Titel: Zunehmende Ersetzung der menschlichen Kräfte durch thierische und mechanische Kräfte bei der bergmännischen Technik an der Oberruhr.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 2 (S. 392–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi05_2

Zunehmende Ersetzung der menschlichen Kräfte durch thierische und mechanische Kräfte bei der bergmännischen Technik an der Oberruhr.

Durch den bedeutenden Aufschwung des Bergbaues in hiesiger Gegend werden die menschlichen Arbeitskräfte so in Anspruch genommen, daß die bergmännische Technik bestrebt ist, dieselben immer mehr durch thierische und mechanische Kräfte zu ersetzen. Die Kohlenförderung in der Grube, welche früher ausschließlich durch Schlepper bewirkt wurde, wird jetzt schon vielfach durch Pferde verrichtet; in neuerer Zeit hat man nun auf der Zeche Gewalt, welche sich in dieser Beziehung von jeher ausgezeichnet hat, begonnen, auch anderweitige sehr zweckmäßige Einrichtungen ins Leben treten zu lassen, deren Einführung beim Bergbau unserer Gegend noch neu seyn dürfte.

Die mit der Eisenbahn zu versendenden Kohlen wurden früher mittelst Haspel auf einer geneigten Bahn auf die Ladebühne transportirt, später durch einen Kabel senkrecht auf die Bühne gehoben. Jetzt wendet man zur Hebung des beladenen Wagens die Wasserkraft an und zwar durch eine sehr einfache Vorrichtung. Der Förderkorb, in welchem der Wagen auf die Bühne gehoben wird, ist mittelst eines Seiles und einer Rolle befestigt, an dessen anderem Ende ein Wasserkasten angebracht ist, welcher zur leichten Entleerung im Boden eine Klappe besitzt. Dieser Wasserkasten dient nun als Gegengewicht zur Hebung des beladenen Wagens, wenn der letztere sich nämlich unten auf der Erdoberfläche befindet, so ist der Wasserkasten oben und wird nun durch eine Röhren-Tour, welche die überflüssigen Nahrungswasser der Maschinen aufnimmt, und zur Regulirung des Ausflusses am unteren Ende ein Ventil enthält, mit Wasser angefüllt, bis er das Uebergewicht über den beladenen Wagen erhält und diesen bis auf die Ladebühne hebt. Der nunmehr unten befindliche Wasserkasten wird sodann durch die Klappe von seinem Inhalte entleert, wodurch der Förderkorb, in welchen mittlerweile statt des vollen der leere Wagen eingeschoben ist, wieder das Uebergewicht erhält, also selbst bis zur Erdoberfläche niedergeht und den Wasserkasten auf seinen frühern Standpunkt hebt, wo die Füllung aufs Neue beginnt. Durch diese einfache Art der Förderung der Kohlen auf die Ladebühne sind die Kosten gegen früher beinahe auf die Hälfte ermäßigt.

Eine andere eben so zweckmäßige Vorrichtung hat man bei der Wetterführung getroffen. In einem Querschlage, welcher bereits 150 Lachter zu Felde gebracht ist, mußte eine künstliche Wettercirculation eingerichtet werden, welche durch eine Wetter-Trommel und Lotten bewirkt wurde, zu deren Bewegung drei Arbeiter |393| erforderlich waren, ohne daß man jedoch hierdurch den beabsichtigten Zweck vollständig erreichen konnte. Auch hier hat man jetzt als Motor für die Wettermaschine die Wasserkraft benutzt. Am Schachte ist nämlich auf der untern Sohle ein Wasserrad von 10 Fuß Durchmesser und 2 Fuß Breite angebracht, welches aus einer oberen Sohle die Aufschlage-Wasser erhält. Die Radwelle endigt in einen Krummzapfen, durch welchen ein doppeltwirkendes Cylinder-Gebläse – bekanntliche eine der wirksamsten Gebläse-Maschinen – in Bewegung gesetzt wird, von welchem die frischen Wetter durch 4zöllige Zinkröhren bis vor Ort des Querschlages geführt werden. Der Erfolg erweiset sich vollkommen genügend und arbeiten die Bergleute vor Ort des Querschlages in gesunden Wettern, ohne durch den Pulverdampf belästigt zu werden. S.

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