Titel: Ueber die Bereitung des Bromammoniums für Photographen; von W. Engelhardt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 5 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi05_5

Ueber die Bereitung des Bromammoniums für Photographen; von W. Engelhardt.

In Bezug auf die von Dr. Riegel (S. 317 in diesem Bande des polytechn. Journals) mitgetheilte Methode der Bereitung des Bromammoniums für photographische Zwecke bemerkt der Verfasser folgendes: Wenn man die Lösung des Bromammoniums, selbst im Wasserbade, eindampft, so nimmt sie sehr bald eine saure Reaction an, welche bei stärkerer Concentration, wenn Krystalle anfangen sich auszuscheiden, namentlich bei etwas ansehnlichen Mengen, so stark werden kann, daß sich stechendsaure Nebel entwickeln. Diese Erscheinung kann nur daher kommen, daß sich während des Abdampfens Ammoniak entbindet und die Flüssigkeit dann freie Bromwasserstoffsäure enthält, welche bei weiterer Concentration gleichfalls entweicht. Es tritt dadurch nicht nur ein Verlust an Brom ein, sondern es ist auch das Salz äußerst schwierig trocken zu bekommen. Um nun dieses zu vermeiden, bleibt nichts übrig, als die Eindampfung mit dem Reagenspapier zu überwachen, und bei jedesmaliger eingetretener saurer Reaction so lange Aetzammoniakflüssigkeit zuzutröpfeln, bis die Flüssigkeit neutral oder schwach alkalisch geworden ist. Wenn man diese Vorsichtsmaßregel beobachtet, so kann man das Eindampfen über einer starken Weingeistlampe, und bei größeren Quantitäten über freiem Kohlenfeuer vornehmen, wodurch die Zeit sehr abgekürzt wird, und kann es beinahe bis zur Trockene über dem Feuer fortsetzen. Doch ist es vorzuziehen, wenn man über der Weingeistflamme nur so lange eindampft, bis alles zu einer in der Hitze breiigflüssigen, in der Kälte bröckligen Masse geworden ist, und diese hierauf bei ganz gelinder Wärme und indem man bis zuletzt noch einige Tropfen Aetzammoniakflüssigkeit zusetzt, eintrocknen läßt. Zum Gebrauche für die Photographie, wo dieses Salz mit Jodammonium gleichzeitig in Lösung gebracht wird, ist es wichtig, daß ihm keine freie Säure anhängt. Was nun die Mengenverhältnisse anbelangt, so sind auf 1 Theil Brom beiläufig 2 Theile Schwefelammonium, bereitet aus Salmiakgeist von 7° Beck (0,960 spec. Gewicht), nöthig. Die Ausbeute an trockenem Salz beträgt 6/5 des verwendeten Broms, was ziemlich genau mit der stöchiometrischen Berechnung übereinstimmt.

Zur Bereitung dieses Salzes übergießt man also Brom mit der vierfachen Menge destillirten Wassers in einer Glasflasche, und setzt in kleinen Portionen frisch bereitetes Schwefelammonium hinzu, unter jedesmaligem Umschütteln, in welcher Weise man fortfährt, bis kein Brom am Boden des Glases mehr sichtbar ist und die Flüssigkeit die braune Farbe verloren hat. Bei nicht zu kleinen Mengen erwärmt sich die Flüssigkeit dabei beträchtlich, so daß der ausgeschiedene Schwefel sich zusammenballen kann; jedenfalls ist es aber nothwendig, die Flüssigkeit vor dem Filtriren |396| zum Kochen zu erhitzen und einige Zeit darin zu erhalten, um das überschüssige Schwefelammonium zu entfernen und den Schwefel sich besser abscheiden zu lassen. Nach dem Filtriren wird dann die Lösung auf die oben beschriebene Art eingedampft.

Dem unter Wasser aufbewahrten Brom hängt gewöhnlich freie Bromwasserstoffsäure an; es kann dadurch der Fall eintreten, wenn man gerade nur so viel Schwefelammonium hinzugefügt hat, als nöthig ist, um das Brom zu binden, daß die Flüssigkeit sauer reagirt. Zusatz von etwas Aetzammoniak hebt diese Reaction auf. (Buchner's neues Repert. für Pharmacie Bd. IV S. 193.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: