Titel: Eiserne Schwungräder aus einem Stücke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 1 (S. 391–392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi05_1

Eiserne Schwungräder aus einem Stücke.

Im polytechn. Journal Bd. CXXXV S. 314 wurde eine Notiz über Schwungräder von Hrn. Hofmann in Breslau mitgetheilt, betreffend die Verhütung von Unglücksfällen bei denselben. In Bezug auf jene Notiz veröffentlicht nun die Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1855, Nr. 36, Nachstehendes:

„Die Schwungräder bei den verschiedenen Walzwerken müssen sich größtentheils mit sehr großer Geschwindigkeit drehen, in Folge dessen durch die Centrifugalkraft hie und da Brüche an diesen Rädern vorkommen, und öfters großen Schaden sowohl den dabei beschäftigten Arbeitern, als auch den Werksgebäuden zufügen, und um dieß zu verhindern, werden verschiedene Hülfs- und Schutzbauten vorgeschlagen, welche aber immer mehr oder weniger umständlich und Kosten verursachend sind, daher Schwungräder, welche in einem Stück gegossen, am entsprechendsten sind, indem es bei diesen nicht möglich ist, daß sich ein Theil der Peripherie losreiße und somit das Rad zerbrechen und Schaden verursachen kann. Diese aus nur einem Ganzen bestehenden Schwungräder haben eingegossene Schmiedeisenarme und der Kranz oder Peripherie und die Nabe bestehen aus Gußeisen.

Die Schmiedeisenarme, 6 oder 8 an der Zahl, werden natürlich von gutem Materialeisen, je nach der Schwere des Rades von 2 1/2 bis 3 1/2 Zoll Durchmesser, welche gegen die Peripherie auch wenig ablaufen können, vorgerichtet, und sind an den beiden Enden etwas zu stauchen, so daß sich eine Art Kopf bildet. Diese so |392| vorgerichteten Arme werden nun in der Peripherie und der Nabe des Rades eingegossen, da nun aber das Gußeisen an der Peripherie und an der Nabe wegen verschiedener Größe und Masse ungleich schwindet, und auf diese Weise die schmiedeisernen Arme verdrücken und biegen würde, so muß bei der Gießung desselben folgendes Verfahren beobachtet werden:

Das ganze Rad wird ein geformt und die Schmiedeisenarme werden genau in der Mitte, bis circa in die Hälfte der Peripherie und der Nabe reichend, bei welchen beiden Theilen noch ein kleiner Ansatz von Gußeisen zur bessern Verbindung des Guß- und Schmiedeisens angebracht wird, eingelegt und somit in der Formmasse festgehalten; ist nun das Rad ausgeformt, so wird zuerst die Peripherie gegossen und dann so lange in der Form gelassen, bis das Eisen möglichst verkühlt und somit auch geschwunden ist; durch diese Schwindung werden zwar die Arme nach Innen geschoben, weil aber die Schwindung von Außen nach Innen gleich, werden selbe nicht auffallend verdrückt. Die Form der Nabe, wenn selbe durch das Schieben der Arme gelitten, wird ausgebessert und dann erst die Nabe gegossen; da nun die Nabe klein, so kühlt selbe bald aus und schwindet wenig; das ganze Schwungrad besteht nun aus einem einzigen Stück, dessen Theile sich nicht loslösen können; und es fallen hiemit alle weiteren Nebenversicherungen weg. Diese Schwungräder haben noch den Vortheil, daß ihre Arme dünn sind und somit während des Ganges einen geringeren Luftdruck zu überwinden haben.“

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