Titel: Ueber das Vorkommen des Aldehyds im Weine, Essig, destillirten Essig und Branntwein, so wie über einige neue Reactionen des Aldehyds, welche dasselbe mit der Glucose gemein hat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 11 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi06_11
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Ueber das Vorkommen des Aldehyds im Weine, Essig, destillirten Essig und Branntwein, so wie über einige neue Reactionen des Aldehyds, welche dasselbe mit der Glucose gemein hat.

M. Lahens machte die Beobachtung, daß eine Lösung von weinsaurem Kupferoxyd-Kali durch einen schon längere Zeit aufbewahrten Essig reducirt wurde (Journ. de Ph. et de Ch. 3e Sér. t. XXVII p. 37). Auch bei wiederholter Destillation dieses Essigs, wodurch derselbe von jeder allenfalls darin vorkommenden Verunreinigung mit kleinen Mengen von Zucker befreit seyn müßte, so wie auch mit andern Proben von im Wasserbade destillirtem Essig erhielt der Verf. dieselbe Reactiön.

Da chemisch reine Essigsäure und Holzessigsäure keine Reduction des weinsauren Kupferoxyd-Kalis hervorbrachte, so schloß der Verf. auf die Gegenwart einer fremden und zwar flüchtigen Beimengung im oben erwähnten Essig.

Es lag die Vermuthung auf Gegenwart von Aldehyd jedenfalls am nächsten, und wirklich erhielt der Verfasser, nachdem er den Essig mit Kalkmilch neutralisirt und dann destillirt hatte, im Destillate alle charakteristischen Reactionen des Aldehyds. Von dieser Beimischung hängt auch die Eigenschaft ab, sich beim Erwärmen mit Kali zu braunen.

Durch künstliche Zusammensetzung eines aldehydhaltigen Essigs erhielt er den Beweis, daß das so flüchtige Aldehyd bei seinem gleichzeitigen Vorkommen mit Essigsäure sehr wenig flüchtig wird, wodurch der Umstand, daß sich noch in Jahre lang aufbewahrtem Essig Aldehyd vorfindet, genügend erklärt wird.

Zur Lösung der Frage, ob das Aldehyd im Essig schon präexistire, oder erst durch die Destillation desselben erzeugt werde, wurden vom Verf. folgende Versuche ausgeführt:.

Er mischte 2 Vol. Weinessig mit 1 Vol. Aether bei 60° C., um das Aldehyd ganz oder wenigstens theilweise durch den Aether auszuziehen, decantirte den Aether und theilte ihn in zwei Portionen.

Die erste Portion wurde unter allen Vorsichtsmaßregeln, durch welche die Bildung von Aldehyd aus Aether durch Einwirkung des Lichts und der Atmosphäre verhindert wird, bei 100° C. mit weinsaurem Kupferoxyd-Kali behandelt, wodurch eine vollkommen deutliche Reaction eintrat.

Die zweite Portion gab bei Behandlung mit Ammoniakgas das von Liebig beschriebene Aldehydammoniak.

Es präexistirt also das Aldehyd im Essig, wenn auch vielleicht durch Destillation desselben noch mehr gebildet wird.

Indem der Verf. mit Wein, Branntwein und Alkohol Dieselben Versuche anstellte, zeigte sich, daß diese Flüssigkeiten gleichfalls in vielen Fällen aldehydhaltig sind.

Der Branntwein und der Wein scheinen immer aldehydhaltig zu seyn, während mehrere Proben von gewöhnlichem Alkohol keine Spur von Aldehyd zeigten.

Die Uebereinstimmung des Aldehyds und des Traubenzuckers in ihren Reactionen beschränkt sich nicht allein auf ihr gleiches Verhalten gegen Kali und weinsaures Kupferoxyd-Kali. Der Verf. fand, daß Aldehyd die Kalkmilch eben so gelb färbt, wie dieß Traubenzucker thut; er fand ferner, daß die Glucose, eben so wie das Aldehyd, beim Erwärmen mit salpetersaurer Silberoxydlösung eine Reduction zu metallischem Silber veranlaßt.

Am leichtesten wird die Unterscheidung Beider seyn, wenn man die Flüssigkeit vorsichtig zur Trockne abdestillirt und das Destillat auf Aldehyd, und den Rückstand auf Glucose mit weinsaurem Kupferoxyd-Kali prüft. Da es möglicherweise noch andere Körper geben kann, welche weinsaures Kupferoxyd-Kali reduciren, so kann man von der Gegenwart des einen oder des andern dieser beiden fraglichen Substanzen erst dann vollkommen überzeugt seyn, wenn auch alle andern charakteristischen Reactionen des Aldehyds oder Traubenzuckers eintreten. (Journal für praktische Chemie, 1855, Nr. 13.)

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