Titel: Claparéde's atmosphärischer Krahn.
Autor: Claparède,
Fundstelle: 1856, Band 140, Nr. LXXV. (S. 332–335)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/ar140075

LXXV. Atmosphärischer Krahn, von Hrn. Claparède, Maschinenbauer zu Paris.

Aus Armengaud's Génie industriel, Decbr. 1855, S. 330.

Mit Abbildungen aus Tab. V.

Dieser Apparat unterscheidet sich von allen bis jetzt unter dem Namen Krahn, Aufzug oder Winde bekannten dadurch, statt daß er, anstatt durch Räderwerk, Kurbeln oder Hebel in Bewegung gesetzt zu werden, direct entweder durch die Luftleere oder durch zusammengepreßte Luft betrieben wird.

Man denke sich z.B. einen, in einer Säule eingeschlossenen Kolben, welcher mit einer Kette (oder einem Seil) verbunden ist, die über Rollen lauft und an welche die zu hebende Last gehängt ist; wenn nun unter dem Kolben durch eine Luftpumpe das Vacuum hergestellt wird, so muß der Kolben durch den auf ihn einwirkenden atmosphärischen Druck niedergehen, daher die an die Kette gehängte Last aufwärts gehen wird.

Da der Druck einer Atmosphäre gleich demjenigen von 1,033 Kil. auf einen Quadratcentimeter ist, so begreift man, daß je größer die Kolbenfläche ist, um so bedeutender auch die zu hebende Last seyn kann. Bringt man an dem Apparat ein Ventil, ein Register oder einen Hahn an, welcher die Verbindung zwischen dem Innern der Säule und der Luftpumpe herzustellen gestattet, und zugleich einen andern Hahn oder ein Ventil, durch welches die äußere Luft einströmen kann, so kann man offenbar mit großer Leichtigkeit nicht nur die Leistung des Krahns durch eine mehr oder weniger vollständige Leere, sondern auch die Geschwindigkeit des Kolbens und folglich des zu hebenden Gewichts reguliren; es ist einleuchtend, daß eine solche Vorrichtung in Magazinen, beim Haus- und Maschinenbau etc. große Dienste leisten kann.

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Wenn man, anstatt unter dem Kolben eine Leere zu machen, dagegen, indem man die Säule oben verschließt, zusammengepreßte Luft auf ihn einwirken läßt, so muß natürlich dieselbe Wirkung hervorgebracht werden, und da die Verdichtung der Luft auf mehrere Atmosphären gebracht werden kann, so lassen sich in diesem Falle bei gleichen Kolbenflächen größere Lasten heben, oder man kann, bei gleicher gegebener Last, den Cylinderquerschnitt vermindern.

Fig. 19 ist ein Seitenaufriß des Apparates, welcher die gewöhnlichen Krahne mit Räderwerk ersetzt.

Fig. 20 ist ein senkrechter Durchschnitt durch die Achse der Säule oder des Cylinders mit dem Treibkolben.

Ein Blick auf die Figuren zeigt, daß der Haupttheil des Apparates, wie schon bemerkt, besteht: 1) aus einem beweglichen Kolben A, den man aus schwachem Gußeisen oder aus Blech verfertigen und wie einen Gebläse- oder einen Luftpumpenkolben mit Leder liedern kann; 2) aus einem langen Cylinder oder einer großen Säule von Gußeisen oder Blech B, welche die senkrechte Säule des Krahns ersetzt und die, wenn der Krahn mit comprimirter Luft betrieben wird, oben geschlossen und unten offen seyn muß. In der Abbildung sieht man das Entgegengesetzte, indem der dargestellte Apparat mittelst der Luftleere oder vielmehr Luftverdünnung arbeitet; der Cylinder ist dann oben offen und der Kolben wird von oben her eingeführt.

Durch die Mitte dieses Kolbens geht ein Bolzen mit Schraubenmutter a, mittelst dessen er an die Kette b gehängt ist, welche aus dem Cylinder heraus, über die mit Vertiefungen auf dem Umfange versehenen Rollen C und D läuft und am andern Ende mit einem Gegengewicht E, welches das Gewicht des Kolbens ausgleicht, versehen ist, und mit einem Haken c, an den man die zu hebende Last hängt.

Der untere Theil des Cylinders ist durch den Seitencanal d und durch eine verlängerte Röhre e mit der Saugpumpe in Verbindung gebracht, welche zur Herstellung der Luftleere dient. Zwischen d und e bringt man die Büchse oder Tubulatur F an, die mit einem Ventil f, welches man nach Belieben mittelst der Stange g öffnet, oder mit einem Schieber, einer Klappe etc. versehen ist. (Siehe Fig. 21.)

Aus dieser Einrichtung folgt, daß wenn man nach dem Oeffnen des Ventils die Luftpumpe spielen läßt, im Innern der Säule B unter dem Kolben eine Leere entsteht. Er geht daher durch den auf ihm lastenden atmosphärischen Druck nieder, wogegen die am anderen Ende des Seils hängende Last verhältnißmäßig in die Höhe steigt.

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Da man an der Seite der Büchse F einen Hahn h angebracht hat, welcher in die freie Luft ausgeht, so kann man durch Einlassen einer geringen Luftmenge in das Innere des Cylinders den Gang des Kolbens verzögern und die aufgehende Geschwindigkeit der zu hebenden Last genau reguliren.

Damit sich der Krahnarm G um den Cylinder oder die Säule drehen kann, ist eine ähnliche Vorrichtung benutzt, wie man sie bei manchen Krahnen angewendet findet. Es ist nämlich dieser Arm mit einer Hülse oder einem Mantel von Gußeisen H verbunden, welcher an seinem Fuß einerseits die senkrechten Rollen i, die sich auf der (mit dem Cylinder B aus einem Stück gegossenen) Platte J bewegen, und andererseits die Seitenrollen i' umschließt, welche man besonders auf der Seite des Arms anbringt. (Siehe den Grundriß Fig. 22.)

Der obere Theil derselben Hülse enthält Seitenrollen , die sich in einer diametral entgegengesetzten Richtung befinden (Fig. 23) und, wie die ersteren, sich um die äußere Oberfläche der Säule bewegen, mit welcher sie in Berührung bleiben.

Dieser äußere Cylinder ist mit einer angegossenen Console K versehen, welche als Träger für die Welle der Treibrolle C dient und durch eiserne Zugstangen L mit dem Scheitel des Arms G verbunden ist, der die zweite Treibrolle D festhält.

Die Kette b ist mit dem Bolzen a, welcher durch den Kolben geht, durch einen Ring verbunden, der sich um den Bolzen drehen kann.

Man kann daher dem Fuß des Krahns alle möglichen Stellungen um den Cylinder geben und dieselben sehr leicht verändern.

Man hätte auch, wie bei gewissen Zapfenkrahnen, das System auf eine hohle Welle stellen können, welche an ihrem untern Theile durch eine Röhre mit der Luftpumpe verbunden ist, so daß die Leere im Innern des Raumes unter dem Kolben wie bei der vorhergehenden Einrichtung bewirkt werden kann. – Beim Betriebe mit comprimirter Luft müßte eine Druckpumpe mit dem obern Theile der Säule in Verbindung gebracht und derselbe luftdicht verschlossen werden, während der untere Theil der Säule gegen die freie Luft zu offen ist, sey es nun durch den hohlen Zapfen, oder durch eine am Fuß angebrachte Oeffnung.

Man begreift, daß ein solches Krahnsystem zu allen Zwecken, zu denen Krahne erforderlich sind, benutzt werden kann. Will man z.B. Lasten auf bedeutende Höhen heben, so könnte man dieß entweder dadurch bewerkstelligen, daß man der Säule die dazu erforderlichen Dimensionen gibt, oder dadurch daß man am obern Theil Flaschenzüge anbringt, über die man die Kette, welche die Last hebt, laufen läßt.

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An Orten, wie in Häfen oder an Landungs-Quais, wo mehrere, einander nahe stehende Krahne erfordert werden, ist eine einzige Luftpumpe, wenn der Betrieb mit der Leere geführt werden soll, oder eine Druckpumpe beim Betrieb mit comprimirter Luft hinreichend, um alle Krahne zu bedienen.

Durch Anwendung eines Manometers oder Barometers kann man die zu hebenden Stücke annähernd wiegen.

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