich wird die betupfte Stelle, wenn sie Zinn ist, schwarz und um so stärker, je besser die Verzinnung ist, während eine auf dieselbe Weise betupfte zinnfreie Bleistelle unverändert bleibt, und sich nur allmählich ein weißer Rand und nach freiwilliger Verdunstung der Flüssigkeit ein weißer Fleck bildet.

Penny gibt folgende Probe an: in nicht zu sehr verdünnter Salpetersäure wird reiner Stanniol sogleich ganz unter Zurücklassung eines weißen Pulvers zerstört. Von mit Zinn überzogener Bleifolie bleibt bei der gleichen Behandlung das |319| Blei zurück und das weiße Pulver (Zinnoxydhydrat) läßt sich leicht von den noch zusammenhängenden Bleiblättchen abwischen.

Zur Untersuchung nahm ich von den aufgeführten Sorten feucht, wie sie im Handel vorkommen, immer 30 Gramme. Der Tabak wurde eingeäschert, der Rückstand in Salpetersäure gelöst und das Blei als schwefelsaures Bleioxyd bestimmt, jedoch auch immer metallisch dargestellt. Um auf Zinn zu prüfen, löste ich den Aschen-Rückstand in Salzsäure, fällte durch Schwefelwasserstoff, trennte den Niederschlag durch Auflösen in Schwefelammonium von den Spuren von Blei u.s.w. und bestimmte endlich das Zinn als Zinnoxyd. Nebenbei sey erwähnt, daß im Marokko fast 1 Procent Sand enthalten war.

Tabak in Bleihüllen:

30 Grm. Pariser Nr. 2 enthielten 0,015 Grm., oder 1 bayer. Pfund 4,48 Gran Blei.
30 Grm. Bolongaro enthielten 0,021 Grm., oder 1 Pfund 6,24 Gran.
30 Grm. Marino mit Papierlage 0,031 Grm., oder 1 Pfund 9,12 Gran.

Tabak in verzinnten Bleihüllen mit Papierlage:

30 Grm. Marokko enthielten 0,048 Grm., oder 1 Pfund 14,24 Gran Zinn.
30 Grm. St. Omer enthielten 0,068 Grm., oder 1 Pfund 20,16 Gran Zinn.

Man sieht aus dieser mit aller Sorgfalt angestellten Untersuchung, daß der Metallgehalt des Tabaks kein geringer ist, jedoch ist derselbe sehr verschieden und richtet sich nach der Sorte und dem Alter des Tabaks, denn ich überzeugte mich, daß dieselbe oben angeführte Sorte Pariser aus einem anderen Pakete, in 30 Gram. 0,03 Gram., also noch einmal so viel Blei enthielt, als zuerst gefunden wurde. (Buchner's neues Repertor. für Pharmacie Bd. IV S. 149)

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