Titel: Die Glacé-Handschuhfabrik von Hègle zu Brüssel
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 8 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi05_8

Die Glacé-Handschuhfabrik von Hègle zu Brüssel

liegt mitten in der Stadt, unweit des Hôtel de ville in der Rue Bordeverre, und befindet sich in den – sich an das Waschhaus anschließenden – vier Etagen hohen Hintergebäuden. Von einer Dampfmaschine wird im Hofe ein Springbrunnen und in Röhrenleitungen fließendes Wasser durch alle Räume der Fabrik getrieben. In dieser wird das Leder vom rohen Ziegenfelle, das Hègle in großen Quantitäten aus Deutschland, Oesterreich u.s.w. bezieht, bis zum fertigen Handschuh von größter Schönheit und Feinheit bearbeitet In den unteren Räumen befindet sich die Gerberei (in Alaunauflösung und ohne den geringsten üblen Geruch) und die Färberei. Die weitere Verarbeitung des gegerbten Leders, nämlich Einreibung eines Gemisches von Mehl, Milch, Salz und Eidotter, Trocknen, Schlichten, Stollen etc. geschieht in den oberen Räumen. Nachdem die fertigen Leder gefärbt und geglättet, werden sie sortirt, in gehörig große Stücke geschnitten, je zwei und zwei Stück halb gefaltet zu einem Päckchen für sechs paar Handschuhe zusammengelegt und dann auf einer eisernen Form unter einer Presse ausgeschlagen, so daß auf einmal immer gleich ein halbes Dutzend Handschuhe zugeschnitten ist. Die Formen sind von verschiedener Größe, für alle Hände passend. Die so ausgeschlagenen Handschuhe werden, nachdem sie von Mädchen mit der Schere noch etwas nachgebessert, den Nähterinnen überliefert, die sich zum Nähen der bekannten zangenartigen Maschine bedienen. Das Nähen geschieht größtentheils außer dem Hause. Auf diese Weise werden nach Hrn. Hègle's Angabe täglich 80 bis 90, monatlich 2700 Dutzend Handschuhe gefertigt. Hégle versicherte, schon bis 9000 Dutzend geliefert zu haben. In der Fabrik sind gegen 1800 Arbeiter beschäftigt, deren Verdienst 2 1/2 bis 6 Francs täglich betragen soll. Hègle versicherte, daß seine Handschuhe in Massen nach Paris, England und Amerika gingen und überall als Pariser Fabricat verkauft würden. Der Hauptverdienst soll im directen Bezuge der Felle, wozu der Fabrikant mehrere Reisende hält, und in deren eigener Verarbeitung liegen. Diese Handschuhfabrication gewinnt in Belgien eine immer größere Ausdehnung, so daß es schon in der Absicht des Gouverneurs von West-Flandern lag, ein Atelier d'apprentissage dafür zu gründen; nur der plötzliche Tod des betreffenden Bürgermeisters vereitelte die Ausführung dieses Vorhabens. Die zum Ausschlagen der Handschuhe gebrauchten Maschinen sollen in Paris für etwa 2500 Francs zu haben seyn; es sind eigentlich nur einfache Druckpressen, und die dazu gehörigen Formen sind auch ziemlich einfach. (Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1855, S. 83.)

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