Titel: Neues Mittel, Collodiumbilder auf Wachsleinwand zu übertragen; von A. Gaudin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 4 (S. 461–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi06_4
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Neues Mittel, Collodiumbilder auf Wachsleinwand zu übertragen; von A. Gaudin.

Um ein Collodiumbild auf Wachsleinwand zu übertragen, ist es nicht nothwendig, dasselbe gleich nach der letzten Waschung vom Glase mit Wasser abzulösen, oder besser zu sagen, man kann die Collodiumschichte, wenn das Ablösen im feuchten Zustande nicht zu gelingen scheint, erst ablösen, wenn sie trocken ist. – Dieß scheint unglaublich und ist dennoch sehr einfach: das Collodiumhäutchen haftet stark am Glase, es ist jedoch nicht an selbem angeklebt und das Collodium ist nicht in das Glas selbst eingedrungen. – Ganz anders sind die Umstände zwischen Collodium und Wachsleinwand, welch letztere mit einem Firniß überzogen ist; es findet bei der Vereinigung ein Durchdringen der Substanz, ein hermetisches Aufeinanderleimen statt; – wird hierbei durch Anwendung von Wärme jede Feuchtigkeit beseitigt und ist die Collodiumschichte hornartig trocken geworden, so löst sich selbst eine Schichte von dünnem Collodium ab, welche im feuchten Zustande auf die Wachsleinwand nicht übertragen werden könnte.

Die ganze Collodiumschichte gleitet auf dem Glase, wenn zwischen sie und letzteres Wasser gelangt; – wenn man in diesem Zustande Wachsleinwand auf die Schichte andrückt, um die Luftblasen zu entfernen, so findet an den stärker gedrückten Stellen ein Zerdrücken der Schichte, somit ein Zerreißen derselben beim Ablösen der Wachsleinwand statt. – Es ist deßhalb wichtig, vorerst diesen Umstand zu beseitigen, nämlich die Wachsleinwand ohne Druck auflegen zu können und dennoch die Luftblasen zu vermeiden.

Man erreicht dieß, wenn man dieses Aufeinanderlegen unter Wasser ausführt, indem man in eine Schale mit sehr reinem Wasser zuerst die Wachsleinwand, dann das Bild eintaucht, und beide erst dann mit einander in Berührung bringt, wenn auf beiden Flächen sich keine Luftblasen mehr befinden.

Um ein innigeres Anschmiegen der Wachsleinwand an die Collodiumschichte schon unterm Wasser zu erzielen, ist es gut, erstere an letztere leicht an den Ecken anzuhalten, durch eine rasche Bewegung gegen die Oberfläche des Wassers zu bewirken, daß das Wasser selbst die Leinwand senkrecht an das Glas andrückt und beide Flächen sodann langsamer aus dem Wasser herauszunehmen, ohne jedoch die Bewegung zu unterbrechen, indem hierbei leicht die Wachsleinwand stellenweise wieder gehoben würde und durch das Eindringen des Wassers Beschädigungen der Collodiumschichte stattfinden könnten.

Sollte sich hiernach, somit bei feuchter Collodiumschichte, letztere mit der Wachsleinwand nicht unbeschädigt ablösen, indem diese Manipulation viel Uebung verlangt, so lege man beide Flächen, leicht aneinandergehalten, zwischen Leinwand oder mehrere Bogen Fließpapier, drücke mit der Hand alles Wasser gut aus und trockne, beide Flächen vereint belassen, selbe bei einer Temperatur, welche die Siedehitze des Wassers nicht überschreitet, denn es würden sich sonst durch die zu schnelle Verdampfung des Wassers sehr nachtheilige Bläschen bilden, was bei successiver Erwärmung nicht stattfindet, und wobei die Feuchtigkeit unbeschadet sich so verflüchtigt, daß die Leinwand sich hermetisch an die Collodiumschichte angeklebt hat, und letztere, vollkommen trocken, sich sehr leicht vom Glase trennt.

Dieses Verfahren kann man auch ohne Anwendung von Wärme ausführen, indem man das Trocknen der Collodiumschichte sich selbst überläßt; ebenso löst sich die Schichte von sehr dünnem Collodium ohne Unfall los, wenn man nach und nach schwach erwärmt und trocknet. (Hörn's photographisches Journal, 1855, Bd. IV Nr. 5.)

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