Titel: Bailly's verbesserte Mühlsteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140, Nr. XIX. (S. 97–98)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/ar140019

XIX. Verbesserte Mühlsteine, von Hrn. Bailly, Mühlsteinfabrikant zu la Ferté-sous-Jouarre.

Aus Armengaud's Génie industriel, Novbr. 1855, S. 255.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Bekanntlich hat bei den sogenannten englischen Mühlsteinen, wie man sie bis jetzt zugerichtet hat, der mittlere Theil, welchen man den Kern oder die Büchse nennt, äußerlich eine polygonale Form, am häufigsten von acht Seiten.

Aus dieser Einrichtung folgt, daß alle Fugen der verschiedenen einzelnen Steine, die sich an das gedachte Polygon anlegen, gewissermaßen nur eine fortlaufende Linie bilden und sich beim Betriebe sehr schnell abnutzen, sey nun die Richtung nach welcher sich die Läufer drehen, welche sie wolle.

Bei dem von Hrn. Bailly erfundenen Verfahren der Vereinigung ist es anders; die Lage der Fugen ist eine sehr verschiedene, sie bilden stets unterbrochene und der Art combinirte Linien, daß sie sich genau nach der Umtriebsrichtung des Läufers richten. So ist z.B. bei den Steinen, die sich nach rechts drehen, die Richtung der Hauptfugen die entgegengesetzte von derjenigen, welche die Fugen bei den sich links drehenden Steinen haben.

Jedenfalls wird bei dieser neuen Einrichtung die Abnutzung der Fugen gänzlich vermieden. Auf diese Weise können die Läufer bis zur gänzlichen Unbrauchbarkeit benutzt werden, ohne daß eine Reparatur der Fugen zwischen den verschiedenen Steinstücken erforderlich ist.

Fig. 26 stellt einen nach der neuen Methode zusammengefügten, sich nach rechts drehenden Läufer dar.

Bei Betrachtung dieser Figur erkennt man sogleich, daß der eigentliche Kern äußerlich keine regelmäßige polygonale Gestalt hat, wie es bei der ältern Form der Fall ist. Man hat im Gegentheil einspringende Winkel von einigen Centimetern Tiefe auf einem Theil jeder Seite angebracht.

Die Steinstücke oder die einzelnen Quader, welche die ganze Arbeitsoberfläche des Mühlsteins bilden und die zu dem Ende mit Hauschärfen versehen werden müssen, werden alsdann so zugerichtet, daß die einen in |98| den einspringenden Winkel eintreten, und die anderen sich gegen die Seiten des Polygons anlegen.

Man wird leicht einsehen, daß bei einer solchen Einrichtung die Fugen sich durch die Arbeit nicht abnutzen können, wie es bei der ältern Methode der Fall war, weil sie fortwährend unterbrochen sind; sie können sich nicht mehr aushöhlen, da sie durch die Steine selbst geschützt sind. Daraus entsteht der für das Mühlenwesen so große Vortheil, daß niemals Reparaturen erforderlich sind.

Man begreift, daß die Anzahl und die Größe der Quader nicht allein nach den Durchmessern der Mühlsteine, sondern auch nach der Beschaffenheit der Gesteinstücke, so wie sie aus dem Bruch kommen, variiren. Es ist einleuchtend, daß wenn ein guter Stein vorkommt, welcher größer als ein anderer ist, man ihn nicht zerschlägt, um daraus kleinere Stücke zu machen, sondern ihn so behaut, wie es die angegebene Regel erfordert; statt aber z.B. nur den 16ten Theil der Arbeitsoberfläche einzunehmen, bildet er den 13ten oder 12ten Theil; die anderen benachbarten Steine werden verhältnißmäßig verkleinert.

Kurz, man richtet die Zusammenfügungen der einzelnen Theile stets so ein, daß unterbrochene Fugen entstehen, sey übrigens die Unregelmäßigkeit der Dimensionen eines jeden Steines welche sie wolle.

Wenn ein Mühlstein aus kleineren Stücken zusammengesetzt werden muß, so geschieht es nach demselben System, nämlich in der Weise wie es Fig. 27 verdeutlicht. Man sieht, daß die ersten Stücke gegen die Büchse auf dieselbe Weise zusammengefügt sind, wie Fig. 26 zeigt, daß aber ihre Dimensionen ungleich sind, und daß die Stücke, welche den Umfang des Mühlsteins vollenden, zwar geradlinige, jedoch unterbrochene Fugen haben, was für die Festigkeit und Dauer des Mühlsteins sehr günstig ist und wodurch die Abnutzung und Zerstörung der Fugen vermieden wird.

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