Titel: Ueber die Anwendung des Kali-Wasserglases zur Bereitung einer unauslöschlichen Tinte; von Hrn. Baudrimont.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 7 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi06_7

Ueber die Anwendung des Kali-Wasserglases zur Bereitung einer unauslöschlichen Tinte; von Hrn. Baudrimont.

Die Bemerkungen des Hrn. Kuhlmann über verschiedene Anwendungen der auflöslichen kieselsauren Alkalien (m. s. S. 362 in diesem Bande des polytechn Journals) erinnern mich an die mit kieselsaurem Kali und gereinigter Schwärze gemachten Schriftproben, welche ich im J. 1848 der für die Sicherheitspapiere ernannten Commission der (französischen) Akademie der Wissenschaften übergab.

Ich will hinsichtlich dieses Gegenstandes einige beachtenswerthe Thatsachen mittheilen.

Wenn man auf Papier bloß mit einer Auflösung von kieselsaurem Kali in Wasser schreibt, so sieht man sogleich, daß das Silicat das Papier durchdrungen und es durchscheinend gemacht hat, wie wenn dasselbe geölt worden wäre. Neben dem scharfen Strich, welchen die Feder bildete, bemerkt man einen für das Licht weniger durchdringlichen Rand oder Saum.

Wascht man das Papier, auf welches man geschrieben hat, mit destillirtem Wasser, oder läßt man es in solchem 24 Stunden lang liegen und trocknet es hernach, so sieht man, daß der Federstrich gar keine Veränderung erlitten hat, daß aber sein Rand oder Saum verschwunden ist.

Der Theil, welchen das Waschen beseitigt, ist Kali; der zurückbleibende ist kieselsaures Kali, verbunden mit den vegetabilischen Fasern welche das Papier bilden, denen er sehr stark anhaftet.

|464|

Diese Beobachtung zeigt, daß das gewöhnliche kieselsaure Kali alkalischer ist als dasjenige welches sich mit dem Papier verbindet; dieß ist ein schwer zu beseitigender Uebelstand, denn man kann dem Silicat seinen Alkali-Ueberschuß nicht entziehen, ohne seine Löslichkeit zu vermindern.

Die frisch bereitete Tinte ist vortrefflich. So wie ich sie dargestellt habe, eignet sie sich für die zartesten Schriftzüge; sie greift die Stahlfedern gar nicht an, hat aber den Uebelstand, nicht nur das Papier zu durchdringen, wie ich vorher bemerkte, sondern auch die Kohlensäure aus der Luft zu absorbiren und dadurch die Eigenschaft, sich mit dem Papier zu verbinden, gänzlich zu verlieren, denn sie ist dann bloß noch ein Gemisch von hydratischer Kieselerde und von Kohle, welche in einer Auflösung von kohlensaurem Kali suspendirt sind. Diese Tinte, welche für unauslöschlich gelten könnte, läßt sich dann durch bloßes Reiben mit Federharz wegwischen.

In gut verschlossenen Flaschen könnte man diese Tinte aber beliebig lange aufbewahren. Man müßte sie von Zeit zu Zeit umrühren, damit die Kohle keinen zu cohärenten Niederschlag bilden kann, und nur kleine Quantitäten nach Maaßgabe des Bedarfs von ihr nehmen.

Das kieselsaure Kali ist wegen seiner Eigenschaft, durch die Kohlensäure der Luft zersetzt zu werden, nur zum Befestigen unauflöslicher Farben auf Geweben welche aus vegetabilischen Fasern bestehen, verwendbar. (Comptes rendus, August 1855, Nr. 9.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: