Titel: Ueber Colt's Fabrik kleinen Feuerwaffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140, Nr. XXXV. (S. 161–169)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/ar140035

XXXV. Die Fabrik kleiner Feuerwaffen des Obristen Colt.

Aus dem London Journal of arts, Februar 1856, S. 65.

(Schluß von S. 92 des vorhergehenden Heftes.)

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Im vorhergehenden Abschnitt besprachen wir die Fabrication der vorzüglichsten Theile von Colt's Pistolen, nämlich des Laufes, der Schwanzschraube und des Schloßbleches. Der Lauf, nachdem er gebohrt und äußerlich abgedreht worden, war nun bereit, den Fräsemaschinen übergeben zu werden, um den flachen Seiten, sowie den oberen und unteren Flächen die erforderliche Gestalt zu ertheilen. Der Cylinder war nach der vorhergehenden Beschreibung bis auf die Zündkegel oder Pistons fertig; und das Schloßblech wurde, nachdem es centrirt und mit der Schwanzschraube versehen war, auf der entgegengesetzten Seite Plan gedreht. Wir haben nun noch von einigen wichtigen Maschinen zu reden, mit denen man nicht nur die drei Haupttheile der Pistolen vollendet, sondern auch andere Theile, wie die Drückerplatte, den Bügel und den Hammer formt und die Löcher für die Schrauben etc. darin einbohrt, Alles ohne Handarbeit.

Es kann nicht unsere Absicht seyn, die verschiedenen Arbeiten, welchen jeder Theil einer Pistole unterzogen werden muß, und noch weniger alle dazu angewendeten Maschinen speciell zu beschreiben; wir wollen aber einige Bemerkungen beifügen, um zu zeigen, in welchem Maaßstabe die Arbeiten ausgeführt werden. Die Fräsemaschinen, welche die Feilen und folglich die zum Feilen erforderlichen geschickten Arbeiter ersehen, werden fast nur zu dem Zweck benutzt, um nicht die Schneiden oder Fräsen bei einer und derselben Maschine verändern zu müssen. Um dem Hammer, einem ganz einfachen Theil, die Form zu geben, werden z.B. neun Maschinen, |162| mit Einschluß des Bohrapparates, verwendet. Das Drückerblech, welches nur aus einem gebogenen Stück Metall besteht, um den Griff oder Schaft der Pistole zu verstärken, erfordert zur Vollendung drei Fräsemaschinen, ein weiter unten zu beschreibendes Ziehmesser (Jigger) und ein Bohrwerkzeug. Bezüglich der Leistungen, welche ausgeführt werden können, dürfte es hinreichen zu bemerken, daß, um dem Lauf die Züge zu ertheilen, fünf selbstwirkende Maschinen vorhanden sind, von denen die größten täglich 100 Läufe mit Zügen versehen können (wir werden ihre Construction unten beschreiben).

Eine in dem Etablissement gebräuchliche Maschine ist jedoch zu dem Zweck construirt worden, sehr verschiedene Arbeiten auszuführen, und wird daher die Universal-Fräse-Maschine genannt. Diese Maschine, von welcher Fig. 1 eine Seitenansicht und Fig. 2 einen senkrechten Durchschnitt darstellt, kann, wie eine Hobelmaschine, gerade Schnitte, oder spiralförmige Schnitte in regelmäßigen Entfernungen von einander machen, sie kann ferner Ruthen stoßen, oder Löcher bohren, oder endlich unregelmäßige und unebene Oberflächen fräsen. Sie besitzt daher alle oder fast alle Fähigkeiten der für specielle Zwecke eingerichteten Fräsemaschinen, und kann folglich besonders vortheilhaft in kleinern Fabriken zu verschiedenartigen Verrichtungen benutzt werden, wogegen ihr ausgedehnter Gebrauch in größern Etablissements offenbar mit Nachtheilen verbunden wäre. Die Arbeiten, zu denen diese Maschine hauptsächlich verwendet wird, bestehen im Aufschlitzen der Schloßplatte, damit dieselbe den Hammer, Drücker, die Nuß, Federn etc. aufnehmen kann, dann im Schneiden der Nuth an der untern Seite des Laufs, welche den Ladestockhebel aufzunehmen hat. Zu der ersten von diesen Arbeiten wird der Maschine eine Vorrichtung (Fig. 3) hinzugefügt, welche den Zweck hat, das Arbeitsstück fest zu halten und es unter der Wirkung des Werkzeuges zu drehen.

Die Maschine (Fig. 1 und 2) besteht aus einem länglich-viereckigen Gestell a, oben mit einem Paar paralleler Führer für das verschiebbare Gestell b versehen, worin die Treibwelle c der Maschine angebracht ist. Diese, durch Riemen und Rolle getriebene Welle bildet auch die Schneidenspindel; sie kann sich mit den Enden in ihren Lagern verschieben, und wenn sie mit dem geeigneten Werkzeug versehen ist und mittelst eines Hebels der Länge nach bewegt wird, so kann sie mit der größten Leichtigkeit horizontale Löcher bohren. Die Verschiebung des Gestelles oder Rahmens b in den Führern wird durch das Zahnrad d bewirkt, welches zwei Getriebe an Schraubenwellen bewegt, die sich in Lagern an dem Hauptgestell a drehen und durch das verschiebbare Gestell gehen. An dem einen Ende dieser Sternradwelle ist ein Winkelrad angebracht, und am entgegengesetzten |163| Ende derselben ein Handrad , um die Stellung des Rahmens zu adjustiren und das Werkzeug zum Angriff zu bringen. Wenn dieß bewirkt worden, so wird ein Winkelgetriebe an der stehenden Welle e in Eingriff mit dem Winkelrad gebracht. Die stehende Welle e geht durch eine Hülsenstange und kann mit den Winkelrädern ein- und ausgerückt werden; sie wird durch eine Anordnung von Bändern, Rollen und Rädern, von der Haupttreibwelle oder Fräsenspindel aus in Betrieb gesetzt, wie aus Fig. 2 ersichtlich ist.

Um einen horizontalen Schnitt zu machen, wird die Schneide welche in einem Futter am Ende der Welle c angebracht worden, von Hand vor das Arbeitsstück gerückt, und das Winkelgetriebe an der stehenden Welle e eingerückt; die Fräse geht alsdann langsam über das Arbeitsstück weg. Letzteres wird von einer stehenden Welle f geführt, die mit einer Zeigerscheibe g zur leichtern Adjustirung des Arbeitsstückes versehen ist, wenn dasselbe irgend einen Winkel mit dem Werkzeug machen soll. Diese Welle f geht durch Hälse oder Hülsen am Hauptgestell und ist an ihrem unteren Ende mit einem Schraubengewinde versehen, um sie erhöhen zu können, ohne die Stellung des Sternrades , welches sie bewegt, verändern zu müssen. Durch dieses Rad wird der stehenden Welle (mittelst Einrückens durch ein Handrad ) eine senkrechte Bewegung mitgetheilt und die Höhe des Arbeitsstücks von Hand verändert. Der Ruhepunkt des Zeigers wird durch einen Arm geführt, der durch einen Ansatz an der stehenden Welle f unterstützt wird, welche Welle durchgeht und sich unabhängig von dem Arm drehen kann. Am entgegengesetzten Ende von demjenigen welches den Stift führt womit sich der Zeiger dreht, ist der Arm mit einem Antifrictionsknopf versehen, der gegen eine Führerstange h wirkt. Wenn diese Führerstange geneigt ist und mittelst einer belasteten Kette der Kopf in Berührung mit derselben erhalten wird, so muß die stehende Welle beim Auf- und Niedergehen zugleich eine Achsenbewegung erhalten; letztere wird nämlich durch den Zeiger des (an ihr befestigten) Zifferblattes herumgedreht. Auf diese Weise kann, wenn es nöthig ist, ein schneckenförmiger Schnitt in dem Arbeitsstück hervorgebracht werden. Man wird nun einsehen daß, wenn ein geeigneter Rahmen i zur Aufnahme des Arbeitsstückes, z.B. eines Pistolenlaufes, an dem obern Ende der Zeigerwelle l befestigt, die sich drehende Schneide in Berührung mit dem Lauf gebracht und nach und nach vorwärts gedrückt wird, die Vertiefung für den Hebelladestock schnell gebildet werden kann.

Um die Schloßplatte in der erforderlichen unregelmäßigen Form zu vertiefen, wird der Rahmen i, welcher den Lauf festhält, durch eine eigenthümliche |164| Vorrichtung (Fig. 3) ersetzt. Dieselbe besteht aus einer kleinen Sohlplatte k, welche mittelst eines untern conischen Vorsprunges in das obere Ende der stehenden Zeigerwelle f paßt und von erhöhten Lagern l umfaßt wird, welche die horizontale Kurbelwelle m tragen. Die Kurbel dieser Welle bildet eine Art Schwingrahmen, und hat den Zweck, das Arbeitsstück, auf welches eingewirkt werden soll, durch Schraubenklammern und Keile fest zu halten. An der Kurbelwelle m ist ein Hebel und auch ein verzahntes Segment n befestigt; in dessen Zähne greift eine Sperrklinke, die an der Lagerplatte k angebracht ist und daher den Schwingrahmen, wenn es erforderlich ist, festhält; hebt man aber die Klinke, so wird letzterer frei und dreht sich um seine Achse, so daß man das Arbeitsstück in irgend einer Stellung dem Werkzeuge darbieten kann. Durch das Handrad und das oben erwähnte Räderwerk (Fig. 1) wird das Arbeitsstück höher oder niedriger gestellt und man kann ihm daher mit der größten Leichtigkeit jede beliebige Form geben.

Hinsichtlich der Schloßplatte haben wir noch zu bemerken, daß dieselbe zur Erleichterung des Bohrens der Schrauben- und anderer Löcher welche sie erfordert, um die verschiedenen Theile der Waffe daran befestigen zu können, von hängenden Spannblechen gehalten wird, von denen das oberste aus gehärtetem Stahl besteht und mit Löchern versehen ist, die den zu bohrenden entsprechen. Das auf diese Weise festgehaltene Arbeitsstück wird in den Bereich einer Reihe von sich drehenden Bohrern gebracht, welche das eingeschlossene Stück genau an den erforderlichen Stellen ohne die geringste Abweichung durchbohren.

Bei den andern Theilen der Waffen wird dasselbe Verfahren befolgt, um eine vollkommene Gleichheit bei allen Vervielfältigungen zu sichern. So wird z.B. der Hammer auf dieselbe Weise wie die Schloßplatte den Bohrern dargeboten; er wird nämlich zuvörderst in eine Kluppe oder ein Spannblech, welches in Fig. 4 im Grundriß abgebildet ist, befestigt, um die Punkte der zu bohrenden Löcher zu bestimmen. Von der innern Fläche der untern Platte a treten Stifte hervor, um die Stellung zu bestimmen, welche der Hammer auf der Platte erhalten soll. Mit dieser Platte ist die Stahlplatte b verbunden; dieselbe ist mit Oeffnungen versehen, welche denen entsprechen, die in den Hammer eingebohrt werden müssen, nachdem er vorher auf den Fräsemaschinen seine Form erhalten hat. Mit der untern Platte ist ein Spannhebel c verbunden, der nun auf die obere Platte b drückt und das Arbeitsstück festhält. Die Kluppe wird auf die Platte der Fräsemaschine gelegt und durch einen Tritt des Aufsehers gehoben, bis der geeignete Bohrer der sich ununterbrochen drehenden Gruppe durch die Stahlplatte geht und das Arbeitsstück durchbohrt. Die Kluppe |165| wird dann verschoben, bis alle erforderlichen Löcher gebohrt sind. Nachdem dieß geschehen, wird der Hammer aus der Kluppe herausgenommen, ein anderer eingelegt und die Arbeit wiederholt.

Um profilirte Arbeiten, wie die Drücker- und die Kolbenplatte, zu fräsen, wird eine sehr sinnreiche Maschine angewendet, welche Manches mit der Holzschneide-Maschine gemein hat. Diese Profil-Fräse (jigger genannt) ist in einer vordern Ansicht und in einem senkrechten Durchschnitt in Fig. 5 und 6 dargestellt. Das Arbeitsstück wird auf der horizontalen Tafel a, welche in dem Gestell b verschiebbar ist, befestigt. An ihrer untern Seite ist diese Tafel mit einer doppelten Zahnstange versehen, in welche zwei Getriebe c greifen, die von einer Kurbel d eine drehende Bewegung erhalten. Auf der Fläche dieser Platte, neben dem Arbeitsstück e, ist ein Führer- oder Leitstück f befestigt, wie Fig. 7 im Grundriß zeigt. Ein senkrechtes Gestell g mit parallelen, horizontalen Leitstangen, trägt ein zusammengesetztes Scheibengestell h, an welchem Spindeln mit Fräsen h¹, h² an ihren unteren Enden, und auch Leitstifte i angebracht sind. Diese Spindeln werden durch Riemen von einer Trommel aus, welche sich hinter der Maschine befindet, betrieben, und sie können sammt den Führerstiften eine horizontale und eine verticale Bewegung erhalten, nämlich mittelst eines Handhebels k, der durch ein sich drehendes Lager in dem zusammengesetzten Rahmen h geht und seinen Drehpunkt in den Leitrahmen g hat. Der Zweck der sogenannten Zeichner (tracers) besteht darin, der Quere nach um das Leitstück s zu gehen und daher die respectiven Fräsen zu veranlassen eine ähnliche Figur zu beschreiben, während sie auf das Arbeitsstück einwirken. Arbeitsstück und Werkzeug werden mittelst der Kurbel d an der Tafel und mittelst des Hebels k an dem Spindelgestell mit einander in Berührung gebracht und der Arbeiter hält durch diese zusammengesetzte Bewegung einen von den Zeichnern in Berührung mit dem Führungsstück f, daher die Fräse die Figur nach Vorschrift des Zeichners schneidet. Man hat es zweckmäßig befunden zwei Arten von Fräsen (und für jede einen Zeichner) an dem Spindelrahmen anzubringen, um verschiedenartige Schnitte, z.B. Fläche und convexe, ausführen zu können, ohne daß eine nochmalige Adjustirung erforderlich ist; man braucht nämlich dann nur den zusammengesetzten Rahmen h nach rechts oder nach links zu verschieben, um die eine Fräse an die Stelle der andern zu bringen. Der innere Theil des zusammengesetzten Spindelrahmens wird an dem äußern Gestell in seinen verschiedenen höheren oder niedrigeren Stellungen, wie sie erforderlich sind, durch einen Federbolzen festgehalten. Man begreift, daß diese Maschine eben so gut eine eingeschlossene, als eine offene Oberfläche ringsum fräsen kann; und da die |166| Werkzeuge durch Zeichner und die Patrone geführt werden, so sind die Arbeiten vollkommen gleichförmig. Es können in einem Tage hundert und fünfzig Drückerbleche mittelst einer Maschine auf ihren profilirten Oberflächen gefräst werden. Sie werden dann, wie bemerkt, anderen Maschinen übergeben, um ihre Enden und Kanten zu bearbeiten. Die Kolbenbleche an den hinteren Enden der Pistolen werden auf ihren profilirten Flächen von einer ganz ähnlichen Maschine gefräst, und es wird zu dem Ende eine passende Patrone auf der Tafel a festgeschraubt, um die Bewegungen der Fräse zu leiten.

Die Schraubenschneidmaschinen stehen mit zahlreichen anderen Maschinen im Erdgeschoß der Fabrik; jede derselben wird von einem Knaben bedient, dessen Geschäft darin besteht, die noch nicht geschnittenen Schrauben in eine sich drehende Hülse zu stecken und die Schneiden zum und über das Arbeitsstück vorzurücken. Wir wollen von den Schraubenschneidmaschinen diejenige speciell beschreiben, welche zum Vollenden der Kegel dient, die an ihren innern Enden mit Schraubengewinden versehen werden, um in die conischen Sitze am hintern Ende des Schwanzschrauben-Cylinders einzugreifen.

Diese, in Fig. 8 im Grundriß und in Fig. 9 im Querdurchschnitt dargestellte Maschine hat folgende Einrichtung: – Ihre Bettplatte a ruht auf einem gußeisernen Gestell, und über die Platte erheben sich geeignete Docken, um die hohle Welle b aufzunehmen, auf welcher die Treibrollen befestigt sind. An ihrem inneren Ende ist diese hohle Welle mit einer Federzange c zum Festhalten des abzudrehenden und mit Schraubengewinden zu schneidenden Arbeitsstücks versehen; am andern Ende dagegen mit einer Schraube d, welche dieselbe Steigung des Gewindes hat, das die zu schneidende Schraube erhalten soll. Eine Welle e, die mit der Welle b eine parallele Lage hat, ist an dem einen Ende mit einem Arm f versehen, an dessen unterer Seite eine Wange mit Gewinden befindlich ist. Diese Gewinde greifen in diejenigen der Schraube d, während sich diese Schraube dreht. Auf diese Weise wird der Welle e eine langsame Längenbewegung mitgetheilt, weßhalb sie auch zweckmäßig vorgerichtet ist, um diese Bewegung zu gestatten. An dem entgegengesetzten Ende der Welle e ist ein adjustirbarer Halter angebracht, der die Schneide g aufnimmt, welche das Gewinde an den Schraubenbolzen schneidet.

Diese Schraubenschneidmaschine, welche die Kegel für den Schwanzschraubencylinder abdreht und die Gewinde daran schneidet, ist mit vier Werkzeugen versehen, welche respective den Durchmesser des Bolzens adjustiren, die Enden vollenden, das Gewinde daran schneiden und dasselbe an der Schulter wieder wegnehmen. Eine mechanische Vorlage h, welche |167| auf der Bettplatte a steht, führt zwei Kaliberschneiden i, i, welche mittelst eines Handhebels k dem Arbeitsstück genähert und von demselben zurückgezogen werden können. Eine zweite Vorlage l, welche ein Werkzeug m führt, das sich in rechtwinkeliger Richtung gegen die Vorlage h bewegt, ist dazu bestimmt, das Gewinde an der Schulter des Kegels wieder abzudrehen; die Vorlage l wird mittelst des gebogenen Handhebels n bewegt. Beim Betriebe der Maschine wird ein aus der Schmiede kommender Kegel oder Bolzen in der Federzange c befestigt, und nachdem der hohlen Welle b durch Riemen und Rolle eine rotirende Bewegung ertheilt worden ist, werden zuvörderst die Kaliberschneiden i, i mittelst des Handhebels k vorgerückt (unterdessen bleiben die übrigen Schneiden oder Meißel außer Wirkung) und durch diese wird das Arbeitsstück vorbereitet, um das Gewinde daran schneiden zu können. Die Drehungsrichtung der Welle b wird nun umgekehrt, die mit Gewinden versehene Wange der Welle e auf die sich drehende Schraube d niedergebracht und gleichzeitig die Schneide g mit dem Kegel in Berührung gebracht. Die fortgesetzte Drehung der Schraube d gibt der Welle e eine Querbewegung und veranlaßt die Schneide g ein Gewinde an den sich drehenden Kegel zu schneiden. Wenn das Werkzeug an das Ende seines Laufes gelangt ist, so hebt der Arbeiter die Wange außer Berührung mit der Schraube d, und schiebt die Welle mit ihrem Meißel in die anfängliche Lage zurück. Er erhält den letztern in Berührung mit dem Arbeitsstück, indem er die Stellschraube darauf wirken läßt, und dieses Verschieben wird so lange wiederholt, bis die Schraubengänge die erforderliche Tiefe erlangt haben. Darauf bringt er die Schneide außer Berührung mit dem Arbeitsstück und schiebt den Meißel m mittelst des gekrümmten Handhebels vor, kehrt zu gleicher Zeit die Richtung der drehenden Bewegung um, und dreht dicht an der Schulter des Kegels eine halbrunde Vertiefung ein, damit derselbe in dem Schwanzschraubencylinder gehörig versenkt werden kann. Der Kegel wird dann aus der Zange durch Lösen der Schraube herausgenommen, ein anderer eingespannt und die Arbeit wiederholt. Zur Vollendung des Kegels muß noch die centrale conische Vertiefung eingebohrt und die Schulter desselben quadratisch gemacht werden.

Es erübrigt uns noch eine Maschine zu beschreiben, welche vielleicht die sinnreichste von allen ist, nämlich die Ziehbank (risling machine), um dem Gewehrlauf die Züge zu ertheilen, welche bekanntlich sehr verschiedenartig seyn können. Wir wählen eine solche Ziehbank, auf welcher zu gleicher Zeit vier Läufe mit Zügen versehen werden können. Fig. 10 ist ein Grundriß, Fig. 11 ein Längendurchschnitt und Fig. 12 ein Querdurchschnitt derselben. Die Läufe a, a sind neben einander in der Maschine |168| angebracht und jeder ist in einem Futter b befestigt; diese Futter liegen in passenden Lagern. Auf jedes von diesen Futtern ist eine kreisrunde Platte c befestigt, die mit radialen Vertiefungen versehen ist, in einer Anzahl gleich den Zügen, welche die Läufe erhalten sollen. Diese Einschnitte haben einen Bolzen d (Fig. 12) aufzunehmen, welcher den Lauf während des Einschneidens des Zuges festhält. Ein der Quere nach verschiebbarer Rahmen e mit Keilen f, die mit Gelenken versehen sind, hebt alle Bolzen der verschiedenen mit Einschnitten versehenen Scheiben gleichzeitig aus diesen verschiedenen Einschnitten. Zu gleicher Zeit schließen sich Riegel, die an der untern Seite der Keile gebildet sind, an die Stifte an, welche von der Seite der gekerbten Scheiben c hervortreten, und veranlassen dadurch die Futter mit den Läufen, eine theilweise Drehung zu machen, um dem schneidenden Werkzeuge einen neuen Theil der innern Peripherie der Läufe darzubieten. Die Stiele g dieser Ziehwerkzeuge werden von Spindeln h bewegt, die in einem der Quere nach laufenden Rahmen i angebracht sind, welcher sich in der Richtung der Achsen von den Läufen bewegt. An diesem Rahmen i ist eine Zahnstange k angebracht, welche in Getriebe an den Spindeln der Werkzeuge greift, zu dem Zweck letztern eine unregelmäßige Achsenbewegung zu geben. Mit der Zahnstange k ist ein sich schwingender Hebel verbunden, der sich um einen festen, aber adjustirbaren Drehpunkt bewegt und durch die Bewegung des Rahmens i eine vibrirende Bewegung erhält, wodurch er die Zahnstange in ihren Leitungen mit veränderlicher Geschwindigkeit bewegen kann. Die Stiele der Schneidwerkzeuge gehen durch die hohlen Futter b und die Läufe a; sie sind an ihrem vordern Ende mit einer Nuth versehen, um das schneidende Werkzeug aufzunehmen, welches in Fig. 13 besonders dargestellt ist; dasselbe ist lose in die Nuth eingelassen. Das Einschneiden der Züge beginnt am hintern Ende der Läufe, und die Werkzeuge müssen daher von hinten nach vorn vorgehen. In derselben Nuth im Stiel g, welche die Schneide enthält, ist auch eine keilförmig ablaufende Stange eingelassen; durch die Vorwärtsbewegung des Rahmens i werden die Stangen der verschiedenen Stiele gegen langsam vorrückende Aufhalter m getrieben, deren Wirkung darin besteht, die Schneiden nach und nach aus ihren Nuthen empor zu treiben, bis sie die erforderliche Tiefe des Zuges hervorbringen, können. Wenn die Schneiden aus den Läufen hervortreten, so kommen sie in Berührung mit Oelbürsten n, wodurch sie mit Oel versehen und auch von den Metallspänen gereinigt werden. Der Rahmen i, welcher die Stiele g der Schneiden enthält, ist mittelst der Lenkstangen o mit den Kurbeln p, p in Verbindung gesetzt, die an der Treibwelle t sitzen. Wenn die Aufhalter m in der gehörigen Ausdehnung vorgeschritten sind und die |169| Schneiden die Läufe bis auf die erforderliche Tiefe mit einem Zuge versehen haben, so löst der Mechanismus welcher die Aufhalter vorwärts trieb, einen Federhalter r, der an seinem Ende mit einem verzahnten Segment versehen ist und gestattet ihm eine neue Stellung anzunehmen. Dieses Segment greift in eine Zahnstange, welche mit dem Ein- und Ausrückungs-Muff zwischen den beiden Theilen der Treibwelle in Verbindung steht. Durch das Lösen des Federhebels wird der Muff ausgerückt und die Maschine kommt zum Stillstande sobald der Zug in den Läufen vollendet ist. Wenn die Läufe auf diese Weise alle Züge erhalten haben, so werden sie aus der Ziehbank genommen und der Wirkung einer Polirmaschine übergeben, welche die Bohrung und die Züge der Läufe in der Art vollendet, daß sie als höchst trefflich überall anerkannt worden sind. – Die Zusammensetzung der Waffen bietet nichts Neues dar.

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