Titel: Verfahren die Wolle aus Geweben wieder zu gewinnen, worin sie mit Baumwolle gemischt ist, indem man letztere mittelst Schwefelsäure zerstört; von James L. Norton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 7 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi04_7
|320|

Verfahren die Wolle aus Geweben wieder zu gewinnen, worin sie mit Baumwolle gemischt ist, indem man letztere mittelst Schwefelsäure zerstört; von James L. Norton.

Die Gewebe werden in verdünnte Schwefelsäure (je nach Beschaffenheit der Zeuge von 1 1/2 bis 9° Baumé) eingeweicht (sollten die Gewebe aber fettig seyn, so müßten sie vorher mittelst einer schwach alkalischen Flüssigkeit gereinigt werden). Nachdem die Gewebe mit der verdünnten Säure vollkommen getränkt sind, nimmt man sie heraus und bringt sie in den Centrifugalapparat, um die überschüssige saure Flüssigkeit auszuziehen; sie werden dann bei gewöhnlicher Temperatur oder mittelst künstlicher Wärme allmählich getrocknet und hierauf trockner Wärme ausgesetzt, nämlich in erhitzter Luft von 180° bis 220° Fahr (66° bis 83° Reaumur) so lange aufgehängt, bis die vegetabilische Faser zerstört ist; der höhere Hitzgrad ist erforderlich, wenn man die Zeuge mit einer schwächeren Säure getränkt hatte.

Anstatt des Aufhängens in heißer Luft, könnte man auch die trockenen Gewebe in einen geschlossenen Kasten legen und in denselben Dampf leiten, bis die Pflanzenfaser zerstört ist; der Dampf müßte einen solchen Druck haben, daß er die Temperatur auf 220° bis 250° Fahr. (83° bis 97° Reaumur) erhöht.

Nachdem die Gewebe in hinreichend heißer Luft aufgehängt waren oder lange genug gedämpft worden sind, so daß die vegetabilische Faser wie Staub aus denselben herausfällt, werden sie mittelst des sogenannten Wolfs aufgelockert und von der staubförmigen vegetabilischen Substanz befreit; diese kann aber auch durch Waschen der Gewebe abgesondert werden, wodurch zugleich die Säure in den zurückgebliebenen Wollfasern neutralisirt wird, welche man dann in den Centrifugalapparat bringt etc.

Will man die Wollfasern nicht durch Waschen entsäuern, so breitet man dieselben locker auf Latten in einer geschlossenen Kammer aus, in welche man mittelst einer Röhre Ammoniakgas leitet (durch Zersetzung von Salmiak mit Kalkhydrat entwickelt). Die Kammer hat an der Decke eine kleine Oeffnung, welche man verschließt, sobald das eingeleitete Ammoniakgas die Luft ausgetrieben hat. Nachdem die Wollfasern vollständig mit dem Gas getränkt worden sind, nimmt man sie aus der Kammer und setzt sie der Luft aus, worauf die Wolle weiter verarbeitet werden kann. – Patentirt in England am 16. Januar 1855. (Repertory of Patent-Inventions, August 1855, S. 161.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: