Titel: Corenwinder, über die Erzeugung von Kohlensäuregas durch den Boden, die organischen Substanzen etc.
Autor: Corenwinder, B.
Fundstelle: 1856, Band 140, Nr. LXX. (S. 306–308)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/ar140070

LXX. Ueber die Erzeugung von Kohlensäuregas durch den Boden, die organischen Substanzen und die Düngerarten; von B. Corenwinder.

Aus den Comptes rendus, Juli 1855, Nr. 5.

Man weiß durch Saussure's Untersuchungen, daß feuchte organische Substanzen, der Luft ausgesetzt, sich des Sauerstoffs bemächtigen, denselben zum Theil in sich aufnehmen, und daß mit ihrem Wasserstoff Wasser gebildet und auf Kosten ihres Kohlenstoffs Kohlensäure erzeugt wird; bis jetzt hat aber noch kein Chemiker, auch nur annäherungsweise, ermittelt, wie viel Kohlensäure der Boden und die in Zersetzung begriffenen Substanzen von selbst an die Luft abgeben, und es wurde diesem Vorgang nicht die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt.

Ich habe in einer der französischen Akademie der Wissenschaften übergebenen ausführlichen Abhandlung gezeigt, daß der Boden, je nach dem fruchtbarmachenden Bestandtheil, welchen er enthält, Kohlensäure in mehr oder weniger beträchtlicher Menge entwickelt. So habe ich ermittelt daß thoniges Erdreich, mit Stallmist und 3300 Kilogr. Oelpreßkuchen per Hektare gedüngt, in 24 Stunden 15,70 Liter Kohlensäuregas per Quadratmeter Oberfläche ausgibt, was 1570 Hektolitern per Hektare entspricht. |307| Dieses Erdreich enthielt 12 bis 13 Procent Feuchtigkeit, und die Schicht, womit der Versuch angestellt wurde, war 8 Centimeter dick. Die Temperatur schwankte während der Dauer der Beobachtungen von 16 bis 24º R. Wie zu erwarten war, erzeugte ein Boden welcher wenig Dünger (oder minder wirksame Düngerarten als der Preßkuchen) enthielt, eine geringere Menge Kohlensäure.

Wenn man den Boden auf der Oberfläche umrührt, so entwickelt sich eine größere Menge Kohlensäure, weil dann neue Theilchen der organischen Materien der Einwirkung der Luft ausgesetzt werden. Wahrscheinlich ist dieß eine der Ursachen der anerkannten Wirksamkeit des Jätens und des tiefen Umarbeitens.

Die Dünger erzeugen Kohlensäure in sehr großer Menge und zwar um so mehr, als sie sich in einem vorgeschritteneren Zustand der Veränderung (Gährung) befinden. So liefert: 1) frischer Kuhmist in 24 Stunden per Quadratmeter 12 Liter Kohlensäure; vier Tage lang aufbewahrt, gibt er für dieselbe Fläche beiläufig 20 Liter Gas; 2) frischer Pferdemist liefert in 24 Stunden per Quadratmeter nur 5 Liter Kohlensäure; nach vier Tagen wird aber die Gährung so bedeutend, daß die Entwickelung von kohlensaurem Gas in 24 Stunden bis 88 Liter per Quadratmeter steigt. Die Dicke der Düngerschichten betrug bei diesen Bestimmungen jedesmal 8 Centimeter. Der trockene Zucker, die feuchte Holzkohle liefern keine Kohlensäure; der Guano sehr wenig; 1 Kilogr. roher Lein läßt, nachdem man ihn feucht 3 bis 4 Tage der atmosphärischen Luft ausgesetzt hat, in 20 Stunden 11 bis 12 Liter entweichen. Die Temperatur bei diesen Versuchen wechselte von 16 bis 24º R.

Aus diesen Resultaten ersieht man, daß durch die Veränderung der organischen Substanzen an der Oberfläche des Bodens den Pflanzen eine beträchtlichere Menge Kohlensäure geliefert wird, als man bisher glaubte. Man nimmt ziemlich allgemein an, daß die für das Wachsthum der Pflanzen nothwendige Kohlensäure fast ganz durch das Athmen der Thiere geliefert wird, und daß zwischen beiden Reichen ein Gleichgewicht, eine wechselseitige Abhängigkeit besteht; damit ist man aber offenbar zu weit gegangen, denn die Menge des Kohlenstoffs, welche sich alljährlich in der Masse von Gewächsen auf dem cultivirten Boden fixirt, ist sehr groß im Vergleich mit der Kohlensäure welche das thierische Athmen liefert.

Nach dem Vorstehenden muß man annehmen, daß die Pflanzen an der Oberfläche der Erde sich in einer Atmosphäre befinden, die mit Kohlensäure geschwängert ist, welche sich beständig erneuert und um so reichlicher erzeugt wird, je höher die Temperatur, und je feuchter der Boden ist, |308| weil diese Umstände die Zersetzung der Dünger begünstigen. Die von Boussingault angestellten genauen Analysen der im Boden befindlichen Luft rechtfertigen diese Ansicht.

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