Titel: Ein Verfahren bei der Zurichtung von Webstoffen für die Aufnahme des lithographischen Farbendrucks; von Pobuda und Gersbacher in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 3 (S. 461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi06_3

Ein Verfahren bei der Zurichtung von Webstoffen für die Aufnahme des lithographischen Farbendrucks; von Pobuda und Gersbacher in Stuttgart.

Die gemalten Rouleaux erfordern mitunter einen großen Zeitaufwand und müssen deßhalb theuer bezahlt werden. Durch den Steinfarbendruck wird aber die Zeichnung auf das getreueste gegeben, Umrisse, Farben, Schatten und Licht erscheinen sehr zart, wie bei einer Lithographie, und der Preis derselben kann sehr billig gestellt werden, da von einem Steine 1000 bis 1500 Exemplare gemacht werden können, und jedes Stück, gleich einer guten Lithographie oder einem guten Gemälde, einen bleibenden Kunstwerth hat. Allein die leinenen und baumwollenen Gewebe setzen dem Steinfarbendruck mehr Schwierigkeiten entgegen, als das Papier, um die verschiedenen Farben sicher auf die rechte Stelle zu bringen, weil sie sich bei Feuchtigkeit ungleich ausdehnen und beim Trocknen ungleich zusammenziehen; der Webstoff bedarf deßhalb folgender besonderer Zurichtung. Derselbe erhält eine sogenannte Wachsappretur, wird getrocknet und gut gemangt, oder besser durch eine Cylinderpresse gelassen, da der Appret ohne diese Pressung oder sonstig geeignete Glättung zum feinen Farbendruck zu rauh wäre. Schon durch das nothwendige Aufhängen zum Trocknen des Zeuges wird vermöge der eigenen Schwere desselben der Faden da und dort verzogen und mehr noch durch das Kalandern wird das Zeug um ein bedeutendes länger und verliert an Breite.

Nun wäre das Zeug für eine und somit für die erste Farbe (Schwarz) gut, aber zu mehrerem Drucke, was nothwendig ist, wenn ein Bild vermöge der Presse fertig gemacht werden soll, ist es noch gänzlich unbrauchbar, da bei einer Messung des Bildes nach einigen Tagen, wenn die schwarzen Drucke trocken sind, und bei einem Format von nur 4 Fuß Länge das Bild um einen starken Viertelszoll kürzer, und dagegen breiter geworden ist, und somit zum weitern Drucken mit den verschiedenen farbigen Tonplatten unbrauchbar wäre, weil die Gegenstände, welche verschiedene Färbung erfordern auf das erste Dessin nicht mehr passen.

Um nun das Zeug so herzustellen, daß es zu einer beliebigen Anzahl Drucke sich gleich bleibt, wird es zu Stücken von solcher Länge zerrissen, als die Rouleaux oder andere Fabricate erhalten sollen. Hierauf werden die Stücke mit einer Mischung von Wasser, Milch und Kirschengeist oder rectificirtem Weingeist mittelst Schwämmen auf einer Tischplatte mäßig angestrichen, und wo möglich in horizontaler Lage getrocknet. Hierdurch ist das Zeug für die weitere Behandlung mit dem Farbendruck in der Presse reif.

Durch diese zweite Appretur tritt nämlich der Faden wieder in seine natürliche Lage, wie vor dem Hängen und Kalandern, zurück, hat dann seine gehörige Compactheit, Geschmeidigkeit und Empfänglichkeit für die Farben, welche sich mit dem Faden innig verbinden. Doch ist immer noch beim Verlauf des Drucks große Vorsicht nothwendig, um einiges, doch nur wenig mögliches Dehnen des Zeugs zu verhindern durch geeignete Papierauflage, Stellung der Presse und des Lederdeckels etc., was jedoch Sache der technischen Erfahrung und Fertigkeit ist. (Gewerbebl. aus Württemberg, 1855, S. 209.)

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