Titel: Ueber einen Diamantkrystall aus dem Districte Bogagem in Brasilien; von Hrn. Dufrenoy.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 137/Miszelle 8 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj137/mi137mi06_8

Ueber einen Diamantkrystall aus dem Districte Bogagem in Brasilien; von Hrn. Dufrenoy.

Der Juwelier Hr. Halphen zu Paris erhielt kürzlich aus Brasilien einen durch seine Größe, Reinheit und Krystallform sehr merkwürdigen Diamanten, welchen die Steinschneider, um ihn auszuzeichnen, „den Stern des Südens“ (étoile du Sud) benannten.

Derselbe wiegt 52,275 Gramme = 254 1/2 Karat; durch den Schliff wird er ungefähr die Hälfte seines Gewichtes verlieren, wornach er indessen noch immer den vierten oder fünften Rang der bekannten kostbarsten Diamanten einnehmen wird. Es wiegt nämlich der Regent 136 Karat, der Ko-hi-noor 120–122 Karat.

Seinem Glanze, selbst im rohen Zustande nach zu schließen, verspricht der „Stern des Südens“ geschliffen einen Diamanten vom schönsten Wasser und herrlichen Glanze zu geben.

Der Werth so großer Diamanten läßt sich nicht wie bei einer andern Handelswaare bestimmen. Wir erinnern nur daran, daß der „Regent“ im J. 1848 mit 8 Millionen Francs in den Inventarien der Königin von England aufgeführt, und der „Ko-hi-noor“ der ostindischen Compagnie um 6 Millionen Francs überlassen wurde.

Was den „Stern des Südens“ ganz vorzüglich auszeichnet und ein besonderes wissenschaftliches Interesse hat, ist seine Krystallform. Seine allgemeine Gestalt ist nämlich ein Rhomben-Dodecaëder, welches auf jeder seiner Flächen eine sehr stumpfe Zuschärfung hat und folglich 24 Flächen darbietet. Die Flächen sind matt, wie chagrinirt. Außerdem bemerkt man schwache Streifen, welche auf die den Diamant als Mineralspecies charakterisirenden octaëdrischen Spaltbarkeiten führen.

Das spec. Gewicht ist (nach Hrn. Halphen) bei 12° R. – 3,529.

Auf einer der Flächen dieses Diamants ist eine ziemlich tiefe Höhlung wahrzunehmen, die offenbar von einem ehemals darauf sitzenden octaëdrischen Krystall herrührt. Zwei ähnliche Höhlungen bemerkt man auf dem hintern Theil des Diamanten.

Endlich sind einige schwarze Blättchen an demselben zu bemerken, wahrscheinlich aus Titaneisen bestehend, das häufig mit Quarzkrystallen in den Alpen und in Brasilien vorkommt.

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Hiernach scheint es, daß der „Stern des Südens“ ursprünglich zu einer Gruppe von Diamantkrystallen gehörte, die analog war den Krystallgruppen von Quarz, Kalkspath, Schwefelkies und den. meisten krystallisirten Mineralien. Der Diamant käme also als Auskleidung von Geoden (Kugeln oder andern Hohlformen) vor inmitten gewisser Gesteine, die uns zwar noch unbekannt sind, die aber nach der von Hrn. Lomonosoff im J. 1843 mitgetheilten Beobachtung zum metamorphischen Terrain von Brasilien gehören würden.

Dieser Diamant wurde im Juli 1853 von einer in den Gruben von Bogagem (Provinz Mines-Geraës) beschäftigten Negerin gefunden, und ist der größte welcher aus Brasilien kam, während alle andern großen Diamanten aus Ostindien kamen.

Das Schleifen desselben wird zwei Monate unausgesetzter Arbeit erfordern, und geschieht ohne Abspalten bloß durch die Schleifmühle. (Comptes rendus, Januar 1855, Nr. 1.)

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