Titel: Lenoir's Darstellung galvanoplastischer Figuren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140, Nr. XXVII. (S. 117–119)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/ar140027

XXVII. Ueber Lenoir's Verfahren zur Darstellung von Figuren vermittelst Galvanoplastik in hohler Form und in einem einzigen Stücke.

Im polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 365 wurde ein Aufsatz des Hrn. Moigno über dieses Verfahren mitgetheilt; seitdem hat Hr. Becquerel der französischen Akademie der Wissenschaften einen Bericht über dasselbe erstattet,16) welchem wir zur Ergänzung jenes Aufsatzes Nachstehendes entnehmen:

„Hr. Lenoir formt die Figuren in zwei Theilen mit Gutta-percha ab, und vereinigt dann diese Theile auf unten angegebene Weise. Die Gutta-percha wird aber nicht rein angewendet, wie es gewöhnlich geschieht, sondern er benutzt ein Gemisch von 500 Theilen dieser Substanz, 200 Theilen Schweineschmalz und 150 Theilen Harz. Dieses Gemisch ist dehnbarer und elastischer als die Gutta-percha.

Man beginnt damit, um die Hälfte der abzuformenden kleinen Statue Gyps zu gießen; nachdem der Gyps fest geworden ist, bringt man hier und da, in einiger Entfernung vom Original und an demjenigen Theil der Gyps-Oberfläche, welcher später mit der zweiten Formhälfte verbunden werden |118| soll, Grübchen oder sogenannte Marken an. Hierauf erweicht man die auf angegebene Weise präparirte Gutta-percha in einer auf nahezu 80° Reaumur geheizten Trockenstube und trägt sie dann auf den nicht mit Gyps überzogenen Theil des Originals auf, indem man denselben durch den bloßen Druck der Hand damit abformt.

Nachdem das Original so zur Hälfte mit Gyps und zur Hälfte mit Gutta-percha überzogen worden ist, zerbricht man den Gyps und nimmt ihn weg. Die entblößte Hälfte wird dann mit Gutta-percha auf dieselbe Weise überzogen, wie die andere. Wenn sie fest geworden ist, lassen sich die zwei Hälften mittelst der Marken, welche auf der einen Form erhaben und auf der andern Form vertieft sind, vollkommen vereinigen; bevor man aber dazu schreitet, metallisirt man die Oberfläche auf welcher das Metall abgelagert werden soll, mit Graphit. An einem der untersten Punkte dieser Oberfläche befestigt man einen Kupferdraht, welcher mit dem negativen Pol der galvanischen Batterie in Verbindung gesetzt wird; ein Platindraht, der als positive Elektrode dienen muß, wird im Innern der Form so angebracht, daß er so viel als möglich, und in gleichbleibender Entfernung, den Hauptumrissen derselben folgt, damit der Niederschlag allenthalben gleiche Dicke bekommt. Dieser Draht wird an denjenigen Stellen, welche die Form innen berühren könnten, mit Gutta-percha überzogen. Die Form wird hernach in eine gesättigte Auflösung von Kupfervitriol gebracht. Nachdem der metallische Niederschlag bewerkstelligt ist, löst man die Form von ihm ab und entfernt sorgfältig die Gußnähte, welche sich meistens nicht weit erstrecken. Man hat alsdann die vollkommene Copie des Originals.

Wie man sieht, wendet Hr. Lenoir keine auflösliche Elektrode an; dagegen bringt er in der Form mehrere Oeffnungen an, die einen oben, die anderen unten, um während der Fällung des Metalls eine Circulation der Auflösung herzustellen. Da nämlich die Flüssigkeit in der Form, indem sie sich zersetzt, weniger dicht wird, so steigt sie in die Höhe und läuft durch die oberen Oeffnungen aus; die untere Flüssigkeit steigt dabei ebenfalls in die Höhe, um die vorhergehende zu ersetzen; die Gasentwickelung auf dem Platindraht trägt zur aufsteigenden Bewegung der Flüssigkeit bei.

Die Schwefelsäure bleibt gänzlich in dem Bad zurück, was nicht ohne Nachtheil für den Molecularzustand des metallischen Niederschlags ist; dieser Zustand modificirt sich nämlich, je nachdem die Auflösung des schwefelsauren Kupferoxyds mehr oder weniger sauer ist. Man kann sich jedoch dadurch helfen, daß man auf den Boden des Bades schwarzes Kupferoxyd gibt, welches man durch Glühen von Kupferschnittseln darstellt; |119| dieses Oxyd verbindet sich nach und nach mit der überschüssigen Säure.

Diese Verfahrungsart erheischt die Anwendung von Batterien, welche außerhalb der Bottiche angebracht werden; die Elektricität kommt daher theurer zu stehen als bei den gewöhnlichen Methoden. Man vermeidet aber die Löthungen, welche die Ursache der Zerstörung sind, wenn solche galvanoplastische Gegenstände den Einflüssen der Atmosphäre ausgesetzt bleiben. Das neue Verfahren gewährt daher wirklich Vortheile gegen alle bisher angewendeten Methoden, wenn es sich um Rundwerke handelt.

Bis jetzt hat Hr. Lenoir nur kleine und mittelgroße Statuen dargestellt; die Anwendung seines Verfahrens auf große Statuen dürfte jedoch keine Schwierigkeiten darbieten. – Um Gold oder Silber niederzuschlagen, wendet er im Innern der Form vorzugsweise eine auflösliche Elektrode von Gold oder Silber, anstatt einer Elektrode von Platin, an.“

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Comptes rendus, April 1856, Nr. 14.

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